| „Out
of Nothing“ heißt das neue Album von Embrace
und die erste Single „Gravity“ stammt von
niemand Geringerem als von Coldplay-Sänger Chris
Martin (!).
Was für den neutralen Beobachter nach einer Sensation
aussieht, ist für den Embrace-Connaisseur nicht
weiter verwunderlich: Danny und Chris waren bereits
in ihrer Jugend und vor dem Durchbruch Coldplays
im Jahr 2000 eng befreundet. Damals supporteten
Embrace die noch unbekannte Band nach Kräften.
Chris Martin über „Gravity“: „Wir
lieben Embrace und Danny ist einer meiner besten Freunde.
Als wir den Song schrieben, hatten wir das Gefühl,
dass er sehr viel besser zu Embrace passe als zu uns.
Also habe ich Danny gefragt, ob ihm der Track gefalle
und das war’s dann“. Doch wie sehen
Embrace dieses Verhältnis? Was haben Embrace noch
zu sagen? Über die neue Platte, über die Zusammenarbeit
mit Produzent Youth und und und. All das verraten die
Jungs in einem ausführlichen Interview.
1.) Wie begann die Geschichte von Embrace?
Danny: Richard spielte Schlagzeug in einer Band namens
Growthsmith Conduct, als wir noch Kinder waren und zur
Schule gingen. Und ich kochte Tee in dem Laden und schwirrte
um die Leute herum. Am Ende waren, glaube ich, alle
so genervt von uns, dass nur noch Richard und ich übrig
blieben. Das war der Beginn von Embrace. Aber, wie gesagt,
wir waren noch Schulkinder. So fing alles an.
2.) Wie war die Reaktion auf euer Debütalbum?
Danny: Als wir raus kamen, feierte uns die britische
Musikpresse begeistert als brandneues Ding, das ganz
anders sei als der ganze Britpop. Der Hype um uns war
anfangs enorm. Über Nacht wurden wir von einer
kleinen Provinzband zum Thema für “Top Of
The Pops”. Das ging alles sehr schnell.
3.) Wir kamt ihr mit der plötzlichen Popularität
klar?
Danny: Wir Nordengländer sind sehr bodenständig.
Ich glaube, der Rummel stieg uns nicht allzu sehr zu
Kopf.
4.) Die britische Musikpresse ist bekannt für
ihre Hypes. Welche Bedeutung habt ihr dem Rummel beigemessen?
Danny: Zunächst ist es natürlich gut, wenn
über unbekannte Bands so begeistert berichtet wird.
Im Allgemeinen neigt die britische Musikpresse dazu,
sehr enthusiastisch über jede neue Band zu schreiben.
Aber sie schubsen dich quasi an und danach hängt
alles von dir ab, ob du über Wasser bleibst oder
untergehst. Ich denke, dass die guten Bands überleben
und die schlechten zurückbleiben.
5.) Man hat euch oft mit Bands wie The Verve
und Oasis verglichen. Was haltet ihr davon?
Danny: Nun, Vergleiche mit einer dieser Bands habe
ich seit Jahren nicht mehr gehört. Das war nur
am Anfang so, aber da wurden fast alle neuen Bands mit
diesen beiden Gruppen verglichen, weil die damals so
erfolgreich waren. Heute fragt man uns eher, welche
Bands wir beeinflusst haben.
Dann geht es um Bands wie Coldplay oder Keen, Starsailor
oder Snow Patrol, The Doves und so weiter. Es ist heute
also genau anders herum. Cool! Es ist doch normal, dass
neue Bands durch die Musik geprägt sind, die um
sie herum gerade aktuell ist. Und daran ist auch nichts
verkehrt. Denn es sind fantastische Bands. Insofern
ist es eine Ehre, dazu zu gehören.
6.)
Welche Bands haben euch inspiriert?
Danny: U2 haben mich schon als Kind sehr stark inspiriert,
ebenso Joy Division. Und ich habe Echo And The Bunnyman
geliebt. Anfangs klangen wir auch genau wie diese Bands.
Bis wir dann den Song “Retread” schrieben.
Da bemerkten wir, dass wir nicht mehr wie andere Bands
klangen. Da war etwas Magisches. Ich hatte Richard eine
Kassette mit Songs geschickt, eigentlich war “Retread”
der zweite Song, aber Richard hörte ihn aus Versehen
zu erst. Er rief mich an und fragte, was das für
ein Song sei.
