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Hallo, liebe Lurche!

Mein Name ist Dr. Dr. Dr. Winter. Ich bin Spezialist für sexuelle Angelegenheiten und Sauereien im Allgemeinen. Ich habe gehört, dass hier ein dringender Bedarf besteht. Und nun bin ich gekommen, diesen Bedarf zu decken. Ha ha, "Decken" damit wären wir ja schon beim Thema...

Ich werde an dieser Stelle nun unregelmäßig über Themen berichten, welche den sexuell aktiven Lurchen interessieren sollten.
Falls ihr Fragen habt, ich habe euch am Diskussionsboard ein Forum unter dem schlichten Namen "Sex" eingerichtet. Ich hoffe, ihr habt reichlich Fragen! Also, keine Scheu... Fragt mich!

Meine Themen:
Masturbation am Arbeitsplatz - Die subversive Rebellion
"No Sex until Marriage" oder "Wie man sich seine Jugend versaut"
"...und poppten nur eine Nacht" oder "Wie meine Assistentin Salamanda mit One-Night-Stands umgeht"
Fuck for Thrill - Sex in der Öffentlichkeit
Dr. Dr. Dr. Winter (soviel Zeit muss sein) sieht Fern

Dr. Dr. Dr. Winter (soviel Zeit muss sein) sieht Fern

Ja, es gibt sie noch, diese Abende an denen einem der Wein nicht mundet, die Literatur nicht zu ergötzen vermag und die beste Partnerin von Allen in der Fremde weilt. Zeit also den alten Freund Fernseher einzuschalten! Es gibt eine detailfreudige Dokumentation über rustikales Treiben unterfränkischer Dorfbewohner, "Mission Germany" vertrieb die bedingt unterhaltsamen "Friends" von ihrem angestammten Sendeplatz und auf dem Sportkanal wuchten massige Österreicher Betonkugeln von A nach B. Bleiben eigentlich nur noch "Ally McBeal" und "Sex and the City". Beide Sendungen sind nicht allzu gruselig und vermögen den Betrachter, nach ein- zwei gewürzten Zigaretten, durchaus zu zerstreuen. Drollig ist, beide Serien wurden von Männern für Frauen entworfen und die Herren der Schöpfung tarnen sich hinter den weiblichen Erzählerinnen-Stimmen.

"Ally McBeal" und "Sex and the City" handeln, wie eine Elektrolurch-Delegation herausfand, vom Drogenkonsum. Und das geht so: Unser Hirn verfügt über ein Belohnungssystem, welches uns mit freundlichen Drogen überschwemmt, sobald wir uns einen Partner gesucht haben, fleissig poppen und uns schlussendlich vermehren. Freilich setzt dieses Belohnungssystem irgendwann während der Aufzucht der Brut aus. Ein Grund an dem so gut wie jede Ehe irgendwann zugrunde geht. Natürlich wissen wir das. Doch wenn wir keinen Sex haben, kommen wir auf "Turkey" und sind für unsere Mitmenschen schier unerträglich. In dieser Sucht liegt auch das Phänomen Gesellschaft begründet. Ohne das Bedürfnis zu poppen, würde so etwas garnicht existieren. Schliesslich hassen wir einander! Sex also, ist die Droge Nummer eins. Entstanden im Laufe ungezählter Jahrhunderte.

Geneigten Lesern unter euch mag dieser Gedankengang nur mäßig originell erscheinen, ergo sind es auch die auslösenden TV-Serien. Auf den Punkt gebracht, handeln beide Serien von der bekannten weiblichen Torschlusspanik angesichts der Tatsache, dass die sexuellen Machtverhältnisse sich irgendwo in den Dreissigern umzukehren beginnen. Die Existenz dieser Torschlusspanik vermag ich allerdings nur zu erahnen, oder seh' ich etwa aus wie eine Frau?

