| Interview
mit And.Ypsilon
Die
Fantastischen Vier: Jeder kennt sie, jeder hört
sie und jeder weiß, was die Jungs außerhalb
der Viererkette noch so machen.
Da ist Thomas D., ob nun solo oder mit seinen anderen
Standbein „Son Goku“, da ist Michi Beck
mit seinen „Turntablerockers“, Smudo, der
Hobby-Rennfahrer und das Mitglied mit der wohl häufigsten
Medien-Präsenz.
Aber was macht eigentlich „Der Mann im Hintergrund“,
wie er auch immer so schön in Berichten genannt
wird, was macht eigentlich And.Ypsilon?
Erstmalig veröffentlicht Andreas Rieke (so sein
bürgerlicher Name) ein Solo-Album mit dem Titel
„Y-Files“. Der Elektrolurch unterhielt sich
mit ihm über das Album, über Produzent sein
und Produzieren und über Trennungsgerüchte.
Elektrolurch:
Bei Interviews stehen eigentlich immer die anderen drei
(speziell Smudo und Thomas D.) im Vordergrund. Ist es
für dich eine Besonderheit, alleine Rede und Antwort
zu stehen?
And.Ypsilon: Es ist schon besonders, wenn es nur um
mich geht, aber ich hab auch so schon genug Einzel-Interviews
gegeben, wenn es um die Fanta 4 geht, so dass die Situation
als solche mich jetzt nicht überfordert.
Elektrolurch: „Der Mann im
Hintergrund“ wirst du auch immer genannt. Ist
es von dir so gewollt, hat sich das so im Laufe der
Jahre entwickelt oder ist es doch mehr ein Fluch?
And.Ypsilon: Meine Rolle bei den Fantastischen Vier
hat sich aus der Praxis und aus den vier verschiedenen
Temperamenten der Bandmitglieder ergeben und ich bin
damit überhaupt nicht unzufrieden. Für das
was ich bei Fanta 4 mache, ist das genau die richtige
Position, um den Zusammenhalt zu gewähren bei dem
ganzen verrückten Haufen. Ich bin natürlich
genauso „bescheuert“, ich hab dabei den
Vorteil der hintergründige Rolle.
Elektrolurch:
Die anderen Fantas sind irgendwie schon solo unterwegs
gewesen, sieht man mal von Smudo ab. Oder ist er schon
irgendwie solo tätig geworden?
And.Ypsilon: Ne, ich glaube da war nichts Nennenswertes
und schon gar nicht solo. Er tauchte mal mit Thomas
D. zusammen bei Bootsy Collins auf. Es gab da noch ein
paar kleine Appearences (z.B. bei FISCHMOB: „Susanne
zur Freiheit“ – Anmerkung des Autors), solo
würde ich das aber nicht nennen.
Elektrolurch: Und welche Projekte
hast du in der letzten Zeit bearbeitet?
And.Ypsilon: Ich kann um Beschäftigung nicht klagen
in der vergangenen Zeit. Thomas D. hat zwei Solo-Alben
gemacht, das zweite mit mir, daher war es für mich
auch ein halbes Solo-Album. „Reflektor Falke –
Lektionen in Demut“ habe ich produziert. Danach
habe ich an meinem Solo-Album gestrickt, das sind jetzt
zwei Jahre. Ok, ist eine stattliche Zeit, aber so etwas
braucht auch Reife. Es kam ja auch noch nie vor, dass
ich ein Solo-Album mache. Ist eine neue Herausforderung,
da geht es um andere Dinge.
Elektrolurch:
Deshalb auch die lange Wartezeit? Die VÖ wurde
ja immer wieder verschoben. Jetzt erst kürzlich
noch von Oktober auf November. Warum? (Noch nicht ganz
zufrieden mit der Arbeit?)
And.Ypsilon: Richtig, es bleibt aber jetzt bei November,
3. November um genau zu sein. Ich habe das Album abgegeben,
es ist komplett fertig. Ich werde dafür keinen
Finger mehr krumm machen.
Elektrolurch: Und jetzt? Promotion-
oder richtige Live-Tour mit dem Album?
