| Can –
Monster Movie – Soundtracks – Tago Mago
– Ege Bamyasi
Es
ist soweit, alle 14 Alben einer der größten
deutschen Bands überhaupt, werden wiederveröffentlicht.
Das Besondere: sie kommen alle als so genannte SACD
2.0 Hybride auf den Markt, das bedeutet die CDs sind
sowohl auf handelsüblichen CD-Playern abspielbar
als auch auf SACD kompatiblen DVD-Playern.
Und das Besondere, alle Alben sind digital remastered,
was sich im Fall der jetzt erscheinenden vier ersten
Alben „Monster Movie“, „Soundtracks“,
„Tago Mago“ und „Ege Bamyasi“
mehr als positiv auswirkt, sind selbst die Originale
schon damals in einer eher mittelmäßigen
bis schlechten Tonqualität erschienen.
Doch von Anfang an: CAN wurde 1968 in Köln von
den Musikern Irmin Schmidt (Tasten), Holger Czukay (Bass),
David Johnson (Flöte), Jaki Liebezeit (Schlagzeug)
und Gitarrist Michael Karoli gegründet.
Ziel
der neuen Band war es traditionelle Songstrukturen nach
dem Schema Strophe - Refrain - Strophe über den
Haufen zu werfen und nach alternativen Ausdrucksformen
in der Musik zu suchen. Erste Aufmerksamkeit erregte
man bei einem Auftritt auf Schloss Nörvenich (damals
noch nicht unter dem Namen CAN). Bei CAN Fans ist dieser
Live-Gig legendär, Mitschnitte kursieren noch heute.
Die Musik war mehr Krach und Soundcollage als Musik
im bis dahin herkömmlichen Sinne.
Richtig
von CAN sprechen konnte man erst, als der schwarze Sänger
Malcolm Mooney im Herbst 1968 zur Band stieß (der
zusammen mit Jaki Liebezeit auch den Namen THE CAN kreierte).
Mit ihm wagten sich CAN an die ersten Aufnahmen bzw.
ersten Sessions (die später unter dem Titel „Can
Delay 1968“ veröffentlicht wurden). Doch
bevor es zu richtigen Platten-Aufnahmen kam, stieg David
Johnson aus. Ohne ihn entstand „Monster Movie“.
„Monster Movie“ (Spoon / WSM) © 1969
Schon hier zeigt sich das Grundkonzept aller folgenden
CAN Platten, das heißt alles direkt und live im
Studio eingespielt, Songs werden nicht komponiert, sondern
entstehen spontan und beziehen sich allenfalls auf früher
entstandene und auf Tonband mitgeschnittene Ideen. Wichtig
bei den Aufnahmen war die absolute Freiheit der einzelnen
Musiker innerhalb des vorgegebenen Gruppenrahmens, das
bedeutete weitestgehend freie Improvisationen und Spontanität
aller Bandmitglieder. Highlight dieser Vorgehensweise
das über zwanzig Minuten lange „Yoo doo right“,
noch heute einer der größten Klassiker der
Band. Ebenfalls hervorstechend nach über 25 Jahren:
Malcolm Mooneys kehliger atonaler Gesang.
Mooney aber war psychisch labil und nach einem Zusammenbruch
trennte sich die Gruppe im Dezember 1969 von ihm. Nachdem
man mehrere Sänger ausprobiert hatte ("ihr
Fehler war, dass sie richtig singen konnten" –
Irmin Schmidt), fand man mit dem Japaner Kenji "Damo"
Suzuki im Mai 1970 den richtigen Nachfolger für
Mooney. Damo Suzuki war ein Straßensänger
und zeichnete sich dadurch aus, dass er "weniger
singt als Worte ins Mikrophon atmet" (Melody Maker).
„Soundtracks“
(Spoon / WSM) © 1970
Bereits mit der Veröffentlichung von „Monster
Movie“ entdeckte man die Musik von CAN als Hintergrund
für Filme. So verwunderte es nicht, dass das zweite
Album der Band eine Zusammenfassung verschiedener Soundtrack-Titel
war. Insgesamt sieben Songs aus Filmen wie "Deadlock"
(Roland Klick), "Cream" (Leonidas Capitanos),
"Mädchen mit Gewalt" (Roger Fritz), "Deep
End" (Jercy Skolimovsky) und "Bottom"
(Thomas Schamoni) umfasste „Soundtracks“,
zwei („Soul Desert“ und „She brings
he Rain“) noch mit Malcolm Mooney als Sänger,
der Rest bereits mit Damo Suzuki. „Soundtracks“
zeigte, dass CAN alles beherrschten, von den durch Improvisation
geprägten Sounds bis hin zu Jazz beeinflussten
Tracks.
„Tago
Mago“ (Spoon / WSM) © 1971
Der Titel des zweiten offiziellen Albums von CAN bezog
sich auf einen gleichnamigen Berg. Auf „Tago Mago“
konnte Damo Suzuki zum ersten Mal wirklich zeigen, welche
Qualitäten ihn als Sänger auszeichneten. „Tago
Mago“, vor allem in England enthusiastisch gefeiert,
fand auch in Deutschland bei den Kritikern regen Zuspruch:
"eine eigenwillige Harmonie- und Melodiefolgen
und elektronischen Effekten" (Stern) "lässt
sich körperlich mitempfinden, animiert zum Tanzen
und eignet sich gleichzeitig zum intensiven Anhören
in den verschiedensten Bewusstseinslagen" (Sounds).
Will heißen, Drogen verstärkten die Wirkung
noch beim Hören und beim Hörer.
Ebenfalls 1971 gelang CAN der "Volltreffer ihres
Lebens" (Bravo). Wieder war es eine Film-Musik,
diesmal die Titelmelodie "Spoon" zum Durbridge-Krimi
"Das Messer", der im Dezember 1971 über
die Bildschirme flimmerte. "Spoon" schaffte
es bis auf Platz 8 der deutschen Charts und wurde über
300.000 mal verkauft. Zudem schrieben die vier die Melodien
zu den Fernseh-Filmen "Das Millionenspiel",
"Ein großer graublauer Vogel", "Tote
Taube", "Alice in den Städten",
und "Die letzten Tage von Gomorrha".
„Ege Bamyasi“ (Spoon
/ WSM) © 1972
„Spoon“
fand sich auch auf dem nächsten Album von CAN wieder.
"Ege Bamysai" war benannt nach einer Dose
mit türkischem Gemüse (Okraschoten aus der
Ägäis). Wieder brach die Band mit allen Songstrukturen,
wieder klang alles sehr hypnotisch und mit „Vitamin
C“ enthielt das Album wohl einen der besten Songs,
die CAN jemals geschrieben haben.
Die Band hatte es geschafft, Top-Ten Hit, in allen
Polls unter den ersten 10: Beste Pop-Gruppe auf Platten
(Musikexpress), Gruppe des Jahres (Sounds), Beste Pop-Gruppe
(Pop Foto), Platz 3 Gruppen Inland (Musikmarkt), Platz
4 beliebteste deutsche Gruppe (Schallplatte), und trotzdem
stand der Band noch einiges bevor, doch davon erzählen
dann die nächsten Wiederveröffentlichungen.
Kritik
zur CAN DVD
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