Mit einem fulminanten
neuen Album im Gepäck, melden sich die Südstaatler
von KYLESA in der Szene zurück. Grund genug also
für den Elektrolurch mal genauer nachzufragen,
welche News es um "STATIC TENSIONS" so
gibt, und was im KYLESA-Lager sonst noch so geht!
Laura Pleasants gab uns die Ehre,
und stand uns Rede und Antwort...
KYLESA - INTERVIEW
ELEKTROLURCH:
Kannst Du uns kurz die Ausgangsbasis zum neuen Album beschreiben? In welcher Situation oder Phase hat sich die Band befunden, als Ihr "STATIC
TENSIONS" geschrieben bzw. aufgenommen habt?
LAURA:
Im Februar 2008 kamen Phillip, Carl und ich von einer kurzen Europa-Tour mit Baroness zurück, als wir mit dem Schreiben der Scheibe anfingen. Ich glaube, wir hatten schon einen fertigen Song, den wir auf dieser Tour gespielt haben.
So haben also wir drei das Album von Februar bis
Juni zusammen geschrieben. Eric, unser anderer Drummer,
lebt in Miami, kam aber einige Male zum Jammen zu uns,
um einige Ideen auszuprobieren. Dann kam er schließlich zwei Wochen bevor wir ins Studio gingen, um die neuen Songs zu lernen und zu üben. Unser Freund Javier aus New York City, der eine Frühjahrs-Tour mit uns absolvierte, stimmte zu, den Bass auf dem Album einzuspielen.
Phillip und ich wollten die Art und Weise, wie wir
unsere Songs strukturieren, wirklich auseinandernehmen
und einen starken Entwurf schaffen, bevor wir irgend
etwas experimentelles oder abgefahrenes hinzufügen. Der Kram kam dann erst später dazu. Wir haben wirklich hart daran gearbeitet, die Songs ordentlich aufzubauen.
ELEKTROLURCH:
Worum geht es bei " STATIC TENSIONS" ? Kannst Du etwas zu den neuen Songs sagen? Worum geht es in den Texten und woher bezieht ihr eure Inspirationen?
LAURA:
Die statische Spannung ist der Bruchpunkt eines Materials und seiner Verlängerung während einer Dehnung. Ich habe den Ausdruck in einem metaphorischen Sinne benutzt, weil ich denke, dass er zu den Gefühlen passt, die Phillip und ich in Bezug auf die Texte und der Musik auf der Scheibe haben. Wir leben in einer Zeit der Anspannung und des Drucks, persönlich, national, sozial und ökonomisch. Es ist schwer zu ignorieren, so wuchern die Gefühle und brechen irgendwann hervor, so wie es die Musik tut. Unsere Texte sind immer persönlich und spiegeln das wider, was wir in unseren Köpfen fühlen, und was wir in der Außenwelt vor sich gehen sehen. Ich tendiere eher dazu, das aufzuschreiben, was mir gerade so in den Sinn kommt, während Phillip eher zielorientierter ist. Wie auch immer, wir beide finden immer Überschneidungspunkte und sind uns meistens einig, wenn es um die Texte geht. Wir beziehen unsere Inspirationen vom wahren Leben und erfahren seine Höhen und Tiefen.
ELEKTROLURCH:
Hast Du irgendwelche Favoriten auf dem neuen Album, und wenn ja, warum?
LAURA:
Ich würde wahrscheinlich sagen "Unknown Awareness".
Ich denke, es ist der traurigste Song, den wir jemals
geschrieben haben, und er hat die meisten Emotionen.
Ich bin wirklich froh mit dem Gefühl, das er in
mir hervorruft, wenn ich ihn höre. Dieser Song
war einer der am wenigsten ausgearbeiteten Stücke,
als wir ins Studio gingen. Mein Gitarrenpart war noch
nicht geschrieben, genauso wenig wie Phillips Lyrics.
Ich bin wirklich froh mit den Gitarrenmelodien und
ihrem Klang.
ELEKTROLURCH:
"STATIC TENSIONS" ist Euer viertes Album, und sicherlich habt Ihr
Eure Fähigkeiten bezüglich Songwriting und Aufnahme verbessert.
Hilft das bei der Studioarbeit? Macht es das Ganze dadurch vielleicht relaxter?
