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Mariza - Concerto Em Lisboa 
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Mariza - Concerto Em Lisboa cover

Darsteller: Mariza
Format: PAL
Sprache: Portugiesisch
Bildseitenformat: 16:9
Studio: EMI Music Germany GmbH & Co.KG
DVD-Erscheinungstermin: 31. Dez. 2006
EMI Capitol

Mariza - Concerto Em Lisboa

Concerto em LisboaDie Kulisse für den Mitschnitt „Concerto em Lisboa“ hätte man wohl kaum besser wählen können. Als Mariza im September 2005 vor Bewohnern ihrer Heimatstadt Lissabon auftrat und den Abend für eine Live-CD und eine Live-DVD aufzeichnen ließ, entschied sie sich für die Gärten vor dem Torre de Belém, im westlichen Teil Lissabons gelegen, als Spielstätte. Der Wach- und Leuchtturm auf einem Felsen im Mündungstrichter des Tejo wurde zwischen 1515 und 1521 auf Geheiß von König Manuel I. errichtet und gehört zu den wenigen herausragenden Bauwerken jener Epoche, die das Erdbeben von 1755 unbeschadet überstanden. Das Steinmonument versinnbildlicht die Blütezeit der portugiesischen See- und Handelsmacht, heute stellt es zudem eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons und ein Symbol der portugiesischen Einheit dar.

Vom 35 Meter hohen Torre de Belém aus, der 1983 von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft wurde, haben Schwindelfreie einen großartigen Blick auf Lissabon, jene Stadt, in der Mariza seit ihrem dritten Lebensjahr zu Hause ist und von deren Bevölkerung sie in ihrer künstlerischen Entwicklung maßgeblich geprägt wurde. Die Tochter eines Portugiesen und einer Afrikanerin erblickte 1973 zwar in Moçambique das Licht der Welt, aufgewachsen ist sie jedoch in Mouraria, einem sehr alten Bezirk Lissabons, den die Musikwissenschaft für den Geburtsort des Fado hält. Als Kind hörte Mariza dort die Sängerinnen des Viertels und träumte davon, einmal selbst eine Fadista zu werden. Dieser Traum ist längst wahr geworden, mehr noch: Die Frau mit der extravaganten Haartracht wurde nicht nur eine Fadista unter vielen, Kenner sehen in ihr derzeit die unumstrittene Regentin des Fado.

Die Publikumsreaktion fiel dementsprechend enthusiastisch aus, als Mariza im September 2005 vor dem Torre de Belém ausgewählte Songs ihrer bisherigen drei Studioalben live präsentierte.

Vor 20.000 begeisterten Menschen interpretierte sie, unterstützt von der 40-köpfigen Sinfonietta de Lisboa, Titel wie „Loucura“, „Chuva“, „Feira de Castro“, „Recusa“ und „Medo“ in stimmungsvollen Orchesterfassungen. Die Arrangements dafür schrieb kein Geringerer als Jaques Morelenbaum. Der klassisch geschulte Brasilianer hat im vergangenen Vierteljahrhundert mit vielen Größen seiner Heimat gearbeitet, darunter Caetano Veloso, Marisa Monte, Daniela Mercury und Gal Costa.

Den Auftritt hat man mit Mikrofonen und Kameras festgehalten, eine CD und DVD geben das Live-Material nun originalgetreu wieder. Während die Compact Disc „Concerto em Lisboa“ sechzehn Tracks aufweist, wartet die gleichnamige Digital Versatile Disc mit zwei zusätzlichen Tracks auf. Der Konzertabend in Portugals Hauptstadt ist hier im Breitwandformat 16:9 zu sehen und in einem Stereomix sowie im dreidimensionalen Surround-Sound zu hören. In der Zugabenabteilung der DVD liegen Extras wie etwa ein Making of und das Video zu „Meu Fado Meu“ bereit.

„Concerto em Lisboa“ versammelt wunderbare Beispiele für Marizas Auffassung von einer traditionsverbundenen und gleichzeitig aktuellen Fado-Folklore. Den „portugiesischen Blues“, wie Fado auch genannt wird, erhebt die Vokalistin hier mit der Hinzunahme von Streichern zum üblichen Instrumentarium aus Akustikgitarren und Kontrabass zur Kunstform. Sie entfernt sich damit, ähnlich wie ihre Kolleginnen Dulce Pontes, Mísia, Amélia Muge und Cristina Branco, immer mehr von der ursprünglichen Schlichtheit dieses Genres und doch bleibt die Essenz, die unheilbare Melancholie von Portugals musikalischem Nationalschatz, stets erhalten.

