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| Zwanzig
Jahre nach Fertigstellung seines legendären Anti-Kriegsfilms
beschloss Francis
Ford Coppola, seine "Apocalypse Now" noch
einmal komplett zu überarbeiten und um Szenen zu
erweitern (55 Minuten), die dem früheren Mainstream-Schnitt
zum Opfer gefallen waren.
Alles begann mit einem Drehbuch von John Milius, das
Joseph Conrads klassische Erzählung Das
Herz der Finsternis in die Schrecken des Vietnam-Krieges
verlegt und dem kriegsmüden Captain Willard (Martin
Sheen) bei einer geheimen, stromaufwärts führenden
Mission folgt. Er soll den abtrünnigen Colonel
Kurtz (Marlon Brando) töten, der in einen vorzivilisatorischen
Zustand von mörderischem und mystischem Wahnsinn
zurückgefallen ist. Die Reise ist äußerst
gefahrvoll und umfasst Kriegshandlungen von zum Teil
epischen Ausmaß und zum Teil sehr intimen Charakter.
Geheime Mission in Kambodscha
Im
Mai 1979 erlebte "Apocalypse Now" als "Work
in Progress" seine Uraufführung bei den Filmfestspielen
in Cannes. Der Film wurde mit der Goldenen Palme ausgezeichnet
und mit Lob überschüttet. Coppolas Kriegsdrama
erzählt von einer gefährlichen Sondermission,
mit der Captain Willard (Martin Sheen) und eine Handvoll
Männer während des Vietnamkrieges beauftragt
werden: Sie sollen den unkontrollierbar und offenbar
verrückt gewordenen Colonel Kurtz (Marlon Brando)
liquidieren, der sich mit seiner Einheit im kambodschanischen
Dschungel verborgen hält. Die Flussfahrt auf dem
kleinen Patrouillenboot, das Willard und seine Leute
in das Schreckensreich von Colonel Kurtz bringt, wird
zu einer düsteren Odyssee in die Abgründe
der menschlichen Seele.
30 Millionen Dollar Produktionskosten
Regisseur
Francis Ford Coppola brachte mehr als vier Jahre seines
Lebens mit der Konzeption und Fertigstellung von "Apocalypse
Now" zu. Finanzierungsprobleme, Alkoholexzesse,
ein Herzinfarkt des Hauptdarstellers und katastrophale
Produktionsbedingungen trieben alle Beteiligten an den
Rand des Wahnsinns. Die gesamte Produktion verschlang
mehr als 30 Millionen US-Dollar. Im Frühjahr 1979
befanden sich Coppola und sein Team in einer äußerst
schwierigen Situation: Der Film war viel zu lang, inhaltlich
kompliziert geraten und wich stark von der traditionellen
Struktur eines Anti-Kriegsfilms ab. Die Zeit drängte,
denn Coppola hatte bereits seinen gesamten Besitz verpfändet,
um ein 16-Millionen-Dollar-Finanzierungsloch zu stopfen.
Die Presse bestürmte ihn immer wieder mit der bohrenden
Frage: "Apocalypse When?". In dieser Situation
entschloss Coppola sich, den Film zu einer Kurzfassung
zurechtzuschneiden, um dem Geschmack des Massenpublikums
wenigstens ansatzweise entgegen zu kommen.
Zurück zu den Anfängen
Die
Rechnung ging auf, "Apocalypse Now" wurde
mit zwei Oscars ausgezeichnet und ging als Meisterwerk
in die Filmgeschichte ein. Zwanzig Jahre später
sah Francis Ford Coppola seinen Film zufällig im
Fernsehen und war bestürzt, wie zahm die Kurzfassung
im Vergleich zum Original wirkte. Freunde, die die ursprüngliche
Fassung kannten, bestätigten diesen Einruck und
ermutigten ihn, eine neue, gegenüber den Forderungen
des Mainstreams kompromisslose Version zu erstellen.
Die aufwendigen Umschneidearbeiten nahmen insgesamt
sechs Monate in Anspruch, dabei wurden 49 Minuten noch
nie gezeigten Filmmaterials in den Neuschnitt integriert.
Der Aufwand hat sich gelohnt. Die neue 203 Minuten lange
Version zeigt noch unmissverständlicher die Verlogenheit
und Doppelmoral mancher politischer Machthaber und vermittelt
einen komplexen, realistischen Eindruck von einem brutalen,
moralisch zweifelhaften Krieg.