Zentrales Problem in der Welt der Ally McBeal und im snobistisch-exaltierten Freizeittreiben der SATC-Protagonistinnen ist die Tatsache, dass man in der modernen, erfolgsgeilen Gesellschaft nur dann eine Familie gründen darf, wenn sich der beruflich-finanzielle Erfolg eingestellt hat. Die meisten Leser in den Dreissigern werden mir das bestätigen. Dann jedoch, sagt die biologische Uhr "Eigentlich bist du schon zu alt!" Obendrein suhlt das Hirn sich noch immer in Karrierephantasien und ähnlichen Leerläufen, welche nur bedingt in die sexuelle Drogenkultur der weit verbreiteten Mittelschicht passen.

Angesichts dieser nackten Fakten und dem Treiben ihrer Kollegen auf der Unisex-Toilette pflegt Ally McBeal immer leicht magenbeschmerzt aus ihrer Designerwäsche zu gucken. Leben doch sämtliche ihrer männlichen Kollegen nahezu ununterbrochen bizarre Ticks aus. Überhaupt: in beiden Serien sind Männer vornehmlich auf ihre Ticks beschränkt. Man möchte sogar meinen, diese Männer seien nur als tragendes Gerüst ihrer Ticks existent. Das jedoch muss so sein, aus Gründen des Amüsements. Andernfalls würde man bei Nahaufnahmen denken, der Fernseher wäre ein schwarz/weiss Gerät, so farblos sind die Burschen ohne ihre Macken.

Etwas weniger durchgedreht kommt die Sex-and-the-City-Welt daher. Man möchte sogar schon von schwarzem Humor und einem gewissen Drive sprechen. Die Gründe dafür mögen in der Stadt liegen, wo SATC spielt. New York nämlich. Das ist, so weiss man, die unamerikanischste unter den amerikanischen Städten, weshalb wir Mitteleuropäer einfach besser auf New Yorker und ihr Tun klarkommen. Überhaupt, jede einzelne SATC-Figur ist eigentlich schon facettenreicher als eine komplette Staffel von Ally McBeal. Das hat auch der produzierende Sender Fox bemerkt und die Serie nun eingestellt.

Doch wir waren beim Sex als Droge. So betrachtet, mag man Verständnis für den Kampf des puritanischen Amerikas gegen Drogen aufbringen. Die Darstellerinnen in SATC nehmen alle Drogen: Alkohol, Zigaretten und natürlich haben sie Sex. Sex dieses wunderbare Thema ohne das gut ein Drittel des Internet und Dieter Bohlen schon längst nicht mehr leben würden. Gipfelt jedoch der Drogenkonsum in Fortpflanzug, ist es Essig mit der spaßigen Sucht und das Thema ist für eine TV-Serie endgültig gegessen! Es sei denn, man hält Thekla Carola Wied noch für kurzweilige Unterhaltung.

Suhlen wir uns also weiterhin mit den SATC-Mädels in ihrer Sehnsucht einen Mann zu finden, der sich an erfolgreiche, intelligente, selbstbewusste und attraktive Frauen herantraut, fragen uns auf welchem Baum die denn bitte wachsen, schalten um und informieren uns detailliert über das rustikale Treiben unterfränkischer Landeier.

Fuck for Thrill - Sex in der Öffentlichkeit

Die ersten Monate einer Beziehung sind immer die besten! Das lässt sich kaum leugnen. Was aber nicht bedeutet, dass es hinterher abwärts geht, aber ein gewisse Ähnlichkeit mit einem Ausdauertest ist schon vorhanden...

Ich erinnere mich noch genau, mein Schatz und ich waren wieder einmal bei Freunden zum fröhlichen Grillabend im großen Garten eingeladen. Nach, und auch schon während des Essens flossen Wein und Jägermeister in Strömen und es gab auch die eine oder andere illegale Substanz.

Wir beiden waren den ganzen Abend über nicht zu trennen. Nach dem Essen saßen wir ausschließlich auf einem Stuhl. Irgenwann sahen wir uns im Überschwang junger Liebender die hinteren Gefilde des Gartens etwas genauer an. Ich warf noch einen raschen Blick in Richtung Terasse und dachte nur "Warum nicht?" Bevor ich nun wusste, wie mir geschah, waren wir in einem dichten Busch verschwunden um dort Dinge zu tun, die normalerweise für romantische Abende zu Hause vorgesehen sind.

