Liebe Lurche, die Musikindustrie leidet.
Im ersten Halbjahr 2001 ging der Absatz von Tonträgern
um 10,8 Prozent zurück.
Schuld sind Leute wie ich, die einen
CD--Brenner besitzen und nicht davor zurückschrecken,
ihn zu benutzen. Die Musik-Wirtschaft schätzt das
im letzten Jahr mehr CD's privat gebrannt, als im Handel
verkauft.
Verbranntes Geld für BMG, Sony und
Co. Nun soll es der Kopierschutz richten: Fast alle
neuen Audio CD's der Majors laufen nicht mehr im PC.
Damit wagt sich die Musik-Industrie auf dünnes
Eis: Durch Manipulationen entsprechen die Compact Discs
nicht mehr dem so genannten Red-Book-Standard für
Audio-CD's.
Von Phillips, dem Verwalter der weltweiten
CD-Patente, kommt ein eindeutiges Statement: "Das
sind Silberscheiben mit Musik drauf, die CDs ähneln,
aber keine sind."
Kurz gefasst: Die Orginale sind Fälschungen!
Wie das mit Fälschungen so ist -
ganz kommen sie ans Original doch nicht heran: Die Beschwerden
über Probleme mit den geschützten CDs häufen
sich. Viel Abspielgeräte, nicht nur PCs, kommen
mit dem so genannten Kopierschutz nicht klar - mithin
wird er zum Wiedergabeschutz. Aparte Konsequenz: Nur
wer kopiert, bekommt ein Original - und Ärger mit
der Musik-Branche.
Keine Frage, professionellen Raubkopierern
gehört das Handwerk gelegt. Doch diese belächeln
den Kopierschutz: Bisher haben sie noch jedes Verfahren
geknackt.
Der harmlose CD-Käufer wird von
dem lästigen Apsielschutz zwar behindert, aber
der Piraterie muss er sich nicht bezichtigen lassen.
Paragraf 53 des Urheberrechtsgesetzes besagt: "Zulässig
ist, einzelne Verfielfältigungsstücke eines
Werkes zum privaten Gebrauch herzstellen."
Nun wird das Gesetz novellier. Die gute
Nachricht: das Recht auf private kopien bleibt wohl
erhalten. Die schlechte: Im Gespräch ist ein Passus,
wonach technische Schutzmaßnahmen nicht umgangen
werden dürfen. Tolle Idee: Wenn sich Audio-CDs
nicht schützen lassen, schützt man den Kopierschutz.
Fritz Kleingeld |