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MENSCHENBLUT (div. Autoren) Schwarzer Turm, s/w, 6.80 DM

Das nenn' ich mal ein... äh... Comic-Fanzine? Nö! Comic-Magazin? Passt auch irgendwie nicht...

Angesichts des durchweg bösen Vorwortes von einem gewissen Blutkind, sollte ich mich auf Horror-Heftchen (im besten Sinne des Wortes) einigen. Genau.

Und zwar ein wirklich duftes Horror-Heftchen! Hier tobt sich der deutsche Comicundergruond aus. Und der ist durchaus beachtenswert. Zu Beispiel traf ich auf einen Comic des alten Comic-Kumpanen "Petra Pawn". der eigentlich auf den Namen Andreas hört und bereits seit Jahren ein totaler Comic-Freak ist und den Indie-Verlag Fake-Press betreibt.. Vor einiger Zeit brachte er auch, gemeinsam mit Martin "Wie, kein Kaffee mehr da?" Jablonka das grossartige Fanzine "Schattenseiten" heraus in dem auch ich meinen Sermonzum Thema Heftchen hinterlassen durfte. Hier trifft man auch auf Toni Greis, der zur Zeit mit seiner strangen Porno-Serie "Alraune", sogar in den USA für Aufsehen sorgt.

Toll ist auch der Umgang des Doktor Max Dipperz, welcher die lästigen Leserbriefe auf seinem Seziertisch zerstückelt.

Der Comic ist, wie es sich gehört, auf billigem Papier gedruckt und in dezentem schwarzweiss gehalten. Der enthaltene Horror ist auch nicht mit plakativer Scheisse wie dem elenden Filmchen "Ich weiss immer noch nicht, was ich letzten Sommer getan hab" oder wie auch immer der heissen mag, zu vergleichen.
Der hier präsentierte Horror ist meistens wesentlich subtiler und befremdlicher. Bei dem Preis von 6.80 DM lohnt es sich auf jeden Fall die eine oder andere Ausgabe zu erwerben. Menschenblut ist immer für Überraschungen gut!

Louie

JOHN CONSTANTINE - HELLBLAZER: ROYAL BLOOD
(Garth Ennis, William Simpson) Schreiber & Leser • 4farbig (29,25 DM)

Na endlich! Der siebte Hellblazer ist da, hurra! Endlich wieder duftes Horrorzeugs!

Unser Held John Consantine (geboren in "Die Bücher der Magie") watet in dieser Folge, wie schon der Titel impliziert, in königlichem Blut und gaaanz anderen Untiefen menschlich/dämonischen Daseins. Seit der freundliche Ire Garth Ennis diese Serie übernommen hat, wurde sie noch besser als sie eh schon war. Wer hätte das geglaubt? "Die Bücher der Magie" fand ich persönlich ja ziemlich ermüdend bis öde... Doch seit der leicht grossmäulige Kettenraucher und Fast-Alkoholiker im Knittertrenchcoat auf Solopfaden wandelt, ist Hölle angesagt!

In "Royal Blood" trifft Constantine auf unglaublich perverse Politiker, Stars, Royals und den Dämonen, welcher bereits Jack the Ripper bei seinem Tun beseelte (oder sollte ich lieber "entseelte sagen?). Royal Blood ist mal wieder eine superspannende, bluttriefende Hellblazer-Story. Kann ich nur wärmstens empfehlen! Die nächste Geschichte " Hard Time" ist bereits in Vorbereitung.

louie

DYLAN DOG (Sclavi, Brindisi, Stano, Schulz) • Carlsen • TB • s/w (6.-DM)

Das nenn' ich mal mutig, Firma Carlsen! Ein echter Scheisshaus-Comic im besten Sinne! Schlappe 6 Mark günstig, schwarzweiss, billiges Papier - kultiger Trash aus dem Hause Bonelli-Comics!

Wie bereits erwähnt, hat diese Comic-Serie alles was zu einem kultigen Trash-Comic gehört. Zu den oben genannten Faktoren kommt noch die Tatsache hinzu, dass es sogar eine Horror-Post-Ecke gibt's!

Die Storys sind durchweg unterhaltsame Grusel- bis Horrorgeschichten um den Londoner Privatdetektiven Dylan Dog. Er fährt einen VW-Käfer mit dem bezeichnenden Kennzeichen 666 und hat einen Vater dessen Wesen sich in helle und eine dunkle Seite namens Xabaras teilt.

Dylan Dog ist schon eine zwielichtige Gestalt: Als ehemaliger Säufer absolvierte er einen Lehrgang bei Scotland Yard und beschäftigt sich seitdem mit brutal-mysteriösen Fällen. Begleitet wird er von seinem Freund und Assistenten Groucho. Kluge Lurche ahnen bereits, dass es sich hierbei wohl um den legendären Groucho Marx handelt. Dieser hat ständig grottendämliche bis intelligente Gags auf Lager, welche er unermüdlich reisst.