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| Es
ist müßig, die unterschiedliche Filmwirkung
von großer Leinwand und heimischem Bildschirm
zu diskutieren - insbesondere bei einem Film wie "Apocalypse
Now". Ich weiß nicht mehr genau, wann ich
ihn zum ersten Mal gesehen habe, ob auf Video oder im
Fernsehen, allenfalls mit einer Bildschirmdiagonale
von 70 Zentimetern. Doch nun, nach Betrachten der neuen
Schnittfassung "Apocalypse Now Redux" in einem
vollständig ausgerüsteten Kino, kann ich kaum
behaupten, den Film jemals gesehen zu haben. Geschweige
denn gehört. Lärmkaskaden vorbeifliegender
Hubschrauberstaffeln dringen aus jeder Pore des Raums,
die Doors zelebrieren ihre eigene, kleine Apokalypse
direkt in meinem Ohr, die Walküren reiten alle
vier Wände entlang. Der Wahnsinn okkupiert von
der ersten Sekunde an den Verstand - "The Horror,
The Horror" ist immer nur einen Wimpernschlag entfernt.
Niemand
hatte seinerzeit das Ausmaß dieses Filmprojekts
absehen können. Für läppische vier Monate
waren die Dreharbeiten auf den Philippinen angesetzt,
über drei Jahre dauerte letztlich der Krieg Coppolas
mit dem Material, den Bedingungen, mit sich selbst.
Die Goldene Palme für eine frühe Rohfassung,
die Set-Dokumentation "Hearts of Darkness"
von Coppolas Frau, der Bankrott der Produktionsfirma
und des Regisseurs selbst - alles nur Randnotizen zu
einem Monstrum von Film, dem die Maßlosigkeit
in jeder Szene ins Gesicht geschrieben steht.
Verlängert
um rund fünfzig Minuten, erweist sich diese Version
von "Apocalypse Now" dennoch als weitaus homogener,
kurzweiliger gar, als die vormalige Fassung. Zudem entwickelt
sich erst hier das eigentliche Thema des Films, der
nie allein auf seine Vietnammetapher beschränkt
war, sondern in seinem Innersten eine weit größere
Fabel anstrebte. Mit der Integration der bisher nicht
gezeigten Sequenzen wird nun diese Fabel freigelegt:
"Apocalypse Now Redux" ist der Versuch, die
verfehlte Entwicklung Amerikas in Bilder zu fassen.
Zu
Beginn steht das Ende, von den Doors intoniert und von
Napalmbombardements unterstützt, bevor Captain
Willard, der Außenseiter auf dem Boot Amerika,
dieser Keimzelle der Gesellschaft, auf die Zeitreise
den Fluß entlang geschickt wird. Der offizielle
Auftrag, den abtrünnigen Colonel Kurtz zu eliminieren,
entgleitet Willard - und dem Film - zusehends, eröffnet
dafür aber ein breitgefächertes Panoptikum
von Coppolas Amerika, angefangen mit einem grandiosen
Moment der Illusionsbrechung, in dem die Kamera auf
das Filmteam hinter den Kulissen schwenkt, über
die wahnwitzige Surffixierung des Colonel Kilgore und
den surrealen Auftritt der Playmates, die einer unheimlichen
Begegnung gleich, aus dem Nachthimmel hereinschweben.
Das Amerika des 20. Jahrhunderts: Mord und Krieg, Film,
Surfen, die Verheißung von Sex - mehr nicht.
Schlimmer
noch die Vergangenheit, die im Fortschreiten des Films
dargelegt wird: die Ausbeutung der Natur, die Unterdrückung
der Schwarzen, das Kolonialgebaren einer dekadenten
Gesellschaft. Letzteres durch die längste neu implementierte
Sequenz visualisiert, in der das Patrouillenboot auf
einer französischen Plantage eintrifft. Diese höchst
unwirklich anmutende Sequenz, die komplett einer anderen
Zeit, einem anderen Jahrhundert zu entstammen scheint,
enthält die entlarvendste Sentenz des Films, den
der französische Kolonialherr voller Überzeugung
darbringt: "Wir sind hier, weil wir um das kämpfen,
was uns gehört - ihr Amerikaner kämpft lediglich
um das größte Nichts in der Geschichte der
Menschheit." Nicht nur die Demaskierung amerikanischer
Ziele, sondern auch die Hybris der Kolonialherren, ob
in Indochina, oder Jahrhunderte zuvor, in Amerika selbst,
wird hier, in einem Zug, offenbart.
