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Der Junge mit der Gitarre (DJMDG): Im Affekt  
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Nach dem Grand Prix ist vor dem Grand Prix. Gerade ist wieder ein European Song Contest mit einem enttäuschenden achten Platz für Deutschland zu Ende gegangen.

Tobias Schacht aka Der Junge mit der Gitarre (DJMDG) kann darüber ein Lied singen, nein, er hat darüber ein Lied gesungen. „Nie wieder Grand Prix“ heißt es und findet sich auf seinem neuen Album „Im Affekt“.

Was dieser Titel bedeutet, was sich alles im Leben des Tobias Schacht nach seiner Teilnahme am Grand Prix Vorentscheid 2003 geändert hat, dazu stand uns Der Junge mit der Gitarre Rede und Antwort.

Elektrolurch: Du arbeitest jetzt mit einer Band. Ist der Name „Der Junge mit der Gitarre“ jetzt zum Bandnamen geworden?

Tobias Schacht: „Der Junge mit der Gitarre“ ist einfach ein Name, der dazu beiträgt, dass man mich finden kann. Natürlich sind die Songs nach wie vor von mir, und insofern ist das stilprägende Element meine Person. Die anderen spielen ja auch noch in weiteren Bands.

Eine richtige Band wäre es, wenn fünf Leute sich zusammentun und dann gemeinsam etwas entwickeln würden. So ist es bei DJMDG ja nicht gewesen. Aber ich habe schon Bandfeeling. Wenn ich mit Musikern zusammenspiele, dann will ich ein Bandgefühl, so gesehen sind wir eine Band. Aber DJMDG steht aber auch für gewisse Texte und für Humor, Ernsthaftigkeit und viele andere Dinge, die nur ich mir ausgedacht habe.

Elektrolurch: Wie hast du denn deine anderen beiden Mitstreiter gefunden?

Tobias: Stefan (Nietzky, Bass) hat mich ein dreiviertel Jahr belatschert, ich sollte ihn doch unbedingt mal zurückrufen, um mit ihm zu proben. Das war so penetrant, dass ich mir irgendwann gesagt habe, komm da ist was dran, den rufst du mal an. Ich habe ihn dann zum Grand Prix (Vorentscheid) mitgenommen, da musste er Playback spielen, konnte also nichts falsch machen, und ich konnte testen, ob man mit ihm klarkommt. Das hat ausgezeichnet geklappt, mittlerweile sind wir sehr gute Freunde.

Stefan wiederum macht beim „Pop-Kurs“ in Hamburg technische Betreuung. Das ist dieser Kurs, wo Musiker zusammengeführt werden und Bandunterricht bekommen. Daher kennt Stefan sehr viele Musiker und auch eben Marco („Muckel“ Möller, Schlagzeug). Als wir ihn dann zum Proben eingeladen haben, haben ihn gefragt, welchen meiner Songs sollen wir denn spielen und er antwortete: „Das ist egal, ich kann alle“ (lacht). Nach dem Proben war schnell klar, er ist es. Jetzt sind wir eine Band.

Elektrolurch: Das neue Album heißt „Im Affekt“ (Kritik im Soundcheck). Hat das eine besondere Bedeutung?

Tobias: „Im Affekt“ bedeutet auf der einen Seite, dass es das erste Album unter regulären Bedingungen ist. Das allererste Album (in diesem Fall „Dagegen“, Anmerk. der Redaktion) einer Band oder eines Künstlers ist ja immer eine Best-of der ersten Jahre. Für das zweite Album bleibt dann nur noch ein halbes Jahr, es zu schreiben. Anderseits ist es auch „Im Affekt“ nach dem Grand Prix. Einfach dieses Gefühl, entweder du hörst jetzt auf oder du machst jetzt nur noch, was du willst. Ich wollte aber nicht, dass dies das letzte Wort vom DJMDG war, ich wollte noch mal zeigen, dass es auch anders geht und dass ich was daraus gelernt habe.

Elektrolurch: Auf dem Album gibt es das Stück „Nie wieder Grand Prix“, eine Abrechnung mit deiner letztjährigen Teilnahme am Vorentscheid. Was ist denn dort vorgefallen, dass du so hart damit ins Gericht gehst?

Tobias: Das alles ist nicht schlimm und dramatisch. Es ist einfach so, dass ich gemerkt habe, dass ich dort nichts zu suchen habe. Es ist auf der einen Seite so, dass ich denke, es ist falsch was dort passiert, es ist falsch so funktionalisiert zu werden. Fernsehunterhaltung hat immer was mit Kontrolle zu tun.

Da gab es dann Äußerungen, wenn du den Text während der Übertragung abänderst, schalten wir sofort um auf Vollplayback. Oder auch das Verhalten der Bild-Zeitung: wir brauchen die Bad Publicity, von den Skandalen leben wir. Von vornherein den Konflikt anzuzetteln, wer scheitert und wer siegt.

