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Beautiful Leopard
: Sometimes It Doesn`t Work (Strange Ways/Indigo)
Nein, es gibt kein Meer in der Schweiz. Dafür Berge - hohe, massive Berge. Täler und Schluchten, Gebirgsbäche, mal reißend, mal plätschernd. Und Schnee - tiefen, hohen Schnee im Winter, oben in den Bergen, auf den Gipfeln, wie eine Kappe aus Zucker. Schussfahrt ins Tal. Und welch ein Ausblick, wenn man dann mal oben angekommen ist! Gekraxelt! Davon träumt man in den Tiefebenen weiter nördlich ja nur allzu oft.
Musik mit ihrem Umfeld zu verbinden, ist eine süße Verlockung. Wie allerfeinste Schokolade. Bei BEAUTIFUL LEOPARD aus dem mittelschweizerischen Fribourg sei sie gestattet. Denn diese Band macht nur wenig Worte. Kaum ein Drang zur Selbstdarstellung ist ihnen zu eigen. Die Namen der Musiker suchte man auf ihrem Debüt "How Long Will It Take?" (2006) vergebens. Von Texten ganz zu schweigen. Gesang ist hier bloß ein weiteres Instrument, Worte Klänge, instinktiv zur Musik in Beziehung gesetzt. Da ist vor allem Sound, massiver Sound, der fließt und zerrt, mal im ruhigen Bett, mal schwelend, selten explodierend, eher zerbrechend, vielleicht in Erschöpfung, die sich aus einer inneren Spannung speist. Ausatmen. Ein Ozean des Klangs, besser: eine Nordwand des Sounds. Rock, durch und durch Rock. Wenn nicht in der Schweiz, wo dann? Felsen und Gebirge, massiv und hoch und tief. Und schön. Beautiful. BEAUTIFUL LEOPARD.
Elegant, sinnlich und stark, aber auch ein bisschen scheu und zurückhaltend. Geben wir doch dem Assoziationsfluss freien Lauf. Die Musik von BEAUTIFUL LEOPARD hat tatsächlich etwas Leopardenhaftes. Ihr gelingt das seltene Kunststück, zart und kraftvoll, leise und laut, ausladend und konzentriert zugleich zu klingen. Nicht als Wechselspiel der Gegensätze, sondern als konsequente Vereinigung.
Dehnten sie auf ihrem Debütalbum die Stücke gerne über die Fünfminuten-Grenze, so bleiben sie auf ihrem neuen Album "SOMETIMES IT DOESN`T WORK" überwiegend im Dreieinhalb-Minuten-Format des klassischen Popsongs, der ihnen mit der beschwingten Orgel des Openers "A First Sight" tatsächlich auch in Reinform gelingt. Erstaunlicherweise evozieren ihre Stücke aber nach wie vor den Eindruck des Epischen, was bei aller Transparenz und Gebrochenheit auf die hohe Dichte verweist, die diesen in sich ruhenden Songs innewohnt. Die Liebe zum Detail spiegelt sich in den ausgefeilten Arrangements wider, die die Grundinstrumentierung von Gitarren, Bass und Schlagzeug immer wieder mittels Cello, Klavier, Trompete und Orgel verfeinert. Dies geschieht nie effektheischend, sondern stets dezent und mit einem sicheren Gespür für die Homogenität des warmen Gesamtklangs, der in dem entschleunigten Grundtempo des Albums seine Entsprechung findet.
Vor zehn, fünfzehn Jahren hätte man hier vermutlich von "Slowcore" gesprochen. Und tatsächlich gemahnt die Musik von BEAUTIFUL LEOPARD an Bands wie Codeine, Galaxie 500, Idaho, Yo La Tengo oder die Red House Painters. Heute finden sich Spuren der damaligen Entdeckungen der Langsamkeit in der Musik von Mogwai, Sigur Rös, Godspeed You! Black Emperor oder Bright Eyes wieder. Und auf einmal steht man mitten in einem Referenzsystem, in dem auch Namen wie Neil Young, The Velvet Underground oder Jefferson Airplane auftauchen und die Songs und Sounds von BEAUTIFUL LEOPARD in die Überzeitlichkeit der Popgeschichte katapultieren.
Der Frage ihres Debütalbums kann man da getrost mit einem beiläufigen Schulterzucken begegnen. Was bedeutet schon Zeit, wenn Musik an ihrer Aufhebung arbeitet? Manchmal mag das zwar nicht funktionieren, im vorliegenden Fall tut es das aber ohne jeden Zweifel. (Pressetext)
Tracklist:
01. A First Sight
02. Take Care / over
03. Hide / go
04. Gibraltar
05. Long Cold Winter
06. Deep In The Blue
07. Sunset beach / birds
08. Sometimes it doesn`t work
09. Round the world
10. Wilhelm Kaiser Rd
11. Lonesome way
12. Richters
Diskografie (Alben):
2006 How long will it take?
2008 Sometimes it doesn`t work
BEAUTIFUL LEOPARD - LIVE:
10.10.2008 CH- Düdingen - Bad Bonn
12.11.2008 CH- Bulle - Ebullition
27.11.2008 CH- Fribourg - Fri-Son
04.12.2008 D- Berlin - Schokoladen
05.12.2008 D- Leipzig - Café Panam
07.12.2008 B- Liege - L`Escalier
08.12.2008 D- Hamburg - Astra Stube
10.12.2008 NL- De Bliksem - Den Helder
11.12.2008 NL- Tilburg - Cul De Sac
www.beautiful-leopard.com (Hans Korte)
26. September 2008 |

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