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Gleich
vorweg - für alle die es noch nicht verstanden haben:
Wer bei dem Major-Debüt von Boy Sets Fire „Tomorrow
Come Today“ sofort den Sell-Out-Teufel an die Wand malt,
soll sich einmal fragen, was ihm oder ihr lieber ist: Dass
sich in den Charts und im Radio nur „Deutschland sucht
den Superstar“ und Konsorten befinden oder auch kredibile
Bands, die durch ihre Unterschrift beim Major nicht zwangsläufig
ihre Glaubwürdigkeit verlieren.
Trotz Major hat sich für Boy Sets Fire nicht viel an
der Arbeitsweise geändert, sie besitzen immer noch die
volle Kontrolle über Musik, Texte und die Botschaft,
die sie vermitteln wollen.
Das
Artwork der CD stammt in alter Do-It-Yourself-Manier auch
von der Band selbst, genauer gesagt vom Basser Rob. Gerade
dieses Selbstbestimmungsrecht ist für eine Band wie Boy
Sets Fire essentiell. In ihren Texten protestieren sie gegen
Missstände in der Gesellschaft, Unterdrückung von
Minderheiten und natürlich gegen Krieg.
Untermalt wird ihre Attitüde von der passenden Hardcore-Aggression
in die sie mit einem besonderen Händchen für Songwriting
noch Stile wie Punk, Metal und Rock einfließen lassen.
Der Unterschied zum umjubelten Vorgänger „After
The Eulogy“ liegt darin, dass es keine Trennung mehr
zwischen harten und melidiösen Songs gibt, sondern eher
eine Kombination aus beiden entstanden ist.Fazit: Mit „Tomorrow
Come Today“ werden sich Boy Sets Fire wieder feiern
lassen dürfen.
Für ein Online-Interview stand
uns der Basser Rob Avery zur Verfügung:
1)
Ihr seid jetzt auf dem Label Wind Up Records, was zum Major
Sony gehört. Hat sich für die Band in Bezug auf
die Produktion oder für die Planung der Tour dadurch
viel geändert?
In Bezug auf unsere Musik hat sich kaum was geändert.
Wir machen immer noch die gleiche Musik und haben immer noch
hundertprozentig die Kontrolle über unser Texte und die
Message, haben darüber hinaus aber die Mittel die einem
bei einer Plattenfirma dieser Größe zu Verfügung
stehen. Zum einen hatten wir die Möglichkeit drei Monate
im Studio zu sein und das Album exakt so aufzunehemen, wie
wir es wollten. Außerdem hatten konnten wir mit einem
fantastischen Produzenten (Dave Fortman) zusammen arbeiten.
Wir waren zu Beginn etwas skeptisch, aber schließlich
war es für uns alle ein großartige Erfahrung.
Und was das Touren anbelangt, kann ich sagen, dass wir noch
immer mit den Bands spielen, mit denen wir wollen, wir spielen
immer noch Hardcore- und Punk-Shows. Aber wir haben das Angebot
bekommen diesen Sommer die größeren Festivals zu
spielen, was uns einem Menge Spaß machen und neue Erfahrungen
bringen wird.
2) Inwieweit unterscheidet sich das Album
von den voherigen Veröffentlichungen?
Ich denke es ist etwas prägnanter. Auf den Vorgängern
hatten wir die melodischen Songs und die harten Songs. Nun
haben wir beides kombiniert, indem wir den harten Songs melodischere
Gesangslinien oder Gitarrenharmonien verpasst haben. Das markieret
so eine neue Entwicklung oder einen neuen Schritt in unserer
Musik. Wie auch schon eingangs erwähnt, hatten wir bei
der Produktion neue Möglichkeiten und haben so einen
besseren Sound erreicht, als auf den Vorgängern.
3) Ihr seid eine politische Band. Euer
Statement zur Irak Krise?
Ich denke die Bush Regierung will die Bevölkerung der
USA von inneren Problemen, wie Wirtschaft, Arbeitslosigkeit,
Umwelt etc. ablenken. Wir leben in beängstigen Zeiten.
Bush will die Probleme einfach unter den Teppich kehren und
die Aufmerksamkeit auf den Mittleren Osten und den Irak lenken.
In meine Augen will er außerdem die Ölreserven
in diesem Teil der Welt kontrollieren. Ich bin mir sicher,
dass ein Krieg die ganze Region destabilisieren und noch mehr
Terrorismus erzeugen wird. Die USA werden für immer mehr
Menschen die große Imperialmacht sein, die tut was sie
will.
Ich finde es auch komisch, dass Bush behauptet hat, man
werde diesen Mann (Osama Bin Laden) kriegen und nicht aufgeben,
bis man ihn habe. Und jetzt wird er kaum noch erwähnt.
Das macht kein Sinn!
4) Wie ist der Bandname entstanden?
Der Name kommt ursprünglich von einem Gedichtband das
in einem Buch von Charles Bukowski beworben wurde. Das Buch
hieß "The Boy Who Sets Fire" - wir haben das
einfach etwas verkürzt. Das war's.
5) Wie würdest Du Emo definieren?
Hältst du solche Etikettierungen von Musik für sinnvoll?
Emo bringe ich in Verbindung mit Bands wie "Rites Of
Spring" oder "Embrace" - nicht mit Bands, die
dieses Etikett heute erhalten. Normalerweise interessieren
Etiketten mich nicht - Du kannst mich nennen wie Du willst,
es ist mir egal. Wenn allerdings eine Plattenfirma "Emo"
als Vermarktungs-Werkzeug benutzt, um möglichst viele
Platten zu verkaufen, geht mir das schon auf die Nerven.
6) Was bedeutet Hardcore für Dich?
Hardcore bringt viele verschieden Rassen, Religionen, Gedanken
und Ideologien durch die Musik zusammen. Ich habe viel von
meine Leuten aus der Punk/Hardcore-Szene gelernt und bin ihnen
dafür sehr dankbar.
7) Wenn Du nicht in der Band wärst,
was würdest Du dann tun?
Kunst, Grafik-Design, Web-Zeug. Ich bin ein Nerd.
8) Mit welcher Musik bist Du aufgewachsen?
the Cure, the Smiths, the Clash, U2, Struggle, Unbroken,
Stereolab, My Bloody Valentine, Billy Bragg, Sick Of It All,
9) Und was hörst Du zur Zeit?
Ich höre ALLES. Ich mag soviel verschieden Sorten von
Musik. Zur Zeit sind meine Favoriten Hope Conspiracy, Death
By Stereo, Björk, the Bronx, Jonny Cash. Die neue Beck
ist fantastisch.
10) Wenn du auf Tour bist, feierst du dann
gerne oder sieht man dich eher mit einem Buch in der Hand.
Fühlst du dich manchmal einsam, wenn du so weit von zu
Hause weg bist?
Ich mag beides! Ich trink schon mal gerne Bier oder Wein.
An anderen Abenden verzieh ich mich, höre Walkman und
lese ein Buch. Das Harte am Touren ist, dass man soweit von
zuhause weg ist. Soweit von meiner Frau und meiner Familie
entfernt zu sein, ist manchmal wirklich schwer.
11) Welche Bands aus Deutschland kenn ihr?
Ich liebe die Beatsteaks, und Josh mag But Alive wirklich
gern.
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