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Soundcheck: Jeff Golub - Grand Central 
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Jeff Golub : Grand Central cover

Jeff Golub : Grand Central (Blue Note)

Der Gitarrist und Komponist Jeff Golub veröffentlicht seit knapp 20 Jahren Alben, auf denen er sich mit erstaunlicher Leichtigkeit zwischen Blues, Jazz und Rock bewegt. Auch „Grand Central“, sein mittlerweile siebtes Soloalbum, setzt auf die Zeitlosigkeit klassischer Stile und auf jene eingängigen Harmonien und lässigen Grooves, die beim amerikanischen Smooth-Jazz-Radio hoch im Kurs stehen. Allerdings spielt und inszeniert der exzellente Instrumentalist seine Musik diesmal improvisationsfreudiger und spontaner als gewohnt.
„Ich wollte mit ’Grand Central’ die charakteristische Stimmung und den besonderen Vibe von New York City einfangen“, erzählt Jeff Golub. „Als New Yorker steht man ständig in Kontakt mit anderen Menschen. Manchmal geschieht das mit Worten, manchmal sind es nur Blicke und Gesten, mit denen man sich in der U-Bahn, in der Schlange am Kiosk, beim Händler an der Ecke oder an der Ampel verständigt.“ Diese natürliche, direkte Kommunikation herrschte dann auch bei den Aufnahmen. Gut die Hälfte des Albums wurde live im Studio mit Chris Palmaro (keyboards), Lincoln Goines (b), Shawn Pelton (dr) und Louis Conte (perc) eingespielt, also mit jenen Musikern, mit denen der Gitarrist seit Jahren außerhalb seiner offiziellen Tourneen mit Vorliebe spontan in kleinen Clubs auftritt.
Das traumhaft sichere Zusammenspiel der Akteure und Jeff Golubs mal lyrische, mal Schwindel erregende Gitarrensoli verleihen den Stücken einen solitären Charakter, wie man ihn auf Smooth-Jazz-Veröffentlichungen selten findet. Man höre nur das Funk getunte „Shockwave“ und das mitreißende „Slinky“, auf dem Kirk Whalum am Tenorsaxophon solistische Glanzpunkte setzt. Gleichwohl verstehen sich Golub und seine erstklassige Begleitung, die durch namhafte Gäste wie Richard Elliott (sax), Rick Braun (tp), Mitchell Forman (p, org), Steven Ferrone (dr), Dave Woodford (sax) und Nick Lane (tb) verstärkt werden, auch auf filigranere Klänge. Schöne Beispiele dafür sind das fein gesponnene „Mojito“ (mit Philippe Saisse am Piano), der samtene R&B-Track „The Way I Feel Tonight“, der fragile Blues „Lulu’s Back“ und die behutsame Adaption von „Something“. Der Klassiker von George Harrison ist einer von drei Titeln, die Jeff Golub nicht selbst geschrieben oder co-komponiert hat. Die anderen sind Sly Stones „If You Want Me To Stay“, das hier als bluesgetränkte Ballade serviert wird, und das locker funkige „Ain’t No Woman (Like The One I Got)“, das durch die Four Tops bekannt wurde. Besonders hervorzuheben ist zudem der Albumeinstieg „Hello Betty“, der mit druckvollen Bläsersätzen und hinreißendem Groove an Jeff Golubs Zusammenarbeit mit den Brecker Brothers erinnert. Die Brecker Brothers waren nicht die einzigen, die den Gitarristen als Sideman buchten. Lange bevor Jeff Golub in Jazz- und Blues-Zirkeln bekannt wurde, arbeitete er als Studio- und Tour-Gitarrist für etliche namhafte Rock- und Popkünstler, darunter Rod Stewart, mit dem er zwischen 1988 und 1995 vier Alben aufnahm und fünf Welttourneen absolvierte.

Der 1955 in Copley, Ohio geborene Gitarrist lernte sein musikalisches Handwerk inspiriert durch Eric Clapton, Jeff Beck und Jimi Hendrix. In den frühen 70er Jahren beschäftigte er sich mit den großen Blues-Gitarristen Muddy Waters, Buddy Guy, B.B. King und Albert King. Aber nichts und niemand beeindruckte ihn so sehr wie die Musik des Jazzgitarristen Wes Montgomery. Trotz seiner Vorliebe für den Jazz, die ihn nach Boston auf die Berklee School Of Music führte, begann Jeff Golub seine Profikarriere als Rockgitarrist. Nachdem er 1980 von Boston nach New York gezogen war, spielte er auf sieben Alben und drei Tourneen des Sängers Billy Squier. Er begleitete Peter Wolf von der J. Geils Band, arbeitete mit Tina Turner, John Waite, Vanessa Williams und Ashford & Simpson. 1988 erschien Golubs erstes Soloalbum „Unspoken Words“. 1994 gründete er Avenue Blue, mit denen er zwei Instrumental-Alben („Naked City“, „Nightlife“) veröffentlichte, die ihn schlagartig unter Jazz-Fusion-Anhängern bekannt machten. Nach einem weiteren Soloalbum, „Out Of The Blue“ (1999) gelang dem Gitarristen mit „Dangerous Curves“ der kommerzielle Durchbruch. Das Album notierte sich zwölf Wochen in den Top-20 der Billboard-Jazz-Charts. Auch die Nachfolger „Do It Again“, „Soul Sessions“ und „Temptation“ erreichten hohe Chartplatzierungen und brachte einige Radiohits hervor, darunter ein Remake des Klassikers „Cut The Cake“ von der Average White Band.

Nachdem „Hello Betty“, die aktuelle Single, auf amerikanischen Smooth-Jazz-Radiostationen bereits in Heavy Rotation gespielt wird, sind die Erfolgsaussichten für das neue Album „Grand Central“ blendend. Mehr noch: Mit diesem makellosen Mix aus R&B und Jazz könnte sich Jeff Golub, der 2003 bei den National Smooth Jazz Awards als „Bester Gitarrist des Jahres“ nominiert wurde, endgültig weltweit einen Namen machen. (Fredy)  25. Mai 2007
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