And.Ypsilon: Live-Umsetzung war mal angedacht, wird
jetzt erst mal nicht gehen, weil die nächste Fanta-Produktion
ansteht und das nimmt mich schon voll in Anspruch. Ich
kann da nicht nebenher noch ein anderes Live-Projekt
oder so machen. Allgemein betrachtet ist die „Y-Files“
Musik nicht so einsilbig, dass sie in einigen Jahren
nicht mehr gut wäre, um live damit aufzutreten.
Das muss jetzt warten, aber vielleicht kommt es ja doch
noch. Ich hätte schon Lust, auf der Bühne
zu prüfen, was Bestand davon hat. Nicht zu letzt
deshalb sind wir mit „Reflektor Falke“ live
auf Tour gegangen. Da wollte ich schon einmal wissen,
was bei dem ganzen abstrusen Studio-Kram auf der Bühne
übrig bleibt. Das ist schon der Moment der Wahrheit.
Elektrolurch:
Wo wir gerade dabei sind, was verstehst du unter den
„Y-Files“?
And-Ypsilon: „Y-Files“ ist in erster Linie
mein Solo-Projekt, meine Spielwiese. Ich hab’
es aber nicht alleine gemacht, wie man bei einem Solo-Projekt
vermuten könnte. Weil ich Produzent bin und eine
meiner Fähigkeiten ist das Produzieren von Leuten,
sprich Leute auf einen Nenner einzuschwören, den
gemeinsamen Kontext herzustellen, das Beste aus jedem
herauszuholen und das erfolgreich zu kombinieren.
Ich habe mit Ralf Goldkind, meinem langjährigen
Co-Produzenten zusammengearbeitet. Wir zusammen haben
„Reflektor Falke“ gemacht, wir zusammen
haben „Liebesbrief“ gemacht, wir zusammen
haben die „4:99“ LP der Fanta 4 gemacht,
wir zusammen haben das letzte Lucilectric Album gemacht,
das es je gab. Er ist sehr wichtig in diesem Team und
auch einiges an Komposition stammt von ihm. Also nicht
für alles zeichne ich mich alleinig verantwortlich.
Aber letzten Endes schon, wenn es mir nicht gefallen
würde, dann würde ich es ja wegproduzieren,
sprich abwählen.
Elektrolurch: Aber es sind noch zwei
weitere Leute an dem Album beteiligt.
And.Ypsilon: Es gibt noch weitere Mitwirkende, Knut
Knutson, der als ständiger Studio-Musiker das Seine
beigetragen hat, hier spielt er Bass und Gitarre und
auch so kleine Schmankerls wie die Auto-Harf. Dann noch
eine Sängerin, KIKO aus Berlin. Eine Sängerin,
die bislang nicht in Erscheinung getreten ist, bisher
keine Veröffentlichung gehabt hat. Völlig
unverständlich meiner Meinung nach. Sie ist 33
Jahre alt, erfahrene Sängerin, kommt aus dem Jazz,
hat eine richtige Ausbildung. Mich besticht die völlig
lockere Art, wie sie ihre Parts da bringt, so derartig
unnervig. Gerade bei Sängerinnen ist schnell die
Gefahr gegeben, dass die anfangen zu nerven.
Elektrolurch: Sie singt aber nicht
auf allen Songs.
And.Ypsilon:
Nein, sie singt nicht auf allen Songs, das ist nur eine
gewisse Kategorie von Songs, wo sie hineinpasst. Die
männliche Stimme bei den anderen Songs ist Ralf
Goldkind, mein Co-Produzent. Das bin nicht ich. Es ist
völlig unglaublich, dass ich nicht solistisch mit
meiner Stimme in Aktion trete, aber das tue ich bei
den Fantis auch nicht. Ich hab ein bisschen mit mir
gerungen, ob ich es doch noch wagen soll, aber das braucht
wohl noch seine Zeit. Ich bin da auch anspruchsvoll,
mir ist es wichtig, dass die Platte gut ist, nicht so
sehr, dass ich darauf singe.
Elektrolurch: Also wieder „Der
Mann im Hintergrund“.
And.Ypsilon: Ja, Singen ist immer so ein egomäßiges
Ding, das muss man auch schon wollen. Wenn man es nicht
will, dann soll man es besser sein lassen, sonst kommt
dabei auch nichts raus. Mir war einfach wichtig, dass
wir gute Songs zusammen kriegen, wer die singt, ist
mir erst mal egal. Nur gut muss es sein.
