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Viele Leute werden das vorletzte Hurricane Festival
noch gut in Erinnerung behalten haben. Leider aber nicht
nur wegen des unglaublichen Lineups oder dem tollem
Wetter, sondern wegen bis zu 10 Stunden(!!!) Stau. Alles
anders dieses Jahr!!!! Durch eine weiträumige Umleitung
kommt es den ganzen Freitag nicht zum Stau, dafür
aber zum Regen. Und das natürlich als wir unsere
Zelte aufschlagen. Da helfen auch keine Regencapes oder
Müllbeutel ... erst mal richtig nass werde. Um
die lange Trockenzeit zu überbrücken, werden
dann auch schon die ersten Bierdosen geöffnet ...
alles im Namen des Lurchen versteht sich.
Doch bis zum offiziellen Beginn des Festivals am Samstag
um 11 Uhr gilt es noch eine Menge Zeit totzuschlagen,
was man mir am nächsten Tag auch ansieht, als ich
Superpunk nach ihrem Auftritt treffe. Was wir unter
Kater-, Kaffee- und Red Bull-Einfluss so zu besprechen
hatten, könnt ihr hier nachlesen. Den undankbaren
Job des Openers erfüllten die Hamburger mit Bravour,
indem sie der Situation irgendwie eine intime Atmosphäre
verliehen. Sie gingen die ganze Sache sowieso ganz locker
an standen auf der großen Bühne so eng beieinander,
wie es nur möglich ist. Blackmail füllten
den Platz vor der Bühne dann schon merklich, obwohl
sie nun wirklich jeder schon einmal gesehen habe dürfte.
Die Gitarrenwände, die die Band produziert, hauen
dann auch den letzten Rest des Katers aus meinem Schädel,
doch das Set wird wie eh und je irgendwann langweilig
und ich verdrücke mich.
Die Zeltbühne ist meiner Meinung nach immer besonders
gut mit Bands sowie Stimmung besetzt, was mit Phoenix
auch direkt bestätigt wird. Die Kritikerlieblinge
lieben es, wie auch auf ihrem grandiosen Album, abwechslungsreich.
Von Latino-Rhythmen bis zu Dancefloor wird hier alles
präsentiert. Das überzeugt dann auch viele
Leute, denen die Band noch unbekannt war, denn das Zelt
füllt sich zum ersten Mal richtig und kaum jemand
verlässt es vor dem Ende des Auftritts. Als es
dann doch etwas leerer wird, ist klar, dass auf der
Hauptbühne Incubus beginnen. Auch diese Band hat
sich mit ihrem Mix aus Funk, Rock und Pop viele neue
Freunde und wohl auch Freundinnen gemacht (als sich
der Frontmann mit freiem Oberkörper und einer riesigen
Trommel zwischen seinen Beinen präsentiert, sagt
meine Nachbarin doch wirklich: "Na wenn das mal
kein Phallussymbol ist!!!!").
Auf den skandinavischen Schweinerock der Hellacopters
habe ich irgendwie keinen Bock und kann so meine erste
Überraschung mit JJ72 erleben. Die Engländer
überzeugen trotz miesen Sounds (wie übrigens
die ganze Zeit im Zelt) mit einer super Performance
der mir zum größten Teil unbekannten Lieder.
Gesanglich weicht der Sänger nicht die Spur von
der Konserve ab und musikalisch schaffen sie es, der
ganzen Sache noch wesentlich mehr Dampf zu geben.
Mit den Fünf Sterne Deluxe kommt dann
auch schon die nächste Überraschung. Hip Hop
taugt einfach zum Hüpfen und Feiern, weshalb Tobi,
Bo und die anderen Sternchen das Publikum auch sofort
im Griff haben und sich von der Partygemeinschaft feiern
lassen. Mann versucht sogar die hinteren Reihen, mit
Aufforderungen zum Schreien, aus der Reserve zu locken.
Als das nicht so richtig klappen will, quittiert man
die Sache einfach mit: "Das sind bestimmt alles
Rockä! Komm, dann machen wir jetzt eben ohne die,
Digger.