Diese Verlockung, Sex an mehr oder weniger öffentlichen Plätzen zu haben, hat mich schon immer irgendwie fasziniert. Andere wären vermutlich zu Tode erschreckt.

Warum aber erregt es die einen, während andere angeekelt das Weite suchen? Das wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Sicher scheint mir allerdings, dass es nicht darum geht beobachtet zu werden, sondern eher um die Möglichkeit des Erwischtwerdens. Ein wichtiger Unterschied!

Beim Beobachtetwerden besteht ein gewisses Übereinkommen zwischen "Exhibitionist" und "Voyeur". Beim Erwischtwerden hingegen, geht es mal wieder um das Brechen von Regeln. Der sexuelle Akt oder kurz gesagt, der Fick wird somit zu einem aufregenden, gefährlichen Erlebnis, bei dem man jederzeit erwischt werden kann.

Ein Freund von mir hatte vor Jahren neben seiner Beziehung eine Affäre, welche ausschließlich auf Sex basierte - zumindest für ihn. Hei, wie wurde da gepoppt! In Parkhäusern, am See und in leerstehenden Industriehallen (kann ich nur empfehlen! Die Akustik ist phänomenal!). Da also seine Affäre von Anfang an verboten war, hat sich das logischerweise auch im sexuellen Tun widergespiegelt.

Doch nun, da er eine richtige Beziehung führt, hält er kaum noch Ausschau nach Orten für die spannende Ferkelei. Doch die Aufregung vermisst er schon ein Wenig, es im Schlossgarten oder auf dem Golfplatz bei Regen zu treiben. Lügen tut er wenn er behauptet, dass er die Aufregung seiner öffentliche Eskapaden nicht vermisst.

Was mich auf folgende Theorie bringt: Vielleicht führt uns der Thrill, es irgendwo da draussen zu treiben, zurück zu den frühesten sexuellen Erlebnissen, als beim wilden Geschlechtsteileaneinanderreiben noch die Eltern der ersten Freundin im Nebenzimmer vor "Wetten dass.." saßen, während wir uns unter den üblichen Teenie-Postern wilden Fummeleien hingaben. Jederzeit musste man befürchten, dass ihre Mutter anklopfte um das Vorhandensein von Getränken zu überprüfen (ha ha... wer's glaubt!). Doch sobald einer Beziehung der Stempel gesellschaftlicher Anerkennung aufgedrückt wurde, ist es Essig mit der ach so spannenden Gefahr.

Öffentlichem Sex ist seine Wirksamkeit einfach nicht abzusprechen! Das gehört zum Sichwiederverlieben irgendwie dazu, dieser eigentlich völlig irrationale Akt des Sex im öffentlich Raum. Gebt's doch zu Lurche: Im Stau einen geblasen zu kriegen ist doch wohl wesentlich aufregender, als verzweifelt nach einem erträglichen Radiosender zu suchen.

Leider verschwindet dieses Gefühl im Lauf der Zeit immer mehr. Und genau dagegen müsst ihr ankämpfen, Lurche! Ein Gefühl der Gefahr sollte in jeder Beziehung aufrecht erhalten werden!

Für Oktober ist es noch ganz schön warm draussen. Vielleicht sollte ich mit meinem Schatz am Wochenende mal "Pilze suchen" gehen...

Für eure Beiträge zum Thema "Fuck for Thrill - Sex in der Öffentlichkeit" gibt's für euch auch wieder ein Forum, in welchem ihr bitte reichlich Sex-in-der-Öffentlichkeit-Beiträge postet.

