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Soundcheck: Jan Böttcher - Vom anderen Ende des Flures 
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Jan Böttcher : Vom anderen Ende des Flures cover

Jan Böttcher : Vom anderen Ende des Flures (KOOKberlin)

Nicht nur von Herr Nilsson-Fans sehnsüchtig erwartet: Fünf Jahre nach der letzten Bandplatte erscheint jetzt die erste Songwriter-Solo-CD des Autors und Musikers Jan Böttcher "Vom anderen Ende des Flures".
Sonnenreste, knarzende Dielen, kühlere Luft – eine Sommerabendplatte ist es geworden. Ein ruhiges Album, das sich nirgendwo zurücknimmt. Auf dem Flur sitzt einer im hintersten Zimmer und singt: "Das ist kein Zittern, Doktor! Das ist nur diese schwere Kanne Tee" ("Bed & Breakfast"). Der Song löst nicht auf, ob das Bett in der Klinik steht oder in der eigenen Wohnung.
Die Alles-Ironisierer haben in dieser Pension keinen Zugang. Mit Stolz und Rhythmus setzt sich das Ich stattdessen gegen die Frühen Verluste der Jugend und den Überwachungswahn ("Kommando Kassandra") zur Wehr, und wo die Liebe geht, wird einfach und eingängig getrauert: "Alles nur weil wir vor vielen Jahren jünger waren, jünger waren…"
Wer Herr Nilsson kennt, weiß, dass Böttchers Seele nicht nur schwarz ist, sie hat auch eine tabulos-humorvolle Seite. Dann wird die Sexfilmbranche gedisst ("Galeerenporno"), das Relax-Wochenende in Frage gestellt ("Wellness") und auch der Mann, der ausgerechnet bei seiner Ex einen Schlafplatz sucht ("Beruflich in der Stadt").
Zuletzt hat Jan Böttcher vor allem als Schriftsteller auf sich aufmerksam gemacht. Für einen Auszug aus seinem aktuellen Roman "Nachglühen" (Rowohlt Berlin, März 2008) gewann er bereits 2007 den Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Den Roman besprach die Süddeutsche Zeitung als "stilles Meisterwerk", die taz rühmte "das genaue Erzählen", das zeige, "wie eine gesamtdeutsche Literatur entstehen kann."
"Ein kleines, aber feines Ereignis deutschsprachiger Popmusik", schrieb dagegen SPIEGEL ONLINE über die letzte CD "Einfacher sein" von Böttchers Band Herr Nilsson in 2003. Eine Formulierung, die, wie wir finden, nur allzu gut auch auf die erste Soloplatte Böttchers zutrifft. Denn hier fällt starke Songwritermusik zusammen mit einem ausgeprägten und dabei immer eigenwilligen Textgespür. (Smilo)  17. Juli 2008
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