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Soundcheck: Witt - Bayreuth III 
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Witt : Bayreuth III cover

Witt : Bayreuth III (Primadonna / Edel)

Sieben Jahre nach dem Auftakt der Werkreihe Bayreuth setzt Joachim Witt das groß angelegte Konzept fort. Aus dem romantischen Dichter ist mittlerweile ein Denker geworden - der mit "Bayreuth III" den grünen Hügel wieder gewaltig beben lässt.

Die Zeit seit "Bayreuth II" diente der Artikulation neuer Fragen. Nach einigen kritischen Äußerungen zur Globalisierung - die bewusst aus dem Kontext ausgeklammert wurden - richtet sich der Blick mit "Bayreuth III" auf die Gesellschaft. Globale Dimensionen rücken immer dichter zusammen, deren ökonomischer Druck alles zu zermalmen scheint.

Der politische Witt nimmt Gestalt an. Als ATTAC-Sympathisant appelliert er an einen Wertewandel - und knüpft ein drittes Mal an die Romantik an. "Jeder Einzelne sollte auch gesellschaftliche Verantwortung für politische Entwicklungen übernehmen. Man muss sich nicht alles gefallen lassen!" Witts Wut über Gier und Machtstreben drückt sich in harten, lauten Kompositionen aus, die wie ein gewaltiger Erdrutsch den grünen Hügel hinabzupoltern scheinen. Denn auch für die kulturelle Identifikation steht Richard Wagner ein drittes Mal Pate.

Die Edelweißpiraten wurden jüngst als NS-Widerstandskämpfer gewürdigt. Witt gedenkt ihrem Mut mit seiner Interpretation des Stücks "Der Turm" von Michelle Leonard (Text) und Kiko Maasbaum (Musik). "Das Hitler-Regime hat neben seinen Gräueltaten bis in die heutige Zeit unsäglichen kulturellen Schaden angerichtet. Wir müssen ein neues Selbstverständnis entwickeln und unsere eigene Kultur wieder achten lernen. Und ich sehe die ersten Lichter am Horizont des musikalischen Schaffens." Natürlich ist Kultur das Ventil des Joachim Witt. Diese Hommage sollte, ebenso wie seine Bühnenpräsenz im Berliner Maxim-Gorki-Theater in "Mucksmäuschenstill", endgültig mit politischen Spekulationen aufräumen.

Interessante Neufassungen bilden außerdem "Tiefenrausch" - von Nik Page und Bernd Wendlandt- und der VNV Nation-Remix von "Wo versteckt sich Gott?". "Bayreuth III" wurde von Witt unter Mitarbeit von Uwe Hassbecker, Ritchie Barton, Jäcki Reznicek und Carsten Klick im Berliner Danz Musikstudio ausproduziert - unter weiterer Mitarbeit von Berndt Wendland im Valicon Studio. Auch diese freundschaftliche Zusammenarbeit positioniert Joachim Witt wieder als den, der er wirklich ist: ein aussagekräftiger Musiker, der sich einmischt. (Fredy)  30. Dezember 2005
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