"...und poppten nur eine Nacht"
oder "Wie meine Assistentin Salamanda mit One-Night-Stands umgeht"

Natürlich... da geht man aus, gestylt, fertiggezaubert, eventuell das Gesicht angemalt und einen riesen Klamottenberg vor dem Kleiderschrank verursacht. Natürlich hat man auch nichts anderes im Sinn als einfach auszugehen. Doch dann weiß es irgendwer wieder besser und schon findet man sich des morgens in den Kissen eines Bettes wieder, das aus einem unerfindlichen Grund nicht das eigene ist.

Na gut, One Night Stands kommen schließlich auch irgendwie immer spontan zu Stande. Man verabredet sich ja nicht zu einem One Night Stand. Verabreden wird man sich eh nur mit Menschen, die man auch aus irgendwelchen anderen Gründen mag und da kann Sex schonmal zweit/drittrangig sein, wenn nicht sogar zu einem Problem werden. Wenn man jemanden mag... ein bißchen mehr mag, dann können ganz normale Sachen plötzlich peinlich werden. Vorerst! Beim One Night Stand ist das ja noch ein Bisserl was anderes. Man geht eben aus, trinkt und lacht, trinkt mehr und lacht zuviel und plötzlich, ehe man sich's versieht, hängt man jemandem am Hals, der ja soooooo furchtbar süß aussieht und ebenso dufte riecht. Bis zum nächsten Morgen. Das muß nicht so sein, aber man hört ja vielerortens, daß es so ist. Ich meine, daß man dann am nächsten Morgen eben in diesen kleinkarierten, miefigen Kissen aufwacht und voller Schrecken in ein kraterübersätes, mit schaler Hautfarbe versehenes und im Übrigen viel zu Altes Gesicht guckt, aus dem ein übler Morgenatem durch gelbe Zähne gepustet wird. Man kann gerade noch dem Reiz aich zu übergeben ein Schnippchen schlagen und sucht verwirrt das Klo, man ist ja nicht zu Haus. Schließlich vor dem Spiegel gelandet kann man es nicht lassen sich aus dem Badezimmerinterieur zusammenzureimen, bei wem man da in den Federn gelandet ist. Vorsicht, grober Fehler. Generell kommen Menschen, die man nicht kennt, an denen man nur aufgrund eines erhöhten Drogenspiegels plötzliches Interesse gefunden hat, einem vor wie potenzielle Massenmörder, Handtaschenräuber (wie kommt man sonst an soviel Nippes) oder Ehebrecher. Letzteres sollte man sich nicht wirklich zu Herzen nehmen, es geht einem gerade eh schon scheiße genug. One Night Stands, aus denen mehr wird, die sind wohl eher die Ausnahme. Ich will mich da gern belehren lassen, mit allen Untiefen, die das zu bieten hat, aber wie schon gesagt: In der Regel ist das völlig für'n Arsch.

Zugegeben, meine Hinterpartie und der Muskelkater, der sich dort unverrichteter Dinge eingenistet hat, sagen mir, daß der Sex nicht so übel gewesen sein kann. Möglich auch, daß ich mir das einbilde, denn es kann auch sein, daß dieser Mensch da sich gar nicht bewegt hat. So genau will ich das gar nicht wissen, Flucht nach vorn ist angesagt, ich suche meine Sachen zusammen, frage mich noch flüchtig wie zur Hölle mein Slip schon im Flur an dem Garderobenständer gelandet ist, während meine Hose in der Riesenkaktee im Schlafgemach des unbekannten Menschen hängt. Doch zu viele Fragen, mir platzt eh schon der Schädel und auf meinen Morgenkaffee verzichte ich mal lieber. Mir ist nicht nach reden. Außerdem, wer weiß wo ich hier bin, es könnte eine andere Stadt, gar ein anderes Land sein. Da könnte der Heimweg ungeahnt lang werden. Und ich schwöre mir Zeit meines Lebens keinen Tropfen Alkohol mehr zu mir zu nehmen. Während ich aber gerade die Straße langkrieche, mir ist eigentlich auch nicht nach Bewegung, kommt per SMS die frohe Kunde: Eine Party, heute abend im Swamp Club. Ausgehen ist doch an und für sich ne feine Sache...und wenn man so von One Night Stand zu One Night Stand lebt, kann man sich sogar die Miete für ein eigenes Domizil sparen, Studien übers "Mensch sein" anlegen und vielleicht ein Buch schreiben, mit dem man viel Geld verdienen kann. Für Sachdienliche Hinweise, ob das Sinn macht, bin ich durchaus dankbar.