Ich fand ihn anfangs viel zu melodisch, es war überhaupt
nicht unser damaliger Stil. Aber Richard meinte, das
sei genau der Punkt, wir würden wie Echo And The
Bunnyman oder Joy Division klingen, während dieser
Song einzigartig, neu und anders sei. Das war gewissermaßen
der Startschuss für Embrace. Kurz darauf flogen
uns die Songs nur so zu.
Jede Woche schrieben wir neue Songs. Das war schon
verrückt, denn in den drei Jahren bis dahin hatten
wir fast gar nichts geschrieben. Wir hatten es stets
vergeblich versucht, und plötzlich sprudelten die
Songs nur so aus uns heraus.
7.) Wie ist es Richard, mit dem eigenen Bruder
in einer Band zu spielen?
Richard: Wir verstehen uns gut. Sicher, es gibt auch
hitzige Momente, in denen wir uns gegenseitig verfluchen.
Aber wir werden nie handgreiflich. Nie. Weil Danny mein
Bruder ist, nimmt er kein Blatt vor den Mund, sondern
sagt genau, was er denkt. Manchmal ist das natürlich
hart. Bei Freunden, weiß man, wie weit man gehen
darf. Beim eigenen Bruder ist es dir egal, wie weit
du gehst. Aber wir wissen beide, wie wir das nehmen
müssen, ohne wirklich böse auf einander zu
werden.
Danny: Da stimme ich zu. Die Tatsache, dass wir Brüder
sind, macht uns stärker. Denn wenn mir zum Beispiel
eine seiner Ideen nicht gefällt, sage ich ihm das
direkt, und umgekehrt genauso. Auf diese Weise verschwenden
wir keine Zeit, während man sich in anderen Bands
oft zu viel Gedanken darüber macht, den anderen
nicht zu verletzen. Nicht so bei uns. Wir sagen, was
wir denken. Und das führt zu besserer Musik, denke
ich.
8.)
Wer schreibt bei euch die Songs?
Danny: Wir beide, zu gleichen Teilen. Ich neige eher
zu den introspektiven Stücken. Während Richard
die unmittelbaren, direkten Songs schreibt. Zugleich
schaffen wir es aber auch, dass Richard Stücke
schreibt, die klingen, als wären sie von mir, und
umgekehrt. Von Richard stammen beispielsweise die Strophen
zu “Ashes”, die sich eigentlich anhören,
als hätte ich sie geschrieben. Während ich
den Refrain dazu geschrieben habe, der wiederum eher
nach Richard klingt. Wir sind uns, glaube ich, sehr
ähnlich.
9.) Wie würdet ihr euch gegenseitig beschreiben?
Richard, was für ein Typ ist Danny?
Richard: Er ist recht ernsthaft, hartnäckig, fast
schon krankhaft genau.
Danny: Vielen Dank. Richard ist der Wächter am
Abgrund. Wenn alles gut läuft, kommt er garantiert
und erklärt dir, warum es nicht funktioniert und
warum man es besser machen sollte. Aber er ist voller
Elan. Wenn er Gitarre spielt, lebt er auf. Er ist eins
mit seinem Instrument. Du solltest ihn mal auf der Bühne
erleben. Manchmal muss man ihn regelrecht zurückhalten,
so voller Energie ist er. Wenn er etwas macht, dann
aus vollem Herzen.
10.) Wie ehrgeizig seid ihr, wenn es um Musik
oder deren Produktion geht?
Danny: Wenn man so lange und intensiv an einem Album
arbeitet, wie wir es drei Jahre lange getan haben und
dabei rund 500 Songs zusammenstellt, dann willst du
das natürlich in einer Form umsetzen, die deine
Arbeit in keiner Weise herabsetzt. Deshalb ist es wichtig,
dass alles, was wir jetzt tun, unsere bisher investierte
Arbeit nicht schmälert. Da muss das Video großartig
sein und ebenso das Cover.
Alles, was damit zu tun hat, muss dann so gut wie möglich
sein, um der Arbeit, die du investiert hast, gerecht
zu werden. In diesem Sinne sind wir sicher ehrgeizig.
Aber andererseits sind die Charts so voll von Mist,
dass es ein Fehler wäre, den eigenen Erfolg an
Chartplatzierungen zu messen. Viel wichtiger ist es,
zu dem zu stehen, was du machst. Dann bist du am besten
und andere können das erkennen.