Das sind alles Mechanismen, denen ich mich nicht mehr unterwerfen möchte. Mir geht es um andere Dinge, wie zum Beispiel gestern habe ich in Hannover vor nur 30 Leuten gespielt, die Krach gemacht haben für 100. Das war ein tolles Konzert, wenn ich dann jemand in der ersten Reihe lächeln sehe, dann hat so etwas für mich größeren Stellenwert. So etwas vermisse ich auf solchen Veranstaltungen wie den Grand Prix.

Elektrolurch: Was hältst du denn von der jetzigen Umstrukturierung des Vorentscheids, der Beteiligung von Sendern wie VIVA und der Teilnahme von bekannteren Bands und Künstlern?

Tobias: Der Vorentscheid an dem ich teilgenommen habe, war ja schon der absolute Tiefpunkt, das war damals schon allen klar. Als ich nach dem Grand Prix mit meinem Product-Manager an der Bar saß, sagte der zu mir: „Schau dich doch mal nur hier um. Du bist hier zwar Vorletzter geworden, aber hat einer von denen einen Plattendeal, will irgendjemand mit denen ein Album machen. Nein.“ Von wem hat man denn nach dem Grand Prix etwas gehört, die sind alle in der Versenkung verschwunden. Der einzige, der überhaupt noch Musik machen darf, bin ich. (lacht)

Die Umstrukturierung ist natürlich ein gutes Konzept, die teilnehmenden Künstler wie Laith Al-Deen, Sabrina Setlur, Scooter usw. sind schon die oberen 30 aus Deutschland. Doch wie oft wollen diese Leute dort auftreten. Denn auf diesem Niveau gibt es nicht so viele Künstler. Treten diese Leute das nächste Mal noch mal an, um wieder zu verlieren, um noch mal letzte zu werden? Ich war immerhin besser als Sabrina Setlur, die dieses Jahr letzte geworden ist.

Elektrolurch: Ich dachte die Bekanntgabe der Platzierungen auch gegenüber den Künstlern würde sich nur auf die ersten beiden Plätze beziehen. Alle weiteren Platzierungen würden geheim bleiben?

Tobias: Das wird schon intern bekannt gemacht. Die Plattenfirmen interessieren sich natürlich dafür, was ihre Künstler geschafft haben.

Elektrolurch: Kannst du dir trotzdem vorstellen, wieder an einem Vorentscheid teilzunehmen?

Tobias: Weiß ich nicht, ich bin kein Mensch, der generell Dinge ausschließt. Ich würde auf jeden Fall auch für mich einiges anders machen. Ich würde tatsächlich ein schwieriges Lied schreiben. Denn der Fehler, den ich gemacht habe, ist, dass ich dort mit einem Stück angetreten bin, das der Sache gefallen hat, es war eine Kompromissnummer. Eine Nummer, die ich zielgerichtet komponiert habe und das funktioniert bei mir nicht.

Elektrolurch: Zurück zum neuen Album. „2 Akkorde“ handelt, wenn ich es richtet verstanden habe, von deiner Wandlung vom Pop zum Rock?

Tobias: Es ist immer beides, wenn eine textliche Thematik Rock erfordert, mache ich Rock Und das neue Album „Im Affekt“ ist mehr Rock als Pop. Das ist der essentielle Reiz meiner Musik, dass ich meine Musik an der Thematik aufhänge, dass ich Reggae spiele, wenn es um Jamaika geht, wenn ich über die Waffe singe („Ich bin die Waffe“, Anmerk. der Redaktion), dass ich Hardcore spiele und wenn ich „Meer sehn“ nehme, dass ich etwas Romantisches spiele. Das kann alles sein, DJMDG reicht als Stilbeschreibung völlig aus.

Elektrolurch: Wie stehst du denn zum Begriff Pop-Musik?

Tobias: Pop-Musik ist für mich mehr ein soziologischer Begriff, Rock-Musik beschreibt eine Stilistik. Nirvanas „Smells like Teen Spirit“ ist ungelogen Pop, keine Frage, genauso wie Nora Jones jetzt Pop ist.

Pop ist immer das, was funktioniert. Pop ist etwas, wo ein Effekt eintritt, dass der Erfolg den Erfolg anzieht. Das ist in der Musikbranche extrem, wenn irgendjemand auf MTV gespielt wird, dann bekommt er sofort Festivals. Erfolg zieht Erfolg an und immer wenn sich so ein Kreislauf in Gang setzt, dann ist das Pop-Musik.

Elektrolurch: Zum Schluss noch eine Frage zum Stück „Ich bin die Waffe“. Persönlich hat es mich an Fehlfarbens „Die wilde Dreizehn“ erinnert. Ist diese Ähnlichkeit gewollt oder Zufall?

Tobias: Nein, keine Absicht, ich kenne das Stück gar nicht.

Smilo
 
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