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Maria Bethania
: Brasileirinho (Net FX / ZYX Music)
Zierlich an Gestalt mag sie sein; als Künstlerin zählt Maria Bethânia zu den absoluten Schwergewichten ihrer Heimat Brasilien. Dort ist die Sängerin eine Ikone, seit sie gegen Ende der 60er Jahre im Rahmen der tropicalia-Bewegung erstmals öffentliche Anerkennung fand.
Wer vor "Brasileirinho" noch kein Freund und Bewunderer des reichhaltigen kulturellen Erbes Brasiliens war, ist es nach dem Genuss dieser außergewöhnlichen und vielschichtigen Produktion mit Sicherheit. Dafür weiß Maria Bethânia auf eine Weise zu sorgen, die wohl nur jemandem gelingt, der selbst seit langem ein lebendiger Teil dieses Vermächtnisses ist.
Schon der erste Track vereint eine ganze Fülle verschiedenster Einflüsse brasilianischen Kulturgutes: Bethânia interpretiert hier, mit Unterstützung der populären Truppe Uakti aus Minas Gerais, einen Song der Baianos Gerônimo & Ildásio Tavares mit dem Titel "Salve as Folhas" ('Rette/t die Blätter') und verbindet diesen mit dem Gedicht "O Descobrimento" ('Die Entdeckung') - ursprünglich verfasst vom aus Sao Paolo stammenden Dichter Mario Andrade (1895-1945), rezitiert von seinem nachgeborenen Kollegen Ferreira Gullar aus Maranhão.
Fast möchte man das Nationalgericht, die Fejoáda, als Vergleich bemühen, denn ganz ähnlich wie bei diesem charakteristischen Eintopf vermengen sich hier allerhand Köstlichkeiten zu einem noch köstlicheren Ganzen.
So bezieht sich beispielsweise der grandios verlangsamte Samba "Yayá Massemba" [2] auf die stark vom Sklavenhandel definierte Geschichte des Landes, ebenso "Capitão do Mato" ('Sklavenjäger') [3], "Cabocla Jurema" ('das Halbblut Jurema') und "Ponto de Janaína" [4]. Der tief verwurzelte und allgegenwärtige Synkretismus im Land wird auf mehr als eine bestechende Weise musikalisch umgesetzt, z.B. bei "Santo Antonio" [5], "Padreiro Do Brasil" [6] (unter Mitwirkung der multiregionalen Gruppe Tira Poeira, die wirklich schöne Instrumentaleinlagen beisteuert/e) oder dem spektakulär kontrapunktischen "São João Xangô Menino" [7], einer Komposition von Caetano Veloso und Gilberto Gil aus den 70ern.
Die Liste der Anspielempfehlungen liesse sich beliebig fortführen, denn der eindrucksvolle Bogen spannt sich ohne Einbruch, bis zu einem einnehmenden Abschluss vermittels eines Gedichts von Übervater Vinícius de Moraes und Villa-Lobo's "Melodia Sentimental". Beeindruckend.
(Fredy)
30. Oktober 2004 |

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