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Kari Bremnes
: Reise (Strange Ways/indigo)
Sie verkörpert das Songwriting des modernen Skandinaviens wie keine andere. In ihrer Stimme sah ein Kritiker den Aufgang der Sonne, der den Tau von der Seele trocknet. Man spricht von ihr als der norwegischen Joni Mitchell oder Sandy Denny. Das Feuilleton zieht ehrfürchtig den Hut vor dieser seltenen Kreatur, ihrer ausgefeilten Popkunst und anspruchsvollen Poesie. In den zwei Dekaden ihrer Solo-Karriere hat KARI BREMNES einen erstaunlichen Weg beschritten: Von der nationalen Ikone in der Heimat führten erste Schritte auf internationalem Parkett zu Beginn des neuen Millenniums schließlich zum gegenwärtigen Erfolg in etlichen Ländern über die nordische Welt hinaus.
Mit ihrem 15. (!) Album folgt nun ein neuer Eintrag ins Logbuch: Die Songwriterin von den Lofoten lädt uns ein, einige Stationen ihrer REISE erneut zu besuchen, erstmals mit eindrücklichen Live-Versionen. Und die kommen obendrein fast sämtlich aus deutschen Konzertsälen Es war eine völlig überraschende Meldung, die uns da Anfang des Jahres ereilte. Unmittelbar vor ihrer Deutschlandtour im Januar entschied sich KARI BREMNES spontan, einige ihrer Auftritte mitzuschneiden. Denn in Deutschland, so die Künstlerin, würde sie von ihrem Lieblingspublikum erwartet. Um die kreativen Möglichkeiten einer Bühnenshow auszuschöpfen, stockte sie die Triobesetzung kurzfristig zum Quintett auf: Zu ihrem Produzenten und erfindungsreichen Keyboarder Bengt Hanssen und dem weltweit für seine Schlagwerk-Raffinesse bekannten Perkussionisten Helge Norbakken traten Gitarrist Halgrim Brattberg und Bassist Sondre Meisfjord. Ein Fünfer, der schon im alten Jahr in der norwegischen Heimat Triumphe gefeiert und die Zeitung Drammens Tidene zu einem nicht alltäglichen Kommentar hingerissen hatte: Eine größere Bühnenkünstlerin und Bühnenpersönlichkeit als Kari Bremnes findet man momentan nicht im Norwegischen Königreich.
Genau davon legt "REISE" (ein Wort, das es sowohl im Deutschen wie im Norwegischen gibt) ein nahezu magisches Zeugnis ab: Vierzehn Geschichten, von KARI BREMNES im Januar 2007 an neun Spielorten von Hannover bis München, von Lörrach bis Oslo vor einem enthusiastischen Zuhörerkreise vorgetragen. Ein Glücksfall, denn intimer und zugleich kraftgeladener ist die Norwegerin wohl nie in einer Konzertsituation zu erleben gewesen. Reif und doch frisch klingen die erneuten Besuche bei den Eckpfeilern ihrer Karriere. Ihre Stimme besitzt ein in sich ruhendes, Sternengleiches Funkeln, bäumt sich dann wieder resolut auf, kommentiert ironisch oder zieht sich in melancholisches Wispern zurück - ebenso facettenreich wie die Vita dieser Frau, die vom Archipel der Lofoten jenseits des Polarkreises zu ihren Ausflügen nach Oslo startete und schließlich die ganze Welt eroberte.
Wir legen ab mit der Köchin Svarta Björn, von deren Leben KARI BREMNES erstmals 1999 erzählte. Zwei Songs des Klassikers "Losrivelse" sind vertreten, Edvard Munch-Poeme in Töne gegossen, darunter der passionierte "Skrik" ("Schrei"). Immer wieder wird das Repertoire des letzten Studio-Albums "Over En By" angesteuert, das in seiner poetischen Reife neue Maßstäbe gesetzt hat: Die Anklage korrupter Politiker in "Per Og Päl Og Janus", das mit seinem minimalistischen, treibend-bluesigen Arrangement um so beißender klingt. Oder die süffisante Miniatur "Litt Happiness Kan Ikkje Skade", die mit fast tangohafter Rhythmik die Verzweiflung einer trübsinnigen Frau porträtiert, deren Mann mit der Brechstange gute Laune zaubern will.