"No Sex until Marriage" oder "Wie man sich seine Jugend versaut"

Liebe Lurche, ich möchte euch vier -wie ich finde- sonderbare, junge Leute vorstellen: Karla (21), Dirk (21), Robbie (16) und Lore (19). Alle vier bestizen sie eine Postkarte, auf der steht, dass sie "bis zur Ehe sexuell rein" bleiben wollen. Die andere Hälfte der Karte liegt in einem Kuhkaff namens Gschmend im Ostalb-Kreis.

Lore trägt eine graue Bluse, der oberste Knopf sitzt knapp unter'm Kinn. Ihre Weiblichkeit wird durch eine leicht übertriebene Kleidergrösse kaschiert. Um ganz sicher zu gehen, trägt Lore noch einen weiten, schwarzen Pullover. Ziel derartiger Gewandung: Charakter zeigen statt Figur, um "die Jungs nicht unnötig zu reizen". Sogar einem kleinen Flirt setzt Lore strenge Schranken. Denn Lore hat, wie die anderen drei und 100.000 weitere Kids in Deutschland, unterschrieben, als Jungfrau in die Ehe zu gehen.

Die selbsternannte, internationale Jugendbewegung welcher Lore und ihre Mitstreiter angehören, nennt sich WLW - "Wahre Liebe wartet". Diese Bewegung, deren einziges Ziel es ist, jungfräulich in die Ehe zu gehen, kommt, wie könnte es anders sein, aus den moralinsauren USA. Dort nennt sie sich "True Love Waits". Gegründet wurde dieser Club der Enthaltsamkeit natürlich von einem, in den USA leider sehr typischen, christlich-fundamentalistischen Jugendpfarrer namens Richard Ross. Unterstützung aus dem Pop-Himmel bekommt diese Bewegung beispielsweise von der, nur so scheinenden, Pop-Lolita Britney Spears. Von ihrem Engagement für "True Love Waits" hält Dirk allerdings überhaupt nichts: "Sexy sein, und keinen Sex haben wollen, das passt überhaupt nicht zusammen! Wenn ich abnehmen will, dann arbeite ich doch nicht in einer Küche!" empört sich der 21jährige Student. "Jungfräulichkeit ist schliesslich kein Werbegag..." echauffiert er sich weiter und gerät ein Wenig in Rage.

Besonders drollig eklärt der 16jährige Robbie sein eigenartiges Tun: "Ich will doch keinen Gebrauchtwagen!" dringt es selbstbewusst aus seiner schmalen Brust, und mir drängt sich der Verdacht auf, Robbies Desinteresse an sexueller Entdeckung, beruht eher auf einer andauernden Vorliebe für Spielzeugautos, als darauf, dem Vorsatz einer strengen Lebensphilosophie folgen zu wollen. Wartet ab, Lurche, bis der siebzehn oder achtzehn ist...

Karla ist mit ihren "sweet 17" erstaunlich pragmatisch: "Ich werde nicht ungewollt schwanger, bekomme keine Geschlechtskrankheiten und erspare mir, vor allem, den lästigen Liebeskummer."

Da werden also bewusst Emotionen durch Leistungen ersetzt. Man hält sich vollständig aus dem Lebensabschnitt vom ersten Kuss, über heftige Fummeleien bis Beziehungskisten heraus, um bessere Noten zu erzielen! Sie denken "Ich riskiere nichts, dann passiert mir auch nichts, dann geht es mir besser!"?