Jetzt wird es stressig, da ich unbedingt Blumfeld
im Zelt sehen möchte, um dann pünktlich zu
dem wahrscheinlich ersten echten Highlight des Tages
zu kommen: Queens of the Stoneage und Deftones!! Doch
vorerst präsentieren sich die Hamburger von Blumfeld
einem gut gefülltem Zelt. Genau wie bei JJ72 wirken
die Songs rauer, was einen schönen Kontrast zu
den kitschigen und ruhigen Songs der letzten beiden
Alben bietet. Aber trotzdem: Rocken ist anders.
Der erste große Dämpfer kommt dann leider
mit den Queens. Schlechter Sound und ohne Druck
(aber dafür mit nacktem Bassisten) lassen einen
wehmütig an das Konzert vor zwei Jahren im Zelt
denken. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich bei
der Band, die zwei der ganz großen Platten der
letzten Jahre veröffentlicht hat, langweilen würde.
Aber als wenn das nicht noch genug wäre, setzen
die Deftones noch einen drauf. Hier geht nun gar nichts
mehr. Der Sound sowie das Zusammenspiel gleichen eher
einem unförmigen Gebilde aus wabernden Sounds,
als den punktgenau gespielten, emotionsgeladenen Liedern
des grandiosen "White Pony".
Auch ein wahrscheinlich stockbetrunkener (oder so
etwas) Chino Moreno kann mit Winseln und Kreischen
den Karren nicht aus dem Dreck ziehen und geht sozusagen
mit ihm unter. Das Highlight des Gigs ist wohl eine
durchaus gelungene Coverversion des Weezer Hits "say
it ain't so". Durch diese zwei dicken Enttäuschungen
zu erhöhtem Bierkonsum gezwungen, mag ich mir The
Offspring nur aus der Ferne anhören und entscheide
mich für den Rückzug zum Zeltplatz als die
Toten Hosen die Bühne betreten (obwohl erhöhter
Bierkonsum bei den Düsseldorfern wohl eher normal
ist).
Später wird mir noch von einem großartigem
K's Choise Auftritt, von einer atmosphärischen
Thomas D Show, sowie irgendwie langweilenden
(zumindest nach einiger Zeit) Stereo MC's berichtet.
Komischerweise hat niemand die Hosen gesehen ... oder
keiner gibt es zu. Als ich mich dann zu dem Partyzelt
aufmache, muss ich jedoch schnell feststellen, dass
Abfeiern nur mit 100 Jahren Anstellen möglich ist.
Schade, denn hier ist immer die Hölle los und die
Stimmung ausgezeichnet bis in die frühen Morgenstunden.
Der Sonntag wird von den Funpunkern und Lieblingen des
Lurchen, den Donots eröffnet. Wer weiß
schon, ob es knallharte Marketingstrategie oder ein
Bookingfehler ist die Jungs zu diesem Zeitpunkt spielen
zu lassen, denn es versammelt sich eine große
(ich möchte eigentlich "riesige" sagen!!)
Menschenmasse vor der Bühne die sofort mit 150%
dabei sind und pogen und mitgröhlen als sei es
keine 11.00 Uhr. Wie immer geben die Donots alles
und man dankt es ihnen. Ein Bekannter der Band erzählt
später, dass dies wohl einer der besten Gigs der
Band gewesen wäre, den er gesehen hat. Außerdem
wird im Pressebereich von ca. 5000(!!!!) Leuten gemunkelt
und man spekuliert, wann die Jungs eigentlich hätten
spielen sollen.
Aber mit Ausruhen ist nicht, denn hier kommen The
Hives! Der 60's R'n'R in schicken Anzügen und
einer unglaublichen Show (die hauptsächlich daraus
besteht, immer wieder zu wiederholen, dass man die größte
Band der Welt ist) überzeugen das Publikum und
es werden nur geringfügig weniger Leute vor der
Bühne, die tanzen und das Punkprogramm( pogen,
diven) abspulen.
Der Mob lichtet sich, zu meinem Erstaunen, erheblich
bei Jimmy Eat World. Irgendwie rockt der Emosound nicht
genug, obwohl sich die Musiker alle Mühe geben.
Schwerer Stand bei den Vorgängern! Die große
Zeit der H-Blockx ist bekanntlich schon gewesen
und wir werden sie wohl nun häufiger als Lückenbüßer
und auf Schützenfesten (erinnert euch an meine
Worte) sehen. Ich hoffe, jeder, den ich kenne, hat die
Zeit bis zum Weezer Gig genutzt, um irgend etwas anders
zu tun!
