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„6 Feet Underground“

DE/VISION haben es dem Publikum, den Kritikern, aber auch vor allem sich selbst nie wirklich leicht gemacht. Anfangs wurde die 1988 von den Freunden Stefan, Steffen, Markus und Thomas im Darmstädter Raum gegründete Band noch von dem unvermeidlichen Vergleich mit Depeche Mode verfolgt.

VÖ 28.06.04

DE/VISION MEDIA

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Nichtsdestotrotz erspielte sich das sympathische Trio (Stefan hatte die Band 1991 wie

der verlassen) mit ihren ersten Alben „World Without End“ (1994), „Unversed In Love“ (1995) und „Fairyland?“ (1996) und Hits wie „Try To Forget“, „Your Hands On My Skin“ und „Blue Moon“ eine treue, stetig wachsende Fangemeinde.

Ihr extrem melodischer, von Steffens einfühlsamem Gesang getragener Electro-Pop enterte zwangsläufig auch die Charts und erregte die Aufmerksamkeit von WEA Records, auf dem die nächsten beiden Alben „Monosex“ und „Void“ erschienen.

Statt den erfolgreichen Kurs mit einschmeichelnden Synthi-Pop-Melodien weiterzuverfolgen und auf Nummer sicher zu gehen, starteten DE/VISION ausgerechnet mit ihrem Wechsel vom familiären StrangeWays-Label zum Branchenriesen WEA eine Phase des Experimentierens, die nicht nur bei WEA Verstörung hervorrief, sondern auch die Fangemeinde spaltete.

Den Einsatz von Gitarren und experimentellen Songstrukturen wollten so einige Electro-Puristen nicht mehr nachvollziehen. Im Nachhinein betrachtet sind DE/VISION mit den beiden WEA-Releases aber erwachsen geworden und haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie ihre musikalischen Visionen auch gegen die Vorbehalte von A&R-Managern, Marketing-Strategen und Erwartungshaltungen seitens der Fans durchzusetzen verstehen.

So manch einer musste auf einmal feststellen, dass DE/VISION ganz und gar nicht berechenbar sind, dass die Band offen für jegliche musikalische Veränderung ist. Dass DE/VISION auch anno 2004 noch zeitgemäße, nach wie vor erfrischende Pop-Musik zu kreieren wissen, ist – so lernen einige leider erst heute zu verstehen – genau diesem Umstand zu verdanken, dass die Band konsequent immer ihre eigenen Wege gegangen ist. Was nicht ganz ohne Zäsuren zu bewerkstelligen war…

Markus trennte sich von Steffen und Thomas, die weiterhin ihre eigene Linie verfolgten. Sie wechselten nicht nur von WEA zu Drakkar, wo sie wieder unabhängiger arbeiten konnten, sondern integrierten mit Produzent Georg Kaleve auf „Two“ (2001) den neu entdeckten Gitarren-Sound etwas stimmiger in den DE/VISION-Sound, doch wirkte das Album im Vergleich zu den früheren Werken schon unentschlossener im Ausdruck.

Mit dem letzten Album „Devolution“ (2003) haben Steffen und Thomas aber ihre alte Stärke wieder entdeckt. Nachdem sie bereits mit so unterschiedlichen Produzenten wie Axel Henninger (Camouflage), José Alvarez-Brill (Wolfsheim) und Georg Kaleve zusammenarbeiteten, hatten sie nun mit Josef Bach einen Mann an den Reglern gefunden, der die Band wieder stärker an die elektronische Basis zurückführte, ohne ganz auf den Einsatz von Gitarren zu verzichten.

Diesen Weg setzen DE/VISION nun mit ihrem neuen Album „6 Feet Underground“ erfolgreich fort. Nachdem das Duo bereits auf „Devolution“ souverän verschiedene Einflüsse aus Trance und TripHop stimmig in sein musikalisches Gesamtkonzept zu integrieren verstand, wird auf „6 Feet Underground“ ganz selbstverständlich mit den modernen Ausdrucksformen der elektronischen Musik gespielt.

Der Titeltrack groovt zum Beispiel über sieben verträumte Minuten fast schwerelos dahin, wenn atmosphärisch dichte Soundscapes und vereinzelte Rhythmus-Tupfer und zarte Andeutungen von Streichern Steffens extrem ausdrucksstarken Gesang untermalen. „Aimee“ ist wiederum ein typischer DE/VISION-Song im vertrauten Electro-Pop-Gewand und mit einer fulminanten Ohrwurm-Melodie.

Entstanden ist „6 Feet Underground“ unter Mithilfe nicht nur von Josef Bach, sondern auch von Arne Schumann, der bei „Devolution“ noch für das Mixing verantwortlich zeichnete und nun als zweiter Produzent fungierte.

„Wir wollten einfach wieder ein mehr elektronisches Album schreiben, und so sind wir im Vorfeld auch ran gegangen. Es wurden nur ganz dezent Gitarrenklänge eingesetzt, und bei zwei Songs wurde am Bass gezupft. Wir hatten einfach große Lust dazu.

Ob dies nun das Ende von Schlagzeug und Gitarre für uns bedeutet, mag ich bezweifeln, live haben sie sich auf alle Fälle zu einem festen Bestandteil entwickelt, und im Studio wird es auch irgendwann mal wieder dazu kommen“, skizziert Steffen den Arbeitsprozess zu „6 Feet Underground“.

„Es ist für uns einfach spannend, nicht immer so zu arbeiten wie eventuell es viele von uns erwarten oder meinen zu denken. Nach der `Void´ dachten doch etliche Fans, dass wir nun zu einer Rockband mutieren würden, dies war aber nie unsere Bestrebung, uns ist es einfach wichtig, gewisse Grenzen auszuloten.

So wie auch auf dem neuen Album, wo wir für uns im elektronischen Bereich unsere Grenzen aufzeigen wollen“, meint Steffen, der sich mit dieser Aussage explizit auf die drei Tracks „Right On Time“„Take Me Over“ und „Take Me To Heaven“ bezieht.

Und mit „Klangmonaut“ haben DE/VISION auch wieder mal eines ihrer seltenen, aber hochgeschätzten Instrumental-Tracks produziert, während „I’m Not Dreaming Of You“, „Unputdownable“ und „Beside You“ die klassischen Hit-Qualitäten von DE/VISION repräsentieren.

Schön, dass in so unruhigen Zeiten – gerade auch im Bereich der Musikszene – auf eine Band wie DE/VISION immer Verlass ist. Denn Steffen und Thomas haben sich mit „6 Feet Underground“ wieder einmal selbst übertroffen!

 
>> DE/VISION Homepage
 
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