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Soundcheck: Pascal Comelade - Métode de Rocanrol 
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Pascal Comelade : Métode de Rocanrol cover

Pascal Comelade : Métode de Rocanrol

Der Mann ist ein Witzbold – das lässt sich noch vor dem ersten Höreindruck an einem seiner offiziellen Promo-Photos ablesen, auf welchem er entspannt an einem Tisch sitzt und freundlich in die Kamera schaut; neben einem Miniaturpiano, auf dessen Tastatur lässig eine seiner drei Hände ruht. Huch? Genau. Ein hölzernes Modell, wie Zeichenschüler es verwenden, ist so geschickt im Aufschlag s/eines Hemdsärmels platziert, dass man erst bei erneutem Hinsehen begreift, welches des Musikers eigene Körperteile sind.

In seinem Repertoire fordert er dem Zuhörer ein ähnliches Maß an wacher Aufmerksamkeit ab, die jedoch auch in vergleichbarem Maße mit Amüsement vergolten wird. In der Tat lässt sich vieles sagen über die Musik des 1955 in Monpellier geborenen Komponisten und Multi-Instrumentalisten, nur eines nicht. Dass sie langweilig sei.

Seit 1975 ist Pascal Comelade aktiv, seine seither entstandene Diskographie ist ebenso umfangreich* wie beeindruckend; und jedem, der ihm auf der vorliegenden Produktion “Mètode de Rocanrol” zum allerersten Mal begegnet, ist sicher mit dem Hinweis gedient, dass dieser Künstler große Teile seiner Schaffenskraft für Filmmusik/en aufwendet/e. So erklärt sich nicht nur der Umstand, dass man seine Aufnahmen meist in den Soundtrack-Abteilungen des Fachhandels finden kann (und zwar auch jene, die nicht explizit für Filme gemacht wurden), sondern auch das ausgeprägt cinematische Flair seiner Schöpfungen; das illustrative, bildgebende. Es scheint unmöglich, einem seiner Stücke zu lauschen, ohne dass sich sofort, wie von selbst, eine dazu passende Szene vor dem geistigen Auge entfaltet. Man fragt sich, was Comelade wohl vor sich sah, als er dies nun wieder verfasste – oder worauf der Titel hindeuten mag – und stattet die innere Bühne gleich mit reichlich eigener Staffage und Besetzung aus. Das ist das große Verdienst der Musik des Pascal Comelade. Sie inspiriert, beflügelt die Phantasie; sie (re)animiert das Kino der Seele.

Und was es da zu erleben gibt, ist mannigfaltig.

Pascal Comelade.jpg Auch wenn die Eröffnung dieses Textes seinen Betrachtungsgegenstand einen Witzbold nennt, hat die scherzhaft beschworene “Methodik des Rock’n'Roll”, welcher der Künstler hier auf den Grund zu gehen trachtet/e, nichts mit Albernheit zu tun. Comelade zelebriert die Privilegien des Narren. Andeutung, Hinweis. Das Lächeln im Mundwinkel, und das Glitzern im Blick. Er und der Schalk in seinem Nacken ergehen sich auf der vorliegenden Produktion in der eingehenden Betrachtung all dessen, was dem Kronjuwel der zeitgenössischen Musikkultur, dem Rock’nRoll, zu seinem Glanz verholfen hat. Eine Platte wie eine verzauberte Spieldose, eine magische Preziose aus der reichhaltigen Sammlung Comelades (der tatsächlich leidenschaftlich Spielzeug-Instrumente sammelt und auch mit großer Vorliebe in seine/n Schöpfungen einbezieht), die allerhand Eindrückliches kaleidoskopisch verquickt.

Entspannte jamaikanische Rhythmen treffen auf leidenschaftliche katalanische Klänge; Karusselmusik begegnet den offenen Schöpfungen eines Eric Satie; fiebrige Blechbläser a la New Orleans stehen Tango- oder Rumba-Arrangements gegenüber, das Ganze refkletiert in Splittern echten Rocks und wahren Blues’. Verzerrte Gitarren und solche, die mit dem bottleneck gespielt werden; aufmüpfige Banjos und jammernde Sägen, wechselnde Zusammenrottungen von Akkordeon/en, Klarinette/n, Xylophon/en, Saxophon/en, Trompete/n, kleinen Plastikklavieren und großen, “richtigen”, plus noch manch andern mehr. Nicht selten wirkt der Höreindruck ein wenig angeheitert, sehnsuchtsvoll abgelenkt oder anderweitig nur aus (absichtsvollem) Zufall in einen gänzlich anderen Kontext hineingeraten. Wer sich Jacques Tati als Melodie vorstellen kann, welche/r sich in ein dramatischeres Arrangement, sagen wir mal nach Art eines Films wie “Fiesta” verläuft, hat ein erstes gedankliches Bild von Szenarien, wie sie einem im Rahmen der “Mètode de Rocanrol” unterkommen können.

Verrückt, charmant, fesselnd, spannend, abstrus. Alles auf einmal.

Comelade ist ein Sammler, ein Wiederverwerter; ein Aufgreifer und Neumacher, der alles, was im in die Finger kommt, decodiert, bin in den Kern erforscht, transformiert, umformt und in neuem Lichte ausstellt. Menagerie ist ein französisches Wort. Nicht umsonst, wie es scheint. Dieser jüngste Raum in der bereits zahlreiche Flügel umfassenden Werkschau des Pascal Comelade offeriert dem aufgeschlossenen Sensorium eine Entdeckungsreise, die selbst nach mehrfacher Wiederholung immer noch aufregende Entdeckungen zu bieten hat. Fantastisch, humorvoll, augenzwinkernd, verblüffend, faszinierend. Zirkusmusik? Ein Zirkus der Musik. Encore! (Fredy)  16. Februar 2008
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