11.) Wieso habt ihr mit “Gravity”
als erste Single des Albums einen Song gewählt,
der nicht von euch ist, sondern den Chris Martin von
Coldplay geschrieben hat?
Danny: Coldplay spielten im Vorprogramm von Embrace
im “Blackpool Empress Ballroom”, vor vier
oder fünf Jahren, noch bevor ihr erstes Album erschien
und “Yellow” ein großer Erfolg wurde.
Chris und ich wurden enge Freunde. Wir spielen uns gegenseitig
immer Ideen am Telefon vor. Vor einiger Zeit schrieb
Chris den Song “Gravity”. Ich fand ihn großartig.
Ich mochte ihn sofort und erzählte Richard davon.
Es geschieht sehr selten, dass ich die Arbeit von jemand
anderem mag, wenn wir gerade mitten in der Arbeit an
einem eigenen Album stecken. Dann bin ich sehr kritisch,
nicht nur mir selbst, sondern auch der Arbeit anderer
gegenüber. Richard war erst skeptisch, dann aber
ebenfalls begeistert.
Denn irgendwie klingt der Song wie ein Embrace-Song,
er erinnert ein wenig an “Fireworks”. Die
ersten drei Akkorde sind dieselben. Ich fand ihn schön,
aber Chris meinte, der Song klinge zu sehr nach uns.
Kurz gesagt: einen Monat bevor wir ins Studio gingen,
um das Album fertig zu stellen, rief er mich an und
fragte mich, ob ich “Gravity” haben möchte.
Ich war zunächst zurückhaltend, denn ich finde,
es ist einer der schönsten Songs, die er je geschrieben
hat. Ich meinte, er solle ihn selbst aufnehmen. Also
sagte ich, dass ich erst mit meinem Bruder und dem Rest
der Band darüber sprechen müsste. Ich sagte,
ich melde mich dann, und er meinte, ok, fein. Also sprach
ich mit der Band, und wir beschlossen, den Song aufzunehmen.
Sollte er gelingen, würden wir ihn nehmen, falls
nicht, dann nicht. Wir nahmen ihn auf und er wurde richtig
gut. Es vielleicht der beste Song, den ich je gesungen
habe.
Es ist eigentlich ein sehr einfacher Song, der aber
aus einer Freundschaft herrührt, während die
meisten anderen unseren Songs ja eher Ergebnisse unseres
fast schon Mönch-artigen Lebens als Songschreiber
sind. Selbst meinen Geburtstag, der an Silvester ist,
habe ich allein zu hause mit einer akustischen Gitarre
verbracht und Songs geschrieben. “Gravity”
entstand aus einer Freundschaft, nicht aus Einsamkeit.
Und das ist ein schönes Gefühl.
Die Gelegenheit, solch einen Song veröffentlichen
zu können, der eigentlich keine typische Single
ist, nämlich eine Ballade ohne großen Refrain,
ist ebenfalls gut. Früher haben wir nämlich
solche Songs geschrieben, wie “Fireworks”
oder “Draw From Memory”. Ihnen fehlte aber
stets das, was Plattenfirmen einen “sexy Aufhänger”
nennen würden, um als Single veröffentlicht
zu werden.
Dieser Song hingegen hat es. Die Plattenfirma kam zu
uns und riet uns “Gravity” als Single zu
veröffentlichen, weil dann andere Songs wie “Ashes”
oder “Some Day”, die viel eher Kandidaten
für eine Single wären, dann viel besser laufen
würden. Denn “Gravity” würde uns
Türen öffnen. Es brachte uns auf jeden Fall
wieder ins Gespräch. Und für Chris war es
ein erstaunliches Geschenk, etwas Derartiges zu tun.
Denn sowohl Richard und ich sind gute Songwriter als
auch er. Aber egal wie gut du bist, ist es schon viel,
wenn du zwei bis drei derart gute Songs pro Jahr schreibst.
Und er hat uns einfach einen geschenkt. Das ist das
Erstaunlichste, was man je tun kann. Denn es ist sehr
schwer, Songs zu schreiben, die so gut sind. Aber er
hat es getan. Also war es eine Ehre für uns, es
zu tun. Und er ist von unserer Version begeistert, wenngleich
er sie für etwas schnell hält.
12.)
Chris Martin hält eure Version von “Gravity”
für zu schnell??
Danny: Seine Versionen sind viel langsamer. Und sie
haben auch kein Schlagzeug oder Gitarren. Aber er mag
unsere Version.