Überhaupt werden permanent die großen, italienischen Trash-Filme und Ähnliches zitiert.

Der Elektrolurch empfiehlt Dylan Dog als leicht und amüsant zu goutierende Untehaltung! Und dieser unverschämt günstige Preis....

Louie

GOLDEN CITY - 1. Strandpiraten (Pecqueur, Malfin, Schelle, Rosa) • Speed • HC • 4farbig (24,80 DM)

Wir schreiben das Jahr 2090. Das Festland der Erde ist übervölkert mit kriminellen und asozialen Elementen jeglicher Couleur. Mitten im Meer allerdings, schwimmt der Garant für Sicherheit, Luxus und Geld: Golden City. Geschützt wird das schwimmende Eiland für Reiche und Schöne von einer rabiaten Polizeitruppe. Ein goldener Käfig! Doch als die Frau des mächtigsten und reichsten Mannes, Harrison Banks, entführt wird, begibt dieser sich inkognito auf das wilde Festland. Ohne sein Geld, seine Bodyguards und Ahnung macht er sich auf die Suche in einer feindseligen Umgebung. Einzig eine Handvoll jugendlicher Strandpiraten könnte ihm behilflich sein... Aber wer ist der Blonde mit der Sonnenbrille? Wer seine geheimnisvolle Auftraggeberin?

Im ersten Band des Dreiteilers gibt's eigentlich alles was einen anständigen Trash-Comic ausmacht: zwei völlig verschiedene Welten, eine hübsche Nonne, ein Händchen voll Sex, Geballere und zwielichtige Gestalten! Eine Geschichte, die ein klein Wenig an "Die Klapperschlange" erinnert. Auf jeden Fall unterhaltsam! Doch irgendwie finde ich, dass dem Artwork der Soul fehlt. Alles sieht sehr clean und konstruiert aus.... Das jedoch ist reine Geschmackssache. Reinkucken lohnt sich auf jeden Fall.

Louie

JACK THE RIPPER - Band 1 • Alan Moore/Eddie Campbell • Speed • s/w
(32.-DM)

Jack the Ripper. Gibt es einen faszinierenderen Verbrecher? "Hannibal Lecter!" hör' ich das Pack aus der letzten Reihe rufen. "Klappe!" ruf' ich da zurück "wer hat denn bitte eher gelebt, besteht nicht mindestens zur Hälfte aus Fiktion und beschäftigt seit über hundert Jahren die Gemüter?" Zum Anderen sind die Verbrechen des Lecter aufgeklärt, was man vom Londoner Hurenmörder nicht gerade behaupten kann. Alan Moore hat sich offensichtlich ausgiebig mit dem Thema befasst. Nie sah ich einen so gut recherchierten Comic. Zu jedem Kapitel gibt es ausführlichste Erklärungen und Quellenangaben deren Studium ich wärmstens empfehle. Der Mann muss sein halbes Leben damit zugebracht haben dem Schlitzer nachzuspüren. Sogar seinen Kollegen Neil Gaiman hat er in's "British Library" gescheucht um Originaltexte zu kopieren. Jeder der damals (vermutlich) Beteiligten kommt vor: Queen Victoria, Bastardkinder der Royal Family, der Elefantenmensch, freimaurerische Geheimgesellschaften, Parapsychologen und Künstler. "From Hell" hebt sich angenehm und meterhoch von den meistens Comics ab. Es ist nicht, wie viele andere Comics, innerhalb einer halben Stunde verschlungen (was ja auch nicht schlecht ist). From Hell nimmt man zur Hand wie ein gutes Buch: Rotwein öffnen, Zigaretten in ausreichender Menge bereitlegen und im Lieblingslesemöbel Platz und jede Menge Zeit nehmen. Das Wörtchen Saga steht zu Recht auf dem Cover. Dieser Comic ist umfangreich und durchaus seinen Preis wert. Auf drei Bände, zu je ca. 160 Seiten angelegt, ist ausdauerndes Lesevergnügen garantiert. Schön ist auch, dass der Zeichner Eddie Campbell, völlig auf Farben und offensichtliche Grafiksoftwarespielereien verzichtet, und sich auf Feder und Tusche beschränkt. Dadurch haben die einzelnen Panels wirklich Ausdruck bekommen und vermitteln Atmosphäre. Ab und zu ein Tuscheaquarell oder ein (handgemachter) Schraffur-Effekt runden das Artwork ab. Interessant ist auch die Tatsache, dass er mindestens ebenso aufwendig recherchierte wie Alan Moore -um die ermordeten Prostituierten darzustellen bediente er sich unter anderem alter Obduktionsfotos- weshalb dieser ihn im Anhang nicht nur als Zeichner sondern verdientermassen auch als Co-Autor erwähnt.