Die Musikgattung Fado, deren Wurzeln von Forschern bis ins frühe 19. Jahrhundert verfolgt wurden, vermutlich aber noch viel weiter zurückreichen, hat bis zum heutigen Tage ihren elegischen Ton beibehalten. In Marizas Songkunst wird diese Saudade-Stimmung, die von Leid, Traurigkeit, Verzweiflung und einer unstillbaren Sehnsucht kündet, seit jeher ungemein anrührend vermittelt. Schon ihr Debüt von 2001, inzwischen vierfach mit Platin veredelt, traf damit mitten ins Herz des Hörers. „Fado em mim“ war tief in der Tradition verwurzelt und führte den Fado zugleich mit modernen Klangmitteln ins 21. Jahrhundert. Der Künstlerin von der iberischen Peninsula gelang in der Heimat mit diesem Werk ein kometenhafter Aufstieg.

Im Frühjahr 2003 folgte das zweite Album, das ganz Europa im Sturm nahm und Mariza endgültig in Weltmusikkreisen etablierte. Standen im Zentrum des Debüts noch Liedklassiker der 1999 verstorbenen Fado-Diva Amália Rodrigues, so enthielt „Fado curvo“ vornehmlich neue, sehr persönliche Vertonungen portugiesischer Gedichte. Mariza fand damit zu einer klar konturierten, eigenen Ausdrucksform. Das Wort „curvo“ im Albumtitel bedeutet nebenbei bemerkt „gewunden“, „gebogen“. Mariza meint, das sei die passende Umschreibung für so ziemlich alles, was auf Erden wichtig ist: „Das Leben verläuft nun mal nicht in geraden Bahnen, genauso wenig wie zwischenmenschliche Beziehungen oder auch Musik.“

2004 führte der gewundene Pfad des Lebens zur DVD-Premiere „Live in London“, im selben Jahr stimmte Mariza mit Sting im Duett den Titel „A Thousand Years“ für das offizielle „Unity“-Album der Olympischen Spiele an. Ein Jahr später nahm die Portugiesin gemeinsam mit Peter Gabriel, Youssou N’Dour und Angélique Kidjo an der „Live8“-Aktion in Cornwall teil, darüber hinaus veröffentlichte sie ihr aufwändig orchestriertes drittes Album „Transparente“. Arrangeur und Produzent Jaques Morelenbaum schuf Mariza hierfür mit Streichern den perfekten Rahmen für die Sturmgewalt ihrer Stimme. Die Portugiesin erweiterte ihr Sound-Spektrum um brasilianische und afrikanische Rhythmen sowie Anleihen beim Jazz und lieferte bei den Studioaufnahmen in Rio de Janeiro eine wahrlich atemberaubende Performance ab. „Transparente“ wurde in 35 Ländern veröffentlicht, in Portugal eroberte das Album die Spitze der Charts, in Finnland, Island und Holland erreichte es die Top Ten.

Bei sovielen Erfolgen lassen die Ehrungen normalerweise nicht lange auf sich warten. Im Falle von Mariza war das nicht anders, sie kann mittlerweile eine Reihe hochkarätiger Preise vorweisen. Sie wurde bei den „BBC Radio 3 Awards for World Music“ als beste europäische Künstlerin ausgezeichnet, durfte bereits zweimal den Preis der deutschen Schallplattenkritik in Empfang nehmen und nahm von der MIDEM den „European Border Breakers Award“ mit nach Hause. Eine besondere Ehre stellt des Weiteren die Ernennung zur UNICEF-Botschafterin dar. Und auch der Orden „Comenda da Ordem do Infante D. Henrique“, der der Sängerin vom Präsidenten ihres Heimatlandes für ihre Verdienste um die Verbreitung portugiesischer Kultur in der Welt verliehen wurde, unterstreicht ihr hohes Ansehen.
Mariza freut sich über die Anerkennung, die mit solchen Auszeichnungen verbunden ist, legt letztlich aber nicht allzu viel Wert darauf, genauso wie ihr Platzierungen in irgendwelchen Ranglisten egal sind. „Mir ging es nie darum, an der Spitze von irgendetwas zu stehen“, sagte sie einmal bescheiden. „Ich will einfach nur singen.“

Und das kann sie ganz offensichtlich vorzüglich. Davon haben sich in den letzten Jahren abertausende von CD-Konsumenten überzeugt, die Besucher ihrer triumphalen Tourneen können das ebenfalls bestätigen. Seit dem Karrierestart 2001 hat Mariza überall auf der Welt mit ihrer Bühnenpräsenz fasziniert. In Londons Royal Festival Hall, der Alten Oper in Frankfurt, New Yorks Carnegie Hall, dem Opernhaus in Sydney und vielen anderen Kulturtempeln sanken ihr die Konzertgänger gleich scharenweise zu Füßen.

Auf der Bühne wächst die zierliche Künstlerin ins Unermessliche. Mit „Concerto em Lisboa“ stellt sie ihre Performer-Qualitäten ein weiteres Mal eindrucksvoll unter Beweis. Der Livemitschnitt auf CD und DVD lässt nun auch den Zuhörer bzw. Zuschauer daheim im Wohnzimmer miterleben, wie Mariza mit dem Publikum vor dem Torre de Belém flirtet, wie sie es mit ihrem herrlichen Gesang umgarnt. Diese Stimme ist zum Niederknien schön. (Fredy)  17. Dezember 2006
220V

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