Das, also, ist eine Jugenbewegung im neuen Jahrtausend? Sex wird wieder in die finstre Welt der verstaubten Todsünden verschoben, bis die Ehe daherkommt und das "schmutzige" Treiben schlussendlich adelt. Mit Leistung zur Befreiung! Fängt hier schon eine Art leistungs-religiöser Irrsinn an?

Dabei dachte ich immer, der techno-religiöse Wahn meines Freundes Rainer S. (Musikliebhabern auch bekannt unter "Ice-Gö, der Kohlmörder") würde eines Tages in Mode kommen, aber das ist eh eine völlig andere Geschichte ebenso bizarren Charakters.

Wissen die eigentlich was ihnen da entgeht, vom ersten Kuss bis zur ersten ausschweifenden Sex-Nacht? Da werden also 100.000 Menschen in der Hochzeitsnacht in die ersten Sex-Erfahrungen stolpern... Wie das wohl aussehen wird? Unerfahrenes Herumgestochere, welches bestenfalls in der Missionarstellung, ein paar Blutflecken und einem vorzeitigen Samenerguss endet! Man sollte doch nicht nur menschlich, sondern auch sexuell zusammenpassen. Das ist für eine funktionierende Beziehung schliesslich nicht unwichtig. Mit Erfahrungen in Sachen Sex hat man auch einen grossen Schritt in Sachen sozialem Umgang getan. Oder wie, meine enthaltsamen Herren, wollt ihr der attraktiven Agenturchefin klar machen, dass ihr auch menschlich in ihre Firma passt?

Wenn das gesamte Umfeld aber nur aus guten Freunden und Verwandten besteht, wo sucht man dann seine Kandidaten mit denen man, nach vollzogener Ehe, auch noch Geschlechtsverkehr haben muss? Und sei es nur um sich zu vermehren...? Um meine vorhin gestellte Frage zu beantworten. Die wissen natürlich nicht, was ihnen entgeht! Woher auch? Der sexuelle Erfahrungsschatz geht doch über die Frage "Was trägt der Herr Heiland wohl unterm Lendenschurz?" kaum hinaus. Alles andere was die Enthaltsamen über Sex in Schule, Uni und sonstwo hören, wird doch gleich in's Reich der Verderbnis gestossen.....

Lurche, falls da draussen jemand ist, der sich für die Ehe aufhebt: Meldet euch bei mir! Diskutiert mit mir und den anderen, weniger enthaltsamen Lurchen!

Masturbation am Arbeitsplatz - Die subversive Rebellion

Ich bin bei der Arbeit. Draußen vor den großen Fenstern mit Blick auf Swamp City, dümpeln trotz nahendem Sommer träge Regentropfen am Glas herunter. In entspannter Büroatmosphäre duftet es nach Kaffee, die Rechner summen elektrisch, die Telefone läuten. Die sonderbaren Geräusche der Flash-Animation, an der Dr. Adler gegenüber am Tisch arbeitet, bilden den Hintergrundsound.

Ein Redakteur hat mir gerade ein neues Band-Special auf den Tisch gelegt. Wie immer ist es eilig. Der Posteingangsordner quillt über. Trotzdem bin ich irgendwie gelangweilt. Den sechsten Kaffee trinken? Die zehnte Zigarette rauchen? Ein paar private eMails verschicken?

Doch anstatt mir eine der zahllosen Möglichkeiten auszusuchen, stehe ich auf, schleiche durchs Büro, vorbei an dem alten Ofen, der improvisierten Golf-Driving-Range (sowas haben wir wirklich!) in Richtung Toilette.

Nun stehe ich im großzügigen Bad mit Wanne für zwei Personen (sowas haben wir wirklich!) und öffne meinen Gürtel. Ich bin allein. Also lasse ich die Hose fallen und betrachte mich im Spiegel. Ich schiebe meine Hand in die Shorts und spiele an mir herum. Mein kleiner Freund freut sich und richtet sich neugierig auf. Auf der Toilette sitzend tue ich, was nun getan werden muss.