Es ist faszinierend herauszuhören wie sich die Songs im Jahre 2007 im Vergleich zu den Originalversionen entwickelt haben: Aus dem folkig-kreisenden "Togsang" vom frühen Album "Gate Ved Gate" wird eine zupackende dramatische Pop-Perle mit kräftigen Drums. "Sovngjengersken" aus dem Munch-Opus ist um eine neue stolze Piano-Linie und ein powergeladenes Pauken-Intermezzo reicher. Und das ursprünglich eher spielerisch-poppige "Mitt Hjerte Hamrer Og Hamrer" bekommt dank sattem Bass und ausgefeilten Drum-Querschlägen nahezu expressionistische Züge. Um zu dokumentieren, wie sich KARI BREMNES während der letzten sieben Jahre auch in englischer Sprache einen exzellenten Ruf ersungen hat, ist "A Riddle Beside Another Riddle" mit einer sphärischen Tastenexkursion vertreten. Ebenso das träumerische Titelstück ihres vorletzten Albums "You`d Have To Be Here" von 2003, das mit strahlender Transparenz ertönt. Mitten ins Herz trifft das aufrichtige Liebeslied "To Give You A Song", bei dem KARI BREMNES sanftes Timbre nur mit Klavierbegleitung voll zum Zuge kommt. Mit dem versonnenen Finalstück "Hurtigrute" schließlich endet die REISE.
In vielen Stücken lässt das Begleitquartett KARI BREMNES Stimme Raum, doch wohlplatzierte Soli zeugen von der Souveränität ihrer Begleiter: Hallgrim Bratbergs wandlungsfähige Gitarre schlüpft in Rock-, Blues- und Folk-Charaktere, Bengt Hanssen beherrscht die Klaviatur von einzelnen Tontropfen bis zu monströser Kirchenorgel und Helge Norbakken weiß zwischen feinziselierten Effekten und resoluten Beats zu changieren. Fels in der Brandung ist schließlich der unaufdringliche Bassmann Sondre Meisfjord. Sie alle agieren in einem glasklaren, panoramareichen Sound, den man auf einer Live-Platte nur ganz selten zu Gehör bekommt und der einen geradewegs in die knisternde Atmosphäre des Konzertsaals eintauchen lässt: Auch auf der Bühne bleibt KARI BREMNES ihrem audiophilen Konzept treu.
So wie die Postschiffe aus dem norwegischen Süden sich bis in die karge, kristallklare Welt des Nordens vorarbeiten, so führt uns KARI BREMNES ihre Welt vor Ohren: Mal sonnendurchflutet, mal schwermütig und hinterfragend, dann wieder mit weiblicher Erdigkeit - stets jedoch mit wechselndem poetischem Licht. Wie die Kulisse der Küste Norwegens mit ihren Felswänden und Fjorden. Staunend stehen wir an der Reling.
(Pressetext)
KARI BREMNES live:
09.11.2007 D-Greifswald - Stadttheater
10.11.2007 D- Flensburg - Saal der Waldorfschule
15.01.2008 D-Hamburg - Fabrik
16.01.2008 D- Oldenburg – Kulturetage
17.01.2008 D- Bochum - Bahnhof Langendreer
18.01.2008 D- Ludwigsburg - Scala
19.01.2008 D- Karlsruhe - Tollhaus
20.01.2008 CH- Bern - Bee-Flat
23.01.2008 D- Mainz - Frankfurter Hof
24.01.2008 D-Berlin-TBC
25.01.2008 D- Hannover - Pavillon
www.karibremnes.no (Hans Korte)
16. November 2007 |

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