Louie

FLINCH • div. Autoren • Vertigo/Speed • 4farbig (9.95DM)

Flinch 2 ist da! Horror fand ich ja schon immer klasse! Ob es die leider in Vergessenheit geratene Fernsehreihe "Monstren Mumien Mutationen" war -was ja nicht wirklich Horror war, aber mir, als jungem Lurchen, die eine oder andere schlaflose Nacht bereitete- oder "Stephen King's Creepshow". Am coolsten waren eben diese Bundles in welchen einem drei bis vier verschiedenene Gerichte in kleinen Portionen geboten wurden. Diese nette Format-Tradition greift auch "Flinch" auf.

Namhafte Autoren und Zeichner präsentieren hier gleich sechs Horror-Happen. Wobei hier nicht gleich munter drauf los gesplattert wird wie Lucio Fulci es begann und Peter Jackson es vollendete. Nein in "Flinch" geht es meistens um den "tiefen" Horror welcher sich von Alpträumen und Ängsten zu ernähren pflegt. Folgende Paarungen treten hier an um einem den Schlaf zu rauben: Garth Ennis (Preacher, Hellblazer) • und Kieron Dwyer • Scott Cunningham & Marcelo Frusin (Hellblazer) • John Rozum und Kelley Jones (Batman) • Kent Williams (Wolverine, Havok) Bruce Jones und Paul Gulacy (Star Wars, Batman) und zu guter Letzt Ty Templeton. Letztgenannter hat den wahren Horror entdeckt: Er lässt seine dämonischen Heerscharen in "Fairer Handel" als aufdringliche Vertreterbrut daherkommen. Wobei der verehrte und trinkfeste Ire Garth Ennis seinen persönlichen Horror in Celine Dion gefunden zu haben glaubt, und mit "Satanic" die Warheit über den Untergang der Titanic aufdeckt.

Und wer mir verraten kann, welcher Regisseur diese unsäglich kitschige Titanic-Verfilmung ausgeheckt hat, kann diesen feinen Horror-Comic gewinnen. Schreibt einfach an diese Adresse.

Die Verlosung ist mittlerweile gelaufen. Gewinner ist ein gewisser Stefan P. aus Bielefeld. Glückwunsch!

Louie

AMERICA'S BEST COMICS • div.Autoren • Speed • 4farbig (24.80 DM)

Alan Moore, dieser unglaublich haarige Mensch, welcher mit "Swamp Thing" den Grundstein für das Vertigo-Label legte, mit "Watchmen" das etwas lächerlich gewordene Superheldentum umkrempelte und mit "From Hell" eine ungewöhnlich neue Form der Graphic Novel erschuf, zeigt hier, warum ihn seine Verleger gerne mal als besten Comic-Autor aller Zeiten bezeichnen. Er hat sich sein eigenes Universum gebastelt, was unter seiner unglaublichen Haarmatte ein äusserst phantasievolles Gehirn, gefüllt mit coolem Humor vermuten lässt. Unter dem nicht gerade zurückhaltenden Titel "America's Best Comics" tummeln sich die vier Serien, die in den USA bereits im letzten oder vorletzten Jahr der Comic Old School die Kinnlade herunter klappen liessen: "Tom Strong", ein Held welcher so unverschämt klassisch daherkommt dass man Johnny Weissmüller reanimieren möchte, sollte dieser Comic verfilmt werden.

"Top Ten", die duchgeknallte Polizeitruppe in einer noch viel durchgeknallteren Stadt (hier sei kurz Bob "Blindshot" Booker, der blinde, ganzheitliche Zen-Taxi Fahrer erwähnt, der einen nie dahin bringt wo man hin will, sondern da hin, wo man sein sollte...). "Promethea", Tochter eines altägyptischen Gelehrten der Hermetik, die eine lebendige Geschichte ist, welche sich in den Phantasien Sterblicher manifestiert. und "Tomorrow Stories", in denen ein kleiner Bauernlümmel namens Johnathan Beaugarde Quick, mal eben ein Mini-Sonnensystem erschafft um einer somnambulen Kuh die drohende Erschiessung zu ersparen. Ich muss es einfach verraten: Am Ende bricht die Sonne zusammen, verschlingt ihre Trabanten in dem entstandenen schwarzen Loch, welches hinterher die Kuh mit ihrem Arsch verstopft...

Die Geschichten dieser vier Serien sind durchweg witzig und spannend • es gibt reichlich skurille Action und putzige Charaktere, die man sonst leider nur selten zu sehen bekommt. Der Titel ist vermutlich doch nicht so hoch gegriffen wie ich eingangs behauptete... "America's Best Comics" gibt's alle zwei Monate beim Comic Dealer deines Vertrauens.

