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Kürzlich
hatte es der Elektrolurch doch tatsächlich geschafft,
auf eine Party zu gehen, auf deren Flyer nichts von einem
Bierhersteller-gesponsortem 80er-Revival stand. Dufte Sache,
aber zu früh gefreut. Zur besten Stunde wummerte, schier
unaufhaltsam, die wundervolle Bass-Synthie-Hookline von Gary
Numan's "Are Friends Electric?" durch das dopenebelige
Gewölbe.
Durch
die Gesichter der anwesenden über 20jährigen huschte
das selige Lächeln des Wiedererkennens und die Tanzfläche
wurde voller. Dann, als der Gesang einsetzte, kam die dicke
Überraschung: "I don't want no scrub..." tönten
die Stimmen der R'n'B-Schönheiten TLC aus den Lautsprechern
als gehörte dieser Gesang schon immer zur eingehenden
Numan-Hookline. Musikhistorisch betrachtet, zwei Welten, die
einfach nicht zueinander gehören. Doch der Gesang passt
einfach so perfekt...
Ungefähr so läuft bei jedem Partygänger das
erste Zusammentreffen mit Bastard-Pop ab... wenn's denn gut
gemacht ist.
Bastard-Pop (auch "Mash-Up-Pop" genannt) ist vergleichbar
mit THC-haltigem Rauchzeugs: Offiziell verboten und kaum existent,
doch wer es will, bekommt es an jeder verdammten Ecke. Bastard-Pop
wird, ganz nach Dancehall-Manier auf Whitelabel-Singles verschämt
unterm Ladentisch verschwörerischer Plattendealer gehandelt
als handele es sich hierbei um etwas noch viel verboteneres
als ordinäre Bootlegs oder gutes Dope (wobei letzteres
nicht bei Plattendealern zu haben ist, sondern bei Plattendealern
;-) ).
Und
genau das macht diesen unheimlich besonderen Reiz aus. Die
Singles werden meist nur in Auflagen von 500, höchstens
1000 Stück gepresst und sind mittlerweile gefragter als
geschnitten Brot. Seit dem letzten Jahr kommt man ,besonders
in England, um das Zeug kaum noch herum - Es läuft in
einschlägigen Radiostationen rauf und runter und wird
im Internet als MP3 zum fröhlichen Runterholen angeboten:
Die musikalischen Heimwerker, die diese Tracks zusammenschrauben,
erreichten schon so etwas wie Star-Ruhm.
Klar, sie möchten (müssen) anonym bleiben, und
deshalb hören sie auf Namen wie Cassetteboy, Richard
X, Freelance Hellraiser oder Girls on Top. Denn keiner von
ihnen hat sich je um offizielle Verwertungsrechte der Majors
gekümmert. Werbung und dergleichen haben die Bastler
auch nicht nötig. Ist ein Track erstmal im Club gelaufen,
ist die Single am nächsten Tag eh nicht mehr zu haben...
zumindest nicht als Single. Dafür kann man seinen tanzwütigen
Hintern darauf verwetten, dass der Track irgendwo im Netz
zu finden ist.
Diese
Arbeitstechnik der "New Generation of Bootleggers"
wird jedoch schon lange praktiziert. So findet sich in den
Archiven des Elektrolurch eine Single aus den ganz frühen
90ern von einem Projekt Namens Culturecide, auf der Bruce
Springsteen's "Dancing in the Dark", angereichert
mit neuem Gesang und mehr als schrägen Gitarren zu hören
war.
Auch die Herren Bill Drummond und Jim Cauty, mittlerweile
wohlbekannte Medienterrroristen namens KLF übernahmen
auf ihrer Platte "1987 (What the fuck is going on?)"
Teile aus Abba's "Dancing Queen" und verwursteten
das Ganze mit "All you need is love" von den Beatles.
Die "Copyright Protection Society" ordnete ein sofortiges
Verbot an. Laut Legende sollen sämtliche 500 Exemplare
von den Schöpfern höchstselbst in einem schwedischen
Kornfeld verbrannt worden sein... Würde auch keinen wundern!
Heute
sieht das alles etwas anders aus. Wegen der verschwindend
geringen Stückzahlen werden hochbezahlte Medien-Anwälte
erst garnicht mehr von den Golfplätzen geholt. Ganz im
Gegenteil: Die reizende Kylie Minogue trug im Februar, während
der Brit-Awards, als Galahit ihr "Can't get you out of
my head" zum Playback von New Order's "Blue Monday"
vor.
Das
hat auch seine Folgen: Richard X, ehemals Säulenheiliger
der Szene, hat seinen Majorvertrag bereits in der Tasche und
produzierte eine Single der Sugababes mit genehmigtem Gary-Numan-Sample.
Kurtis Rush hingegen, kündigte auf einer einschlägigen
Website an: "Was als Spaß angefangen hat, ist schon
fast zu einer Industrie geworden und zu einem Marketinginstrument.
Mit
so etwas will ich nichts zu tun haben!" und stellte sein
diebisches Treiben ein. Im richtigen Augenblick, übrigens!
Die belgischen (?????) Soundbastler von Soulwax treiben den
Ausverkauf voran und bringen demnächst eine ganz legale
B-Pop-LP mit dem Namen "Too many DJ's" heraus.
Freundlicherweise sind alle Tracks in vortrefflicher Qualität
bereits seit Wochen im Web zu haben.
Und irgendwie hat er Recht, der Herr Rush. In Ermangelung
an Gesängen ohne Musik, also A-Capella-Versionen, wird
es auf Dauer doch recht öde, wenn man zum x-ten Male
Missy Elliot mit fremden Beats hört, oder zum Loop von
Britney's "Ooops... I did it again" ein aufgebrachter
Eminem plärrt "You place me here, next to Britney
Spears?" Zwar gibt es auch Boots, wo Chuck D. aufklärt
"The Rythm is the Rebel" während Dexy's Midnight-Runners
"Come on Eileen" dazu fideln... Doch taugt soetwas
höchstens zum Gäste-Erschrecken um anschliessend
im privaten, musikalischen Kuriositäten-Kabinett zu verstauben.
Soulwax - 2many DJ's Special
hier....
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