13.) Wo seht ihr die Unterschiede zwischen
“Out Of Nothing” und euren drei anderen
Alben?
Danny: Ich denke, wir zeigen auf diesem Album zum ersten
Mal wirklich, wie gut wir als Live Band sind. Das hatten
wir schon immer vor, aber jetzt haben wir erstmals getan.
Der Grund dafür ist Youth, unser Produzent. Er
hat uns aus der Reserve geholt. Als wir vor drei Jahre
bei Independiente unterschrieben, schworen wir uns,
dieses Album nicht eher zu veröffentlichen, bevor
es unser bestes sei. Nach drei Jahren Arbeit und 500
Songs, denke ich, ist uns das gelungen. Da liegt der
Unterschied - in der Qualität. Es ist das Beste,
was wir je gemacht haben.
14.) Warum habt ihr Youth als Produzent gewählt?
Richard: Wir hatten bereits mit ihm gearbeitet. Nach
dem dritten Album hatten wir beschlossen, beim nächsten
Mal mit einem traditionellen Produzenten à la
George Martin oder Rick Rubin zu arbeiten. Einer, der
das Mischpult nicht berührt, sondern sich im Hintergrund
hält und der Musik zuhört. Wie immer durchstöberten
wir dazu unsere CD-Sammlung und stellen eine kleine
Liste zusammen. Ich wollte sehr gerne mit Daniel Lanois
arbeiten. Ich mag, was er bei U2 gemacht hat. Aber dann
kam Youth ins Spiel. Der Kontakt entstand durch Big
Life, die unsere ersten beiden Alben gemanagt hatten
und bei denen auch Youth ist. Man gab ihm unsere Demos.
Er meinte, es seien die besten, die wir je gemacht hätten
und wollte mit uns arbeiten. Für uns als Band ohne
richtigen Vertrag war es natürlich eine große
Ehre, mit einem derart erfolgreichen Produzenten wie
ihm zu arbeiten. Also trafen wir uns und spielten ihm
unsere Sachen vor. Er lag auf dem Boden, rauchte Spliffs
und es kam es uns vor, als gehörte er zur Familie.
Zu ersten Mal mit einem echten Künstler wie ihm
zu arbeiten, förderte bisher ungeahnte und ungenutzte
Fähigkeiten in uns zu Tage. Wir waren richtig heiß
drauf, dass er unsere Musik auf seine Weise bearbeitet
und wollten ihm dabei freie Hand lassen.
Danny: Früher hatten wir uns stets selbst produziert.
Nach diesem Album kam uns das ziemlich blöd vor.
Denn dieses Album profitiert definitiv davon, dass es
einen Produzenten hatte. Zugegeben, man soll nicht bedauern,
was man getan hat, und wir wären auch nicht bis
zu diesem Album gekommen, hätten wir es nicht so
getan, wie wir es getan haben. Aber ich frage mich schon,
wie gut unsere anderen Alben wohl geworden wären,
wenn wir damals schon mit einem solch guten Produzenten
wie ihm gearbeitet hätten. Er hat hier eine fantastische
Arbeit abgeliefert.
15.) Wie war die Arbeit mit Youth?
Danny:
Anfangs war es sehr hart. Die ersten Wochen waren die
Hölle. Ich habe nämlich sehr klare Vorstellungen
davon, wie ein Song klingen soll, und bei Richard ist
es genau so. Wir hatten drei Jahre an den Songs gearbeitet,
sie live gespielt und wussten genau, was wir wollten.
Dann kam er und schmiss alles um, schmiss alles einfach
in die Luft, um zu sehen, wo es landet. Das war wirklich
beängstigend. Während der ersten Wochen musste
ich Tabletten nehmen, um meinen Herzschlag gleichmäßig
zu halten. Ich schlief kaum noch und stand unter großem
Stress. Ich war sogar soweit, auszusteigen, meinen Namen
zu ändern, mir einen Bart wachsen zu lassen, auf
die Isle Of Man auszuwandern und unterwegs mein Handy
ins Meer zu werfen. Ich wollte mit der ganzen Sache
nichts mehr zu tun haben und Youth nie wieder sehen.
Ich hatte die Nase gestrichen voll. Aber dann merkte
ich, dass der Rest der Band begeistert war von dem,
was wir taten. Nach sechs Wochen stellte ich fest, das
Youth in neunzig Prozent unserer Auseinandersetzungen
Recht gehabt hatte.
