| Wer hätte
das gedacht?
Die
Namen kennt man schon länger, und die Gesichter
hat man auch schon des öfteren gesehen. Sie haben
einen ähnlichen Weg zu dieser Platte hinter sich
gebracht, nur, Afrob kommt von Süden und Samy aus
dem Norden.
Beide fangen klein an, in ihren Zimmern mit dem Mic
in der Hand, rappen sich erst mal durch Jugendclubs
und später holen sie ich als Freestyler regional
einen Namen auf vielen, vielen Jams – der eine
in Stuttgart, der andere in Hamburg.
Die
etablierten Gruppen in den beiden Städten werden
bald auf die Talente aufmerksam, und so kommen die ersten
Einladungen ins Haus. Freundeskreis (FK) geben den Startschuss,
als sie Afrob mit auf ein Demo-Tape nehmen, und richtig
öffentlich wird es, als die Massiven Töne
ihn auf ihrem „Kopfnicker“-Album featuren.
Es folgt eine ausgedehnte Tour und ein Live-Album mit
den FK Allstars: Gentleman, Max, Sekou the Ambassador,
Brooke Russell und Joy Denalane. Samy ist mit seinen
Partnern Tropf und Dynamite zu dieser Zeit bereits Deluxe
unterwegs, und macht Tapes, die zwar underground aber
dafür verdammt weit rumgekommen sind.
Bald sind die Gesichter das erste Mal auf den Musiksendern
zu sehen. In den nächsten zwei Jahren gehören
sie konstant zu den Most Featured in Deutschland und
arbeiten an ihren eigenen Ideen.
Afrob
hat bis heute zwei Alben solo rausgebracht: Das erste,
„Rolle mit HipHop“, widmet sich der Rapmusik
in all ihren Facetten, steigt bis auf Platz 13 der Album-Charts,
und das Duett „Reimemonster“ mit Ferris
MC verschwindet lange nicht mehr aus der Rotation. Als
er 2001 sein zweites Album, „Made in Germany“,
veröffentlicht, wagt er sich auf unbekanntes Terrain
und riskiert seine kommerzielle Kompatibilität
zugunsten seiner Herkunft und Jugend in Deutschland.
Samy bringt mit Dynamite Deluxe zunächst eine
EP und dann die LP „Deluxe Soundsystem“
auf den Markt. Mit „Samy Deluxe – das Album“
macht Samy ab 2001 solo weiter, die Single „Weck
mich auf“ geht in die deutschen Top 5. Samy holt
so gut wie jeden deutschen Musikpreis. Die beiden Gesichter
sind nicht mehr wegzudenken.
Durch gegenseitige Features und andere gemeinsame Projekte
(z. B. „Brothers Keepers“ unter anderen
mit Xavier Naidoo und Torch, oder „Four Fists“
mit KC da Rookee, Flame und DJ Desue-Beat) kennen sich
Afrob und Samy jetzt seit einiger Zeit.
Zu
der künstlerischen Achtung voreinander ist irgendwann
auch persönlicher Respekt gekommen, und der Plan,
zusammen eine Platte zu machen. Im Mai beginnt die schöpferische
Arbeit an der LP, die mindestens zwei Leben verändern
wird. Die Texte werden gemeinsam in zahllosen Sessions
in wahllosen Hotelzimmern geschrieben, und gleichzeitig
wird auch noch der Planet nach guter Musik abgesucht.
Zum
Beispiel in den USA. DR Period, der gerade „Welcome
back“ für Onyx produziert hat, gibt einen
Beat mit, Jay Dee aus Detroit hat einen Track auf dem
Album. Mr Man von Bush Babees komponiert einen Riddim
für ASD, ein Beat ist von Diamond D, der (mit Fat
Joe, Big L, O.C., Buckwild, Show & AG als DITC-Crew)
schon einige Klassiker getaktet hat.
Team
Heet aus Philadelphia, aus dem Umfeld von The Roots,
sind mit drei Stücken vertreten. Und das Glück
der Tüchtigen hält weiter an: Wajeed aus Detroit,
der sonst Slum Village mit Musik versorgt, hat fünfmal
zugeschlagen, und bei dem Track von Kaos aus Philadelphia
kann man Tracey Moore von den Jazziefatnastees auf dem
Chorus hören.
Vier
Beats bringen sie aus Berlin mit, zwei von DJ Desue
- auf dessen D-US-Kollabo-Album „Art of War“
Afrob mit Nature und Samy mit Buckshot rockt, zwei Dinger
von DJ Rocky aus Berlin. Und noch mal zwei von Baby
Dooks aus Kroatien. Insgesamt sind es achtzehn Tracks,
zwei davon veredelt mit der Stimme von Brooke Russell.
Dazu zwei Rap-Features von alten Weggefährten,
Dean von den Spezializtz und D-Flame.
Inhaltlich geht es um ASD, Afrob & Samy Deluxe,
mit ernsten und komischen Geschichten aus dem Leben,
gesammelten Weisheiten und einer Menge guten Gründen
zu feiern. Am besten die Gesichter merken.
Ab 24. Februar kann wer will schon mal einen Sneak
Preview wagen, dann erscheint die erste Single, produziert
von Ivan aus Lausanne. Die Fertigstellung des Albums
hat insgesamt ein gutes halbes Jahr gedauert, und am
31. März 2003stand die Platte im Regal. Wer hätte
das gedacht? |