Elektrolurch: Mich haben die „Y-Files“
sehr stark an Kraftwerk, aber auch an 80er Synthie-Pop
und an Electronic Body Music (EBM) erinnert. Sind das
so die Einflüsse?
And.Ypsilon: Ich selber habe in den 80er angefangen,
Musik zu machen, das sind absolut meine Wurzeln, die
da vertreten sind, gerade was Beats angeht, eher Electro
als HipHop. HipHop gab es noch gar nicht in der Form,
es war immer Electro-Beats mit Rap. Und Kraftwerk höre
ich seit ich acht Jahre alt bin. Klar sind diese Präferenzen
auch eindeutig zu hören, das macht mir aber gar
nichts aus, ich denke dennoch, dass es andersartig genug
ist, um interessant zu sein.
Elektrolurch:
Bei „Sexinvention“ ist der Kraftwerk Einfluss
unüberhörbar.
And.Ypsilon: „Sexinvention“ ist ein klassischer
Electro-Beat, klassischer geht es eigentlich gar nicht.
Daher nichts Neues. Auf der kompositorischen Ebene ist
es bei Electro meistens sowieso nicht neu. Es ist doch
so, dass man zu einer neuen Darstellung bei dem ewig
gleichen Electro-Thema kommt. Jedenfalls wenn man das
klassische Club-Ding haben will. Mir hat es gefallen,
dass es Detroit-mäßig ist, also keine rein
deutsche Anmutung hat wie Kraftwerk, sondern ein bisschen
weiter gefasst ist vom Electro-Begriff.
Elektrolurch: Zurück zu den
Fantastischen Vier. Nach der letzten Platte „4:99“
ist eine relativ lange Zeit vergangen. Seht ihr das
mehr als kreative Schaffenspause oder geht es auch darum,
mal Abstand voneinander zu bekommen?
And.Ypsilon: Das musste mal sein, nachdem wir die letzten
zehn Jahre intensivst zusammen gearbeitet haben. Es
ist auch sehr einseitig, wenn man zehn Jahre in so einem
Highspeed-Rausch verbringt, dann geht auch ein Teil
vom normalen Leben logischerweise auch an einem vorbei.
Es ist zwar schön, aber es hat auch seinen Preis,
man macht in der Zeit so gewisse Normal-Erfahrungen
nicht, die muss man nachholen, dazu braucht man ein
normales Leben, so ohne Popstartum.
Elektrolurch: Gab es denn dann auch
mal Überlegungen, die Fantastischen Vier aufzulösen?
And.Ypsilon: Das war eine Zeitlang unklar, keiner wusste,
wann es weitergeht, ob es weitergeht. Aber es war auch
auf der anderen Seite keiner da, der gesagt hat, „nein
es geht nicht weiter, ich steig aus“. Wir haben
die Sache einfach auf sich beruhen lassen und es hat
sich auch wieder ganz natürlich zusammengefunden.
Es ist auch ein schönes Gefühl, dass das passiert
ist, aber es hat keiner erzwungen und das fühlt
sich für mich nach einer gesunden Sache an. Ich
kann euch nur warnen, das Popstar-Leben hat auch seine
Tücken.
Elektrolurch:
Es steht also ein neues Fanta 4 Album an?
And.Ypsilon: Richtig, wir werden jetzt direkt durchstarten
mit der Produktion. Irgendwann im nächsten Jahr,
ich bin da vorsichtig mit der Prognose, vielleicht im
Frühjahr, vielleicht aber auch im Sommer oder Anfang
Herbst....
Elektrolurch: Ihr werdet es also
locker angehen?
And.Ypsilon: Es ist dann fertig, wenn es fertig ist.
Klar kann man sich Mühe geben, schnell zu sein,
man muss sich aber auch Mühe geben, ein gutes Album
zu machen.
Elektrolurch: Von der gerade beendeten
„MTV Unplugged“ Tour soll es ein Live-Album
geben. Stimmt das?
And.Ypsilon: Wir haben mal ein bisschen mitgeschnitten,
aber ich weiß nicht, was damit passieren wird.
Ich lasse es auf der Gerüchteebene.
Das Interview führte Smilo |