Und dass ich mein Ego und meinen Stolz außen
vor lassen musste, um mich für ein unberechenbares
Genie wie Youth zu öffnen. Letztlich behinderte
mein Wunsch nach Kontrolle die Arbeit an einem wirklich
guten Album. Erst als ich ihn seine Arbeit machen ließ,
konnte ich mich ganz auf den Gesang und so weiter konzentrieren.
Das machte vieles einfacher. Der Grund, warum “Gravity”
so zuversichtlich klingt ist, weil es der letzte Song
war, den wir aufnahmen. Zu diesem Zeitpunkt lagen alle
Streitigkeiten bereits hinter uns und wir wussten, was
wir wollten. Daher freue ich mich jetzt schon darauf,
das nächste Album mit ihm aufzunehmen. Denn heute
wissen wir, wo wir stehen und vertrauen einander von
Anfang an. Auch wenn du natürlich nie vorhersagen
kannst, wie es laufen wird. Ich bin nach wie vor nervös
und hoffentlich wird die Arbeit mit Youth wieder schwierig,
denn gute Musik zu produzieren, ist nun mal schwierig.
Sobald es einfach wird, sollte man aufhören. Denn
dann beginnst du, dich auf deinen Lorbeeren auszuruhen
und forderst dich nicht mehr genug. Nachdem ich also
anfangs nie wieder mit ihm arbeiten wollte, sind wir
am Ende doch enge Freunde geworden. Das war ein echter
Lernprozess für mich.
16.) Ist Youth teuer?
Danny: Oh ja. Er ist eine Art Über-Produzent und
das kostet natürlich ein Vermögen pro Track.
Und die Olympic Studios sind ebenfalls sehr teuer. Außerdem
haben wir mit einem 24-köpfigen Orchester gearbeitet.
Das ist teuer. Und wir haben drei Jahre an dem Album
gearbeitet. Das kostet ebenfalls viel Geld. Es hat uns
jeden Penny gekostet, den wir hatten. Wir sind jetzt
pleite. Wenn dieses Album nicht läuft, sind wir
am Arsch.
17.) Was könnt ihr zu den Texten des Albums
sagen?
Danny: Das variiert sehr. Ich wähle nicht bewusst
Themen, sondern versuche, den Song sich natürlich
entwickeln zu lassen. Aber es gibt einen Song, er heißt
“Wish ’Em All”. Er hat mit einem Herzfehler
zu tun, den ich habe. Mein Herz macht manchmal, was
es will. Es schlägt nicht sehr gleichmäßig.
Ich muss Tabletten nehmen, um das zu regulieren. Irgendwann
hatte ich genug davon und fühlte mich zu jung dafür.
Also ging ich zu einem Hypnotiseur. Er versprach, mich
zu heilen und brachte mich zurück in meine Kindheit,
zu einem Punkt, als ich dreieinhalb Jahre alt war. Unter
Hypnose reiste ich als Erwachsener zurück in meine
Kindheit und setzte den Dreijährigen auf mein Knie.
Als Kind hatte ich mich oft vor der Dunkelheit gefürchtet,
das tue ich heute auch noch ein bisschen. Ich sagte
meinem dreijährigen Alter Ego, dass er sich nicht
vor der Dunkelheit fürchten müsse. Ich führte
ihm mit der Hand ein paar Schattenspiele vor, um dem
Kind in mir zu zeigen, dass man Licht und Dunkelheit
beherrschen kann. “Wish ’Em All” ist
eine Art Wiegenlied an mich, das ich als dreißigjähriger
Mann einem dreijährigen Kind in mir vorsinge. Dort
heißt es: “Stars Are Veiling In The Sky/
I Guard The Last Of My Line/ Like A Sleeping Army I
Will Wait/ To Drum The Devils Out Of Your Dreams/ And
Sent Them All To Meet Me/ I Will Lay Me Down Until You’re
Safe/ So That You’ll Have Nothing To Fear/ If
You Close Your Eyes And Wish It All Away”. Es
ist ein Schlaflied, ein bisschen wie ”Summertime”,
in dem es ja auch darum geht, dass dir nichts geschieht,
solange ich bei dir bin. Ich wollte ein Schlaflied,
das uns an das Kind in uns erinnert, aber auch, dass
man heute erwachsen ist und mit den Ängsten von
damals umgehen kann. Darum geht es in “Wish ’Em
All”. Alle Songs des Albums haben eine ähnlich
lange Geschichte.
