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Lacrimosa
: Fassade (Hall of Sermon)
Mit Spannung wurde es erwartet, das neue Werk von Lacrimosa - denn wer weiß schon, welchen Weg der wohl erfolgreichste und vor allem vielseitigste und genialste Act der deutschen Gothic-Szene als nächstes eingeschlagen wird. Poduktionstechnisch konnte es nach "Elodia", das durch die Zusammenarbeit mit dem weltberühmten London Symphony Orchestra gekennzeichnet war, ja nun nicht mehr aufwendiger werden...
Mit seinem neuen Werk "Fassade" schreitet Tilo nun auf dem Weg, den er mit "Elodia" eingeschlagen hat, fort und übertrifft sogar den Vorgänger in seiner Mächtigkeit. Dieser gewaltige Opus, in welchem Tilo die Zusammenarbeit mit verschiedenen Orchester fortsetzt, setzt sich zusammen aus den drei sehr differenzierten Sätzen Fassade I, II und II, die jeweils ein neues inhaltliches und musikalisches Thema einläuten. Nach dem gewaltigen Opener "Fassade I" folgt die erste Single-Auskopplung "Der Morgen danach". Mich persönlich konnte diese Single, die es in den deutschen DAC-Charts auch "nur" auf Platz 13 schaffte, nicht sonderlich überzeugen und zählt zu den schwächeren Stücken des Albums - mit recht geradlinigen, schnörkellosen, aber auch irgendwie einfallslosen Gesangslinien und relativ simpel gehaltenen Versen. Doch dann folgt mit "Senses" eine echte Überraschung: Annes Gesang, der mich bis dato (von "No blind eyes can´t see" abgesehen) nicht sonderlich überzeugen konnte, hat sich nun stimmlich unheimlich weiter entwickelt! Es folgt die eindrucksvolle Ballade "Warum so tief", für mich eindeutig der Höhepunkt des Albums: Tilos einmalige Stimme entfaltet sich und dringt durch Mark und Bein, begleitet durch wunderbar harmonierende Band und Orchester, durchsetzt von wahrlich genialen Trompeten-Soli.
Was die Integration von Band und Orchester angeht, setzt Tilo in "Fassade" mal wieder völlig neue Maßstäbe: teils fremdartige, jedoch immer detailliert ausarrangierte Kompositionen, mal weich, aber auch härter wie im erstaunlich rockigen "Liebesspiel", in welchem die harten Gitarrenriffs durch wunderschöne Oboensonaten ergänzt werden. Die treibenden Gitarren des "Liebesspiel" erinnern auch fast ausschließlich an die sich im Gothic-Metal befindende Ursprünge Lacrimosas - Kracher wie "Copycat" oder "Alles Lüge" sind auf diesem Album, wie auch schon auf Elodia, nicht mehr zu finden. Wie auch beim Vorgänger-Album dauert es einige Zeit, sich einzuhören - Lacrimosa zeichnet sich eben durch nicht gerade leicht verträgliche Kost aus...doch wer sich auf die Kunst Tilos einlassen möchte, wird auch hier wieder von ihr gefangen genommen werden. (Marion)
30. Oktober 2001 |

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