Louie

AKIRA, Katsuhiro Otomo, Carlsen-Comics, s/w (29,90)

Was, du kennst Akira nicht? Dann wird's aber mal Zeit! Seit dem Sommer gibt's den "Manga unter den Mangas" als Original-Edition, d.h. als knapp 300 Seiten starken Wälzer in dezentem schwarzweiss. Wer es also versäumt hat die zwanzig kolorierten Bände zu kaufen oder wem diese einfach zu teuer waren, der sollte schleunigst zum Comic-Dealer seines Vertrauens rennen und die ersten drei Bände kaufen. Im japanischen Original gibt's Akira schliesslich auch nur in schwarzweiss.

Dadurch verliert der Comic keineswegs, im Gegenteil, in schwarzweiss kommt die typische, dynamische Manga-Ästhetik wesentlich besser zur Geltung - ich geb's ja zu: die Farbhefte waren mir einfach zu teuer (zwanzig Bände knapp 600.- DM!). Aber natürlich lege ich auch Wert auf Authentizität, und nenne mich stolzer Besitzer eines japanischen Originalheftes, ich find' die dicken Dinger einfach cooler.

Falls jetzt jemand sagt "Dragon Ball" hat sich in Japan aber viel besser verkauft" dann sage ich "Recht hast du, Marmeladenfinger! Wenn du also Lust verspürst dir bändeweise debile Schlägereien anzutun, kannst du die komplette Ausgabe günstig von mir erwerben, klick nur auf meinen Namen und schick' mir eine eMail mit deinem Angebot!" Die Story von Akira ist und bleibt einfach unschlagbar, zumindest unter den Mangas!!!

Louie

BATMAN - Krieg dem Verbrechen • Paul Dini & Alex Ross, Carlsen-Comics, 4farbig (24,90)

Alex Ross! Muss ich dazu noch was sagen? Na gut! Alex Ross ist einer der wenigen wirklchen Ausnahmekünstler unter den Comiczeichnern! Seht euch nur das Panel an! Ich, der ich immer sage "Lasst die Künstler mit ihren Griffeln bloss nicht meine geliebten Schundheftchen malen!" find' das Artwork des Alex Ross einfach grossartig! Selten sah ich derart sensibel gemalte und doch gewaltige Bilder! Batman fand ich auch schon seit frühester Kindheit super, ich hab' mir die Hefte frühmorgens immer vor dem Spar-Markt an der Ecke ge... besorgt - sorry Frau Bentrup, jetzt ist es raus!

Da komme ich nicht umhin dieses Werk wärmstens zu empfehlen. Paul Dini übrigens, ist der Produzent der Trickserien Superman und Batman und somit durchaus qualifiziert. Ihr wollt noch was zur Story hören? Mann, ist doch scheissegal! Wir reden hier über Alex Ross! Na gut: Batman trifft einen kleinen Jungen, dessen Eltern wurden ermordet und Batman transponiert dessen Schicksal auf sein eigenes und besinnt sich seiner Roots...

Louie

BLOODY CIRCUS • Jürgen Seebeck • Carlsen-Comics • 4farbig (12.-DM)

Ungewöhnlich! Jürgen Seebeck ist Deutscher und zeichnet Mangas für den japanischen Markt. Bisher als Übersetzer des genialen Akira und des unsäglich langen Dragon Ball hierzulande aufgefallen, erscheint nun seine Reihe Bloody Circus in deutscher Sprache. Da aber auch dieses Werk für den japanischen Markt gedacht ist muss man mal wieder von Hinten nach Vorne, von Rechts nach Links lesen was die meisten schon von diversen anderen Mangas gewöhnt sind. Interessant ist hier der Versuch europäische und japanische Kulturgeschichte zu verbinden.

So stellt sich ein weiblicher Cyborg-Ahab gegen den roten Wal Moha Dick und Quee Queg vewandelt sich selber in einen Wal... Drei Geschichten enthält der erste Band. Und ob der angenehmen Art des Seebeck zu erzählen, erwarte ich mit Spannung die folgenden Bände. Ich persönlich stehe nicht unbedingt auf Seebeck's Art zu kolorieren und Gesichter zu Zeichnen, aber das ist -und das geb' ich selten zu- völlig subjektiv. Bloody Circus ist und wird mit Sicherheit eine durchaus empfehlenswerte und interessante Reihe zu einem sehr fairen Preis.

Sehr empfehlenswert ist auch die Online Version von Bloody Circus, so sollte ein Online-Comic aussehen. Am Besten ihr urteilt selbst, nämlich hier.

Louie
 
Hier findet ihr den alten Stoff:
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