Z.B. Fantomas im Zelt anschauen. Die Band um
Ex-Faith no More Sänger Mike Patton macht
allein durch ihr prominentes und außergewöhnliches
Lineup neugierig. Neben dem Stimmakrobaten sind auch
noch Dave Lombardo (der Ex-Slayer mit den schnellen
Füßen), King Buzzo (Melvins) und der
Mr. Bungle-Bassist, mit von der Partie. Wer die Platte
von Fantomas kennt, weiß auch, dass sich
das volle Zelt bald stark leeren wird, und ich freue
mich schon vorher wie bescheuert auf die verdutzten,
verängstigten Gesichter der Anwesenden. Denn was
die um die Ohren geschleudert bekommen, ist alles, nur
nicht leicht zu verdauen. Krach und Ruhe wechseln in
Sekunden, genau wie die Musik. Schwer zu beschreiben,
darum hier nur ein paar Stichwörter: Ruhe...schreien.....Doublebass....Ruhe....wimmern........Gitarrensolo....schreien.
Eine Band, auf die sich wohl eine Menge Leute gefreut
haben, dürfte Weezer sein. Aber wenn mich
dieses Festival etwas gelehrt hat, dann: Hohe Erwartungen
neigen dazu, sich nicht zu erfüllen. So auch bei
den Vorzeige-Indierockern, die meiner Meinung nach so
etwas wie einen Promotionauftritt absolvieren. Es wird
wohl das komplette, frische "Green Album"
gespielt, "Pinkerton" ignoriert und nur wenig
von ihrer Hit/Debüt Platte vorgetragen. Die Stücke
des Erstwerks werden aber umso mehr abgefeiert. Direkt
anschließend sind Ash im Zelt zu Gast und
rocken und posen ganz hervorragend, was ihnen das Publikum
mit tobenden Beifall dankt. Tool sind kurzfristig
vom Zelt auf die große Bühne "verbannt"
worden, um einen zu großen Massenandrang entgegenzuwirken.
Leider bleibt damit auch die ganze Atmosphäre der
Songs, das Licht/ Video sowie die Performance voll auf
der Strecke. Natürlich wird alles unglaublich perfekt
vorgetragen, und die Songs sind eh gut, aber ich beschließe
das Feld zu räumen und mir die Band ein anderes
Mal und unter idealeren Bedingungen anzusehen.
Jetzt erst mal eine große Pause, da ich Herrn
Pop schon ca. 1000 mal und Faithless auch
schon öfter sehen durfte. Den Abschluß des
diesjährigen Hurricane Festivals dürfen
dann um 22.00 Uhr Placebo bestreiten. Letztes
Jahr noch im Nachmittagsprogramm auf dem "Bizarre"
und jetzt Headliner? Die Engländer können
ihrer Rolle, zu meiner Überraschung, gerecht werden
und überzeugen mit einem ausgewogenem Set und einer
glamorösen Performance.
Aus allen drei Alben wird etwas zum Besten gegeben,
und auch alle Damen sind glücklich, als endlich
"my sweet prince" mit Herrn Molko am E-Piano
erklingt. Nach dem Auftritt ist die Stimmung hinter
der Bühne eher locker, und die Ordner entdecken
auch nicht den Lurchreporter, der sich unauffällig
in den Backstagebereich, und somit auf die Placebo
Aftershow-Party, schleichen kann.
Für alle anderen heißt es entweder abreisen,
im Partyzelt feiern oder mit Zeltstangen und ähnlichem
auf allem herumgeschlagen, das nur laut genug ist. Diese
Aktionen werden anscheinend zu einem festen Bestandteil
auf Festivals und bilden auch den Soundtrack zu der
letzten Nacht auf dem Gelände, wobei aber nichts
oder niemand zu Schaden gekommen sein soll.
Abschließend kann man sagen: Es gab ein paar
Überraschungen und ein paar Erwartungen konnten
wohl leider nicht erfüllt werden. Trotzdem war
das Hurricane wieder einmal ein Highlight des Festivalsommers
und konnte durch eine sehr gute Organisation, ein hervorragendes
Line-up und einer guten Atmosphäre die meisten
davon überzeugen, nächstes Jahr wieder nach
Scheßel zu pilgern.
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