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Irgendwie war mir nicht klar, dass ich an dieser Stelle nun des öfteren etwas schreiben muss/darf/kann/soll (man wähle einfach eine beliebige Kombination dieser Wörter). Jetzt, im Nachhinein, leuchtet mir das natürlich ein. Immerhin ist das der ganze Zweck einer Kolumne. Wie machen das bloß die Redakteure, die jeden Tag etwas schreiben? Verblüffend. Also worüber könnte ich jetzt noch schreiben, nachdem ich bereits einige Zeilen Platz geschunden habe?

Festivals natürlich! Von ihnen wird man doch auf dieser Seite seit einiger Zeit regelrecht erschlagen. Und das ist auch gut so, da sie viel Spaß versprechen. Etwas irritiert hat mich nur das EMAF. Versteht das nicht falsch, ich fand es toll. Ich war nicht da, aber ich fand es toll. Mangels geeigneter Software war es mir nicht möglich die Videos anzusehen, aber ich fand es toll. Nein, wirklich, ich fand es toll! Kunst ist überhaupt toll. Musik ist auch Kunst - aber irgendwie auch nicht. Es ist schwierig gute Musik zu machen und leicht, schlechte Musik zu machen. Bei der Kunst scheint es andersherum zu sein. Ja, es ist fast unmöglich etwas zu tun, was keine Kunst ist. Die Menschen halten alles für Kunst.

Ich habe das vor einigen Jahren einmal unfreiwillig auf der Dokumenta getestet. Ich hatte einen Regenschirm dabei, doch die Sonne schien. Während einer längeren Unterhaltung hatte ich keine Lust mehr den Schirm herumzutragen und habe ihn kurzerhand in die Erde neben mir gesteckt. Innerhalb weniger Minuten versammelte sich, von mir zunächst unbemerkt, eine Menschenmenge und es entwickelte sich schnell eine kontroverse Diskussion über die Intention des Künstlers. Ich verfolgte das ganze einige Zeit und amüsierte mich köstlich. Dann wurde ich wütend. Was für Ignoranten.

Versuchen mir, einem großen Künstler, zu sagen, was ich selbst mir gedacht habe. Dilettanten! Ich war so geistesgegenwärtig mich nicht als Künstler erkennen zu geben, konnte mich aber ansonsten nicht länger beherrschen: "Das ist doch Quatsch. Ihr habt doch alle keine Ahnung. Zweifellos ist die Aussage dieses Werkes, dass auch der Verlassene, nicht mehr Gebrauchte, aufrecht stehen kann und wenn dunkle Wolken aufziehen, die sich über ihm ergießen, folgt seine Rache." Das musste mal gesagt werden. Beifall.

Eigentlich könnte die Geschichte hier beendet sein, aber ich komme nicht darum herum, auch noch vom Nachspiel zu berichten. Ich wollte nach Hause. Schon mal versucht ein Kunstwerk vor den Augen der staunenden Fachleute aus dem Boden zu ziehen und es mitzunehmen?

Lasst es. Ich konnte nur noch von der Ferne beobachten, wie versucht wurde, meine Schändung durch Restaurationsarbeiten wieder ungeschehen zu machen. Ich wartete bis spät in die Nacht und konnte im zweiten Anlauf dann doch mit meinem Diebesgut im Schutz der Dunkelheit entkommen. Die Zeitung am nächsten Morgen habe ich nicht gelesen. Schade eigentlich, es wäre interessant gewesen, wie hoch der finanzielle Verlust durch den Kunstraub war.

Matthias
Abbildung

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