Hinterher wasche ich mir die Hände und gehe ruhig an meinen Schreibtisch zurück. Mein Gesicht ist gerötet, aber nicht rot genug, um irgendwem aufzufallen. Ich arbeite weiter, erfüllt von einem Gefühl tiefer Befriedigung. Ich habe etwas geschafft. Ich fühle mich stark und subversiv zugleich. In einer Umgebung, die mich besitzen will, habe ich einfach den Spiess umgedreht, die Führung übernommen und mir selber bewiesen, dass ich mir gehöre. Nur mir!

Gäbe es, abseits der Prostitution, eine Möglichkeit, Orgasmen zu verkaufen, würde ich damit sicher einen ansehnlichen Haufen Geld verdienen. Die Kunden würden mir mit ihren Kreditkarten die Tür einrennen. Aber, welch ein Glück, das wird wohl nie passieren ...oder vielleicht doch? Wer weiß? Alles Mögliche und Unmögliche wird patentiert. Wieso sollte ich mir nicht meine Eichel oder die Klitoris meiner Freundin patentieren lassen? Beginnt hier der Wahnsinn oder ist das bald ganz normal?

Auf dem Weg zum Abendessen bei lieben Freunden, musste ich im Taxi über all das noch einmal nachdenken. Ich dachte darüber nach, dass mein Körper der letzte Bereich ist, über den nur ich die Kontrolle habe. Onanie ist somit die einfachste Form dieser Kontrolle.

Nach der fünften Runde Prosecco (ich vertrage das Zeug einfach nicht) fragte ich in die Runde der anwesenden Thirtysomethings, ob sie denn jemals auf der Arbeit gewichst hätten! Tatsächlich gingen mehrere Finger in die verqualmte Luft. Meine Freundin sank unter den Tisch - wie gesagt, ich vertrage keinen Prosecco. Meine Freundin versuchte noch schnell das Thema zu wechseln, doch die anwesenden Masturbanten waren über die Maßen bereit, das Thema zu diskutieren. Um meine Frage auszuweiten fragte ich, wer denn schon mal Sex am Arbeitsplatz hatte. "Nein, nein!" ereiferten sich die Masturbanten, "Wichsen macht viel mehr Spaß!"

Nick erzählte, dass er das familiäre Weihnachtsessen zwischen Pute und Pudding verließ, um sich auf der elterlichen Toilette genüsslich einen runterzuholen. Nur so konnte er die verkrampfte Atmosphäre ertragen.

Was macht denn, bitte, die Masturbation oder das Wichsen zu einer befriedigenderen Rebellion als die Kopulation oder das Ficken? Es bringt ausser dem Vergnügen doch keinerlei Nutzen?

Die Antwort ist relativ einfach: Statt einem Vertrag zwischen Liebenden oder einfach nur Geilen, wird ein Vertrag zwischen dem eigenen Geist und dem eigenen Körper geschlossen. Weit offen stehen die Tore der eigenen Phantasie und werden durch nichts behindert. Und die Phantasie besitzt eine Potenz, die auch ihr Eigentümer nicht zu überschauen vermag. Die Phantasie vermag einen zu überraschen, ebenso wie sie einen zu erschrecken vermag. So ist es uns möglich, ganz privat das weite Reich der Subersivität zu betreten und sich zeitgleich auf konservativem Boden (Bürotoilette) zu bewegen. Und genau das macht's aus!

Während wir also einer permanenten Überwachung unterzogen sind, es normal finden den ganzen Tag vor einer Webcam zu arbeiten, Rabattsysteme unser Kaufverhalten registrieren, unsere eMails Stichproben unterzogen werden, ist die Masturbation völlig frei von jeder Art der Beobachtung und Kontrolle. Alle noch so freundlich daherkommenden Firmen haben nur ein Ziel: Unser Geld, unsere Gedanken, unsere Sympathie!

Also Lurche, macht es euch bewusst: Eure Körper gehören jetzt noch euch. Macht euch das bewusst, steht von euren Schreibtischen auf und fangt endlich an zu wichsen!

Mit liebenden Grüßen,
Euer Dr. Dr. Dr. Winter

 
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