Die
Konfrontation mit Kurtz schließlich, dessen Terrorisierung
der Einheimischen wenig verschlüsselt an die Ausrottung
nordamerikanischer Indianer gemahnt, enthält jedoch
die signifikanteste Modifikation des Ausgangsmaterials.
Wie einst der Director´s Cut von "Blade Runner"
erlangt "Apocalypse Now Redux" gerade durch
die Reduktion der Finalsequenz wahre Größe
sowie eine der alten Version gegenüber fast diametrale
Ausrichtung, die den Haß kanalisiert und angesichts
aktueller Geschehnisse ein wichtiges Zeichen setzt.
Mehr ist von einem einstmals exzessiven Egotrip Coppolas
kaum zu erwarten.
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| Apokalypse Now Redux
- Ein Meisterwerk übertrifft sich selbst! Man
hatte es schon mit der Angst bekommen, dreieinhalbstunden
Kiffer-Kriegsfilm und Gerüchte um Til Schweiger
als Synchronsprecher, lies uns skeptisch im Kinosessel
Platznehmen. Die Bild und Atmosphärengewalt von
Apokalypse Now Redux sorgten aber schlagartig
dafür tiefer und tiefer in den Sessel zu sinken
und zunächst staunend, später begeistert aus
der Vorstellung zu gehen; mit dem stetigen Gefühl
Hubschrauber Geräusche zu hören und einen
leichten Napalm Duft in der Luft zu spüren (Neu
von Bac: Napalm for man)
Das
psychedelische Kriegsmärchen von F.F.Coppola
verstand es im Kino völlig neu Überarbeit
und mit um 50 Minuten ergänztem Material, ein wesentlich
dichteren und deutlicheren Handlungsstrang zu zeichnen
als erwartet. Die Protagonisten wirkten allesamt erstaunlich
schlüssig nur das Szenario in dem sie agieren ist
völlig wahnsinnig, Krieg eben.
Die neu hinzugekommene Szenen entpuppen sich als absolut
unentbehrliche Bausteine und lassen uns das Original
als Verstümmelung des Stoffs ansehen. Es sind Ergänzungen
und comichafte Übertreibungen die dem "Original"
wohl auch deshalb fehlten, weil sie dem amerikanischen
Publikum selbst 1979 noch nicht gezeigt werden konnten.
Sexszenen mit den Playboybunnys, die im Original "nur"
als Tänzerinnen agieren hätten in der gezeigten
Art und Weise erst in den 90ge Jahren im Mainstream
Kino platzgefunden. Andere krasse Übertreibungen
wirkten wie vorwegnahmen von Ideen wie sie Flachköppe
wie Tarantino erst zwanzig Jahre später ausbrüteten.
Natürlich
ist der Kern des Antikriegsdramas schon tausendfach
interpretiert der Wahnsinn als Normalität, die
Normalität als Wahnsinn; und die politischen Hinternrüde
des Vietnamkriegs wurden mit einer grotesken Karikatur
der Love-Generation verwoben die einem bei General Kurtz
Dschungel Army auch an Goa Raver oder andere Ausgeburten
der Hippie Ideale denken lässt.
Insgesamt ist es schon sehr erstaunlich, wie ein Film
mit ungewöhnlichen Mitteln Kamera Musik Kulisse
in einer Weise kombiniert, die einen auch dreieinhalb
Stunden absolut fesselt und dabei von Ekel bis Gelächter
alles im Zuschauer provoziert, was ein Mensch aufbringen
kann um sich dem Grauen des Krieges zu stellen.
Sehr zu empfehlen ist auch: Das
Herz der Finsterniss - the making of Apoklaypse
Now !
Cinema Comoran
for Elektrolurch 2001 |
» APOCALYPSE NOW REDUX «
| Apocalypse Now Redux. USA 2001.
R:Francis Ford Coppola.
B:Francis Ford Coppola, John Milius.
K:Vittorio Storaro. S:Walter Murch.
M:Francis Ford Coppola, Carmine Coppola.
D:Marlon Brando, Robert Duvall, Martin Sheen,
Frederic Forrest,
Albert Hall, Laurence Fishburne, Dennis Hopper
u.a.
P:American Zoetrope. Tobis StudioCanal.
203 min. FSK: ab 16. |
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| Trailer hier
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