LAURA:
Ja, denn wir waren alle sehr viel erfahrener, also wir waren alle etwas relaxter. Phillip hat einen langen Background, was seine " Recording-Skills" angeht, und wir hatten besseres Equipment, mit dem wir arbeiten konnten. Jeder im " Jam Room" hat sich wirklich den Arsch aufgerissen, damit alles ordentlich funktionierte.
Jeder, der mit an dieser Scheibe gearbeitet hat, hat
sich wirklich darum gekümmert, und das hört man auch. Phillip und ich waren zufrieden mit den Songs, und Carl und Eric waren mit den doppelten Drums zufrieden. Überhaupt waren die Schlagzeug-Aufnahmen diesmal sehr viel einfacher, da viel mehr durchgeplant war, und wir eine Menge " Trial and Error" schon bei der letzten Platte über Bord geschmissen haben.
ELEKTROLURCH:
Gab es irgendwelche verrückten Recording Methoden oder interessante Anekdoten während der Aufnahmen, die Du uns verraten kannst?
LAURA:
Es ist jetzt schwierig, viele Details ohne Phillip zu erörtern, aber ein Aspekt, der sich als hilfreich herausstellte, war, dass wir unsere Zeit wirklich effizient genutzt haben.
Wir bekommen keine großen Aufnahmebudgets, also ist Zeit immer ein Thema. Das " Jam Room" hat jetzt ein bißchen mehr Eigentum, als beim letzten mal, also konnten wir nun ein zweites Studio in einem der Nebenräume aufbauen. Jay, der " Head-Engineer", und ich haben Studio
B eingerichtet, wo ich an meinen Gitarrenparts arbeiten
konnte, und mit verschiedenen Amps, Effekten und Klängen herumspielen konnte. Ich habe viele von den abgedrehten Gitarrenparts dort fabriziert.
Es war großartig! Ich konnte experimentieren,
während Phillip im Hauptstudio an etwas anderem
arbeitete. Ich hatte in der Vergangenheit nie die Zeit,
wirklich mit meinen Parts herumzuspielen.
Das war also
sehr einträglich! Und Jay ist ein Meister, was
schräge Ideen angeht. Er und ich sind absolut
auf der gleichen Wellenlänge, was Gitarrenklang
und Spass-Experimente angeht.
ELEKTROLURCH:
Herrscht bei KYLESA eine demokratische Struktur vor, oder hat jemand das Recht der finalen Entscheidung?
LAURA:
Generell sprechen wir die Dinge mit allen durch. Das letzte Wort haben aber Phillip und ich. Wie auch immer, wir sind uns aber nicht immer einig!
ELEKTROLURCH:
Wie schwer (oder einfach) ist es nach vier Alben und unzähligen Gigs immer noch hungrig zu bleiben und den Energiepegel oben zu halten?
LAURA:
Klar, das kann schwer sein, aber ich denke, das neue Album beweist, dass wir immer noch hungrig sind und voller Energie stecken.
ELEKTROLURCH:
Welchen Einfluß hat das Touren und das Reisen auf Eure Musik?
LAURA:
Ich liebe das Touren am aller meisten. Ich liebe es zu reisen. Ich denke, es hat einen positiven Einfluß. Ich habe einige meiner engsten Freunde durch das Touren kennengelernt.
ELEKTROLURCH:
Mit Bands wie Eurer, MASTODON, oder BARONESS... Siehst Du ein neues Interesse, neue Hörerschaften für harte, progressive Musik?
LAURA:
Seit wir begonnen haben, haben sich sicherlich einige Dinge geändert. Wir hatten niemals diese Maschinerie hinter uns wie z.B. MASTODON. Also mussten wir die meisten Sachen selber erledigen. Aber die Moden in der Musik haben sich sehr verändert, und es scheint, als würde das, was wir tun, nun mehr akzeptiert werden.
ELEKTROLURCH:
Wie sehen Eure Zukunftspläne aus? Gibt es da ein bestimmtes Ziel, auf das Ihr hinarbeitet, das Ihr mit KYLESA erreichen wollt?
LAURA:
Nun, wir arbeiten an solchen Ideen, aber wir wollen
erst mal mit dem neuen Album auf Tour gehen, und
definitiv öfter nach Europa kommen und uns in
"Übersee" weiter etablieren.
Ich
möchte einfach in der Lage sein, weiter Musik
zu schreiben, die mich herausfordert. Damit bin ich
glücklich! ELEKTROLURCH:
Danke für's Gespräch, und beste Wünsche
für das neue Album und die kommenden Tourneen!
LAURA:
Cheers!
Jens Kasper für Elektrolurch.com
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