18.) Embrace (dt. “Umarmung”) ist
ein sehr romantischer Name. Wie kamt ihr darauf?
Richard: Damals schien uns der Name gar nicht so romantisch.
Wir suchten ganz einfach einen Namen und hatten bereits
einige furchtbare zur Auswahl, wie The Bus Conductors,
Shimmer und Curious Orange, den unser damaliger Bassist
vorschlug, der heute nicht mehr dabei ist, weil wir
ihn daraufhin feuerten. Embrace gefiel uns, weil damals
gerade Bandnamen aus einem Wort angesagt waren. Danny,
Mike und ich fanden den Namen toll. Unseren ersten Auftritt
als Embrace hatten wir so um 1994/ 95, das ist lange
her. Wenn unsere Biographie geschrieben wird, werden
Journalisten im Wörterbuch “Embrace”
nachschlagen und es als “Umarmung aller Ideen
und Kulturen” interpretieren und diesen ganzen
Hippie-Kram. Wir hatten den Namen aber einfach gewählt,
weil es der erste war, den wir unseren Freunden nennen
konnten, ohne vor Peinlichkeit rot zu werden. Er blieb
hängen.
19.) Seid ihr romantisch?
Danny: Ich denke schon, dass ich es bin. Das ist wohl
ein Grund, warum ich diesen Beruf mag, weil er etwas
Romantisches hat. Wir geben beispielsweise gerne geheime
Konzerte. In unserer Musik kombinieren wir Naivität
mit verwirrender empfindsamer Wohligkeit. Ja, ich bin
definitiv romantisch.
20.) Wieso heißt das Album “Out
Of Nothing”?
Danny:
Wir hatten das Gefühl, als käme es aus dem
Nichts. Man kann buchstäblich zehn Stunden pro
Tag sitzen und schreiben, wochen- und monatelang, ohne
etwas zustande zu bringen. Bis plötzlich eine Idee
kommt, und dann kommt es einem tatsächlich vor,
als käme sie aus dem Nichts. Du kannst einen Song
nicht erzwingen. Manche Leute versuchen das, aber das
haut selten hin. Ein Song muss aus Inspiration entstehen
und buchstäblich aus dem Nichts kommen. Man sucht
oft so lange nach guten Ideen, dass es etwas Besonderes
ist, wenn sie sich einstellen.
Dann fragst du dich, meine Güte, wo kommt die
jetzt her? Die einzige Antwort darauf lautet: Aus dem
Nichts. Könnte man einen Song nach Plan entwerfen,
dann entstünden gute Songs regelmäßig.
Aber so bliebt man oft Jahre ohne einen Song, bis plötzlich
fünf auf einmal kommen.
Daher halte ich “Out Of Nothing” für
passend. Auch weil wir am Anfang dieser Platte nichts
hatten. Wir waren pleite und hatten kein Label. Wir
hatten nichts außer uns und den Glauben an uns.
Aber wir haben es geschafft, einfach weil wir an die
Zukunft und die der Musik glaubten. Da lief es plötzlich,
quasi aus dem Nichts. Viele Leute dachten wohl schon,
wir hätten uns getrennt oder seien gestorben. Aber
wir sind noch da und wieder zurück.
21.) Wann kommt ihr für Konzerte nach
Deutschland?
Danny: Wir möchten auf jeden Fall noch vor Jahresende
in Deutschland spielen. Wir haben gestern mit unserem
neuen Label Sony Music darüber gesprochen. Hoffentlich
klärt sich das alles rasch. Aber wir wollen definitiv
wieder herkommen und hier spielen. Wenn man nicht verreist,
weiß man nichts über die unterschiedlichen
Kulturen. Aber was ich Deutschland mag, ist dieser überwältigende
Optimismus der Menschen und die gleichzeitig entwaffnende
Bescheidenheit, die man beispielsweise in Frankreich
oder Holland nicht findet. Das ist einzigartig in Deutschland.
Das macht Auftritte hier viel emotionaler als irgendwo
anders in Europa. Deshalb möchten wir gerne wieder
herkommen. Das einzige, was uns hier nicht gefällt
ist, dass es andauernd Schinken und Käse gibt.
Das kriegen wir jedes Mal, wenn wir herkommen. Es gibt
immer nur Schinken oder Käse. Aber alles andere
ist großartig, die Menschen und so weiter. Es
gefällt mir.
|