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Soundcheck: Manfred Leuchter - NOMADE 
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Hier im Elektrolurch-Soundcheck findet ihr zur Zeit 3382 Besprechungen. Wenn wir eure Veröffentlichungen besprechen sollen, schickt euren Stuff an die Redaktion.

Ihr könnt zu den einzelnen Platten und CD's euren Kommentar abgeben oder im Vote die weitere Entwicklung des Elektrolurch beinflussen.

Manfred Leuchter : NOMADE cover

Manfred Leuchter : NOMADE (Q-rious Music)

Das Akkordeon hat's nicht leicht. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. 'Otto Normalverbraucher' sieht eine solche 'Quetschkommode'und sortiert sie gedanklich vollautomatisch in den Bereich der Volksmusik ein, was in deutsch(sprachig)en Landen den hochambivalent besetzten Sektor Heimatklänge impliziert. Populär, sicher; aber irgendwie auch nix, "was man hört", wenn man sich schick finden will.

Überschaut man hingegen einen etwas weiteren Horizont und definiert demzufolge Volksmusik als Musik der Völker dann begegnet man dem Akkordeon und seinen Artverwandten (Bandoneon, Concertina, Harmonium und Konsorten) in einem geographisch wie musikalisch weit gespanntem Spektrum der Stile, das deutlich mehr auszudrücken weiß als nur poltrige Bierzeltstimmung.

Die sinnlich aufgeladene Energie des Tango wäre ohne diese Instrumentengattung ebenso wenig denkbar wie die verträumtverspielten Musettes französischer Prägung, den Cajun der Kreolen gäbe es ebenso wenig wie deren kraftvoll abdampfende Zydeco-Musik in selber Darreichung; man begegnet dem 'Schifferklavier' in der Musik des Maghreb ebenso wie in den Township Jives Südafrikas und noch vielen anderen wunderbaren Mischformen, die sich in den letzten 100 Jahren entwickelt haben (als eines der jüngeren Glanzbeispiele denke man beispielsweise an die beseelte Musik einer Maria Kalaniemi o.ä., die zwischen Folk und finnischem Tango, Jazz und Elementen der Klassik zu schweben versteht).

Manfred Leuchter ist als musikalische Persönlichkeit mindestens so vielseitig und facettenreich wie das Instrument seiner Wahl. Und obgleich er bislang nicht allzu oft im Scheinwerferkegel öffentlichen Interesses stand, ist er dennoch kein Unbekannter: Als gefragter Komponist, Arrangeur und Produzent zählt der musikalische Tausendsassa zu den gefragtesten Kräften in Deutschland, wo
er mittlerweile jedoch nur noch "halb" zu Hause ist: Wenn er sich nicht gerade in einem seiner 'festen' Wohnsitze im westeuropäischen Aachen bzw. nordafrikanischen Marrakesch aufhält, treibt er sich von unermüdlicher Neugier getrieben in der Weltgeschichte herum, um die unterschiedlichsten Kulturen zu entdecken - und schließlich auch zu verarbeiten. Denn alles, was ihm begegnet (ist), bietet Manfred Leuchter dem Hörer in seiner Musik ebenso zur Begegnung an.

So bietet sich dem staunenden Rezipienten eine stets faszinierende Melange (oder Menage) der Stile: Südamerika begegnet darin dem nördlichen Schwesterkontinent genauso selbstverständlich wie dem guten alten Europa und seinen Himmelsrichtungen; die Magie aus 1001er Nacht durchweht Leuchters Musik im einen Moment, um im nächsten einem frohgemuten Ausbruch nach Art von BigBand-
Arrangements zu weichen (ohne BigBand, wohlgemerkt).

Sein Ideenreichtum scheint unerschöpflich, seiner kreativen und spielerischen
Energie kaum Zügel anzulegen. Und obwohl er ein absoluter Meister seines Instruments ist, drängt er die rein technischen Aspekte seiner Fähigkeiten nie ins Zentrum des musikalischen Geschehens. Wenn er seine Finger flitzen lässt, dann weil und wo es passt; genauso bereitwillig lässt er langgezogene Töne ihr Band ausbreiten, gibt Raum für Atem und Bewegung/en seiner (übrigens ganz
vorzüglichen) Band.

Wer sich auch nur ein bißchen mit Musik auskennt, wird so manche beiläufig versteckte Anspielung und einiges an hintergründigem Humor in Leuchters Werk/en entdecken - nicht allein die beziehungsreichen Titel seiner Stücke lassen ahnen, daß hinter seiner hohen Stirn ein ruheloser Geist am Werk ist, der beileibe nicht nur musikalisch und physisch weit gereist ist, sondern auch
auch im Reich des Schriftguts und anderer kultureller Genüsse.

Die scheinen ihm ohnehin wichtiger zu sein, als z.B. große Mengen Platten zu verkaufen. Obwohl er mit "Nomade" bereits sein 5tes Album (inklusiv eines fantastischen Live-Doppel-Albums) herausgibt, ist Manfred Leuchters Musik bis heute ausschließlich von ihm selbst zu beziehen. Entweder live direkt von der Bühne, als CD an Verkaufsständen im Umfeld seiner zahlreichen Konzerte oder via
seiner HomePage www.sparito.de. Einen Vertrieb hat er bis heute nicht, ist auch bei niemandem "im Programm", worüber er gar nicht allzu unglücklich ist.

"Solang die Leute, die meine Musik hören möchten, das auch können, ist doch alles gut" äußert er dazu gutgelaunt. Und das müssen nicht gerade wenige sein, die Leute, denen das gefällt, was er macht. Sonst gäbe es weder die 5 Alben,
noch die quasi ununterbrochenen Konzertreisen des Herrn Leuchter mit seinem Quartett.

Und das, obwohl (oder vielleicht gerade weil) er mit seiner Musik zwischen all den vielbereisten Strecken lebt. Versuchen Sie mal, ein Etikett für seine Musik zu finden; nur zu. Sie werden feststellen, dass das alles andere als leicht ist. "Die neue Hoffnung des Tango" ist er zwar auch schon mal irgendwo genannt worden; aber das ist natürlich Quatsch. In der musikalischen Feinschmecker-Küche des Manfred Leuchter ist das argentinische Erzeugnis eine Zutat, vielleicht auch mal der zentrale Gegenstand eines Ganges, aber keinesfalls
das ganze Hauptgericht - geschweige denn das Menu, oder gar die Gesamtheit der Vorratskammer.

Wer nun also nach Schubladen sucht, um diesen Künstler hineinzustecken, der suche sorgsam. Lange dauern wird die Suche ohnehin. Aber wenigstens muss man sich dabei nicht langweilen. Man hat ja seine schöne Musik dabei. (Fredy)  15. April 2005
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