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ROBERT GUMP unser Korrospondent und Filmexperte aus der Hauptstadt 
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Tag 10 - Geschichtsstunde

Was soll man über einen Film schreiben, der so kontrovers aufgenommen wurde wie "Baader" von Christopher Roth? Es fällt schwer, auch das Publikum war sich gestern nicht einig, die eine Hälfte lehnte den Film buhend ab, die andere Hälfte honorierte die durchaus hervorragenden Leistungen der Schauspieler mit Applaus. Und zum Schluss standen mehr als 30 Personen des Filmstabs auf der Bühne und enthielten sich jeglichen Kommentars. Bizarr ist das einzige Wort, was mir in dem Zusammenhang einfällt.

Wie kam es soweit? Es ist 1972. Am Anfang des Films sieht man einen im Dunklen geparkten BMW, in dem ein Mann sitzt und die Bildzeitung liest, deren Schlagzeile lautet "Andreas Baader will sich stellen". Ein Polizist kontrolliert den Wagen, der Mann, offensichtlich Andreas Baader, nimmt seine Waffe und schießt den Polizisten nieder.

Rückblende: 1967, Andreas Baader geht wegen Autodiebstahls und anderer Delikte erstmalig ins Gefängnis. Im weiteren Verlauf des Films erfahren wir, wie Baader in den Untergrund abtaucht, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof kennen lernt und was in den Jahren zwischen 1967 und 1972 passiert.

Wir lernen einen Andreas Baader kennen, so wie wir uns ihn immer vorgestellt haben, ein Proleten, einen Chauvi und Sexisten, einen Liebhaber schneller Autos, einen Drogensüchtigen und einen Despoten, der immer wieder beweisen muss, dass er und nur er der Kopf der Baader-Meinhof-Bande ist.

Zwar wirkt die gesamte Darstellung des Films manchmal etwas konfus und man fragt sich mehrmals, wo und wann befinden wir uns gerade, aber die schauspielerische Darstellung ist brillant. Auch die anderen Charaktere des Films sind gut getroffen, Gudrun Ensslin, die in einem Hörigkeitsverhältnis zu Andreas Baader steht und Ulrike Meinhof, die zwischen Bewunderung und Selbstzweifeln schwankt, sind exzellent besetzt.

Ebenso die weiteren Nebenrollen, wie die Mitstreiter der Gruppe, als auch der BKA-Chef sind gut getroffen und selbst die Ereignisse, die der Film aufgreift scheinen authentisch wiedergegeben zu sein. Nur das ist das Problem des Films: Authentizität. Denn der BKA-Chef hieß damals Horst Herold und nicht Kurt Krone wie im Film und auch die weiteren Kämpfer der RAF haben Namen, die nichts mit der Realität zu tun haben.

Es dauert lange bis einem klar wird, dass hier eine fiktive Story erzählt wird, die zwar auf tatsächlichen Ereignissen beruht, aber so nie stattgefunden hat.

Mir selbst wurde dies erst bewusst, als es kurz vor Ende des Films eine Begegnung zwischen BKA-Chef Kurt Krone und Andreas Baader auf einer dunklen Landstrasse irgendwo in der Nähe von Frankfurt gibt, kurz vor den ganz am Anfang des Filmes geschilderten Ereignissen.

Zwar kamen mir schon zu Beginn Zweifel, da mir die Namen der meisten Protagonisten nichts sagten, aber ich habe diese Zweifel ignoriert, da mir die Darstellung Andreas Baaders gefiel. Nach dem Treffen mit dem BKA-Chef sah ich aber plötzlich den Film in einem anderen Licht.

Einen Film, der Geschichte mehr als offensichtlich verfälscht, der Zweifel aufkommen lässt, ob die bisherige Darstellung überhaupt den Tatsachen entspricht und der uns ein Ende zeigt, das zu den übelsten der Filmgeschichte gehört:

Andreas Baader stirbt wie ein dem Western entsprungener Revolverheld im Kugelhagel der Polizei am 1. Juni 1972.

Warum fragt man sich? Hätte dieser Film sich nicht entweder komplett an die Realität halten können? Oder wäre es vielleicht besser gewesen, wie in "Die Stille nach dem Schuss" eine fiktive Story zu erzählen mit fiktiven Personen, die aber an authentischen Ereignissen angelehnt ist?

Hier haben wir einen Film, der weder das eine noch das andere ist. Leute, die in der Geschichte der RAF nicht bewandert sind, könnten diese Darstellung für wahrheitsgetreu halten. Das wäre fatal, denn so wird Geschichte verfälscht.

So macht der Film wütend, wenn man sich in der Geschichte der RAF auskennt. Wütend und ratlos, denn wie schon gesagt, die darstellerische Leistung war mehr als bewundernswert. Trotzdem habe ich am Ende des Films mit gebuht und lehne den Film auch weiterhin ab. Wünschenswert wäre es, wenn dieser Film erst gar nicht in die Kinos kommt oder nur mit einem Hinweis zu Beginn des Films, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt.

So, meine liebe Lurchgemeinde, die Berlinale ist fast am Ende, für mich endet sie schon hier und heute. Zwar werde ich mir heute noch "Magical Mystery Tour" von den Beatles und "The Stones in the Park" anschauen. Meine Berichterstattung ist aber hier zu Ende. Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und vielleicht gibt es ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Tschüß ... Ihr Robert Gump

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