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Soundcheck: Jay jay Johanson - Antenna 
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Jay jay Johanson : Antenna cover

Jay jay Johanson : Antenna (RCA / BMG)

Endlich ist der schmale Schwede mit der rührenden, zarten Stimme, dem feinen Tenörchen, das einen schon mal an Chet Baker erinnert, mit einem neuen Album zurück: Antenna heißt das neue Großwerk des 32-Jährigen, der uns schon mit seinem grandiosen Debüt Whiskey (1996), sowie den beiden Alben Tattoo (1998) und Poison (2000) begeistert hat. Auf einem seiner schönsten alten Titel, dem großspurigen, amüsanten und sympathischen "Go Tell The Girls That I'm Back In Town" klang der dürre Blonde, als ob Frank Sinatra zusammen mit Massive Attack spielen würde.
Beim neuen Werk sollte man sich nicht vom Cover abschrecken lassen: Entgegen der ein wenig albernen, rotgefärbten New-Wave-Frisur ist Jay-Jay immer noch auf dem gleichen Weg. Wie schon auf den Vorgängeralben korrespondieren auch hier Johansons rührend gesungene, meist traurige Texte mit elektronischen Beats, die mal minimalistischer, mal opulenter ausfallen, mal TripHop oder Drum & Bass streifen, mal sogar in Richtung Disco zielen: "Automatic Lover" zum Beispiel, ebenso ein potenzieller Hit wie die wunderbare Single "On The Radio", führt uns ins Discozeitalter zurück. Kein Wunder, ist der Song doch auch im Original ein Discohit der Engländerin Dee Dee Jackson gewesen, die ihn 1977 in der damaligen Disco-Town (remember Giorgio Moroder, Silver Convention und wie sie alle heißen) München aufgenommen hat. Auch "Déjà Vu" hat diesen formidablen Discotouch. Die andere Seite des Spektrums, die gefühlige Ballade, bedienen zum Beispiel das traurige, streicherunterlegte "Cookie", "1984" oder "Open Up", das -- Mercury Rev, Flaming Lips, Goldfrapp & Co lassen grüßen -- mit einer singenden Säge aufwartet. Gefühlvolle Stimme, feinste Arrangements mit Streichern, Vibrafon oder Trompete, dazu dezente Electronica, für die u.a. auch als Gäste das deutsche Duo Funkstörung sorgt, sind die Zutaten dieser Platte.

Aufgewachsen im kleinen Kaff Trollhätten, kam Jäje schon früh mit Musik in Berührung. Kein Wunder, war der Vater doch Veranstalter von Jazzkonzerten. Im Alter von sieben Jahren lernt er Klavier, mit zehn Saxofon, später weitere Instrumente. Mit zehn gründet er mit einem Kumpel seine erste Band, eine Punkband: "Wir wollten Spaß haben", erinnert er sich im Interview, "wir hatten diese Attitüde, wir waren gegen alles, wir waren jung, naiv und das war großartig." Später interessiert er sich stark für HipHop, Graffity und Breakdance aber auch für Jazz. 1984, sieht er erstmals seinen "Hausgott", wie er sagt, den Jazzer Chet Baker bei einem Konzert in Stockholm: "Das Konzert war für mich sehr bewegend", erinnert er sich: "Dieser fragile Charakter, mit so viel Schmerzen in der Stimme, so viel Schönheit in seiner Trompete". Fortan interessiert er sich sowohl für Jazz als auch für elektronische Musik. Er studiert in Stockholm Architektur und dann Kunst, gründet eine Jazzband und macht alleine die ersten Gehversuche. Mit Whiskey schafft er vor allem in Frankreich den Durchbruch. Dort sieht man ihn sogar auf den Titelseiten großer Zeitschriften, die nichts mit Musik zu tun haben.

Mit Antenna, den zehn schönen Tracks ohne Ausnahme (plus verstecktem Track), könnte dem sympathischen Schweden endlich auch hier zu Lande der Durchbruch gelingen. Wer Acts wie Portishead oder Goldfrapp liebt, der sollte sich auch Jay-Jay Johanson öffnen. Einsteiger sollten zuerst Whiskey angehen, dann aber gleich nach Antenna fahnden, welches von den göttlichen Funkstörung produziert wurde.
(Fredy)  24. November 2002
220V
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