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Hurricane 2001 
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Viele Leute werden das vorletzte Hurricane Festival noch gut in Erinnerung behalten haben. Leider aber nicht nur wegen des unglaublichen Lineups oder dem tollem Wetter, sondern wegen bis zu 10 Stunden(!!!) Stau. Alles anders dieses Jahr!!!! Durch eine weiträumige Umleitung kommt es den ganzen Freitag nicht zum Stau, dafür aber zum Regen. Und das natürlich als wir unsere Zelte aufschlagen. Da helfen auch keine Regencapes oder Müllbeutel ... erst mal richtig nass werde. Um die lange Trockenzeit zu überbrücken, werden dann auch schon die ersten Bierdosen geöffnet ... alles im Namen des Lurchen versteht sich.

Doch bis zum offiziellen Beginn des Festivals am Samstag um 11 Uhr gilt es noch eine Menge Zeit totzuschlagen, was man mir am nächsten Tag auch ansieht, als ich Superpunk nach ihrem Auftritt treffe. Was wir unter Kater-, Kaffee- und Red Bull-Einfluss so zu besprechen hatten, könnt ihr hier nachlesen. Den undankbaren Job des Openers erfüllten die Hamburger mit Bravour, indem sie der Situation irgendwie eine intime Atmosphäre verliehen. Sie gingen die ganze Sache sowieso ganz locker an standen auf der großen Bühne so eng beieinander, wie es nur möglich ist. Blackmail füllten den Platz vor der Bühne dann schon merklich, obwohl sie nun wirklich jeder schon einmal gesehen habe dürfte. Die Gitarrenwände, die die Band produziert, hauen dann auch den letzten Rest des Katers aus meinem Schädel, doch das Set wird wie eh und je irgendwann langweilig und ich verdrücke mich.

Die Zeltbühne ist meiner Meinung nach immer besonders gut mit Bands sowie Stimmung besetzt, was mit Phoenix auch direkt bestätigt wird. Die Kritikerlieblinge lieben es, wie auch auf ihrem grandiosen Album, abwechslungsreich. Von Latino-Rhythmen bis zu Dancefloor wird hier alles präsentiert. Das überzeugt dann auch viele Leute, denen die Band noch unbekannt war, denn das Zelt füllt sich zum ersten Mal richtig und kaum jemand verlässt es vor dem Ende des Auftritts. Als es dann doch etwas leerer wird, ist klar, dass auf der Hauptbühne Incubus beginnen. Auch diese Band hat sich mit ihrem Mix aus Funk, Rock und Pop viele neue Freunde und wohl auch Freundinnen gemacht (als sich der Frontmann mit freiem Oberkörper und einer riesigen Trommel zwischen seinen Beinen präsentiert, sagt meine Nachbarin doch wirklich: "Na wenn das mal kein Phallussymbol ist!!!!").

Auf den skandinavischen Schweinerock der Hellacopters habe ich irgendwie keinen Bock und kann so meine erste Überraschung mit JJ72 erleben. Die Engländer überzeugen trotz miesen Sounds (wie übrigens die ganze Zeit im Zelt) mit einer super Performance der mir zum größten Teil unbekannten Lieder. Gesanglich weicht der Sänger nicht die Spur von der Konserve ab und musikalisch schaffen sie es, der ganzen Sache noch wesentlich mehr Dampf zu geben.

Mit den Fünf Sterne Deluxe kommt dann auch schon die nächste Überraschung. Hip Hop taugt einfach zum Hüpfen und Feiern, weshalb Tobi, Bo und die anderen Sternchen das Publikum auch sofort im Griff haben und sich von der Partygemeinschaft feiern lassen. Mann versucht sogar die hinteren Reihen, mit Aufforderungen zum Schreien, aus der Reserve zu locken. Als das nicht so richtig klappen will, quittiert man die Sache einfach mit: "Das sind bestimmt alles Rockä! Komm, dann machen wir jetzt eben ohne die, Digger.

Jetzt wird es stressig, da ich unbedingt Blumfeld im Zelt sehen möchte, um dann pünktlich zu dem wahrscheinlich ersten echten Highlight des Tages zu kommen: Queens of the Stoneage und Deftones!! Doch vorerst präsentieren sich die Hamburger von Blumfeld einem gut gefülltem Zelt. Genau wie bei JJ72 wirken die Songs rauer, was einen schönen Kontrast zu den kitschigen und ruhigen Songs der letzten beiden Alben bietet. Aber trotzdem: Rocken ist anders.

Der erste große Dämpfer kommt dann leider mit den Queens. Schlechter Sound und ohne Druck (aber dafür mit nacktem Bassisten) lassen einen wehmütig an das Konzert vor zwei Jahren im Zelt denken. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich bei der Band, die zwei der ganz großen Platten der letzten Jahre veröffentlicht hat, langweilen würde. Aber als wenn das nicht noch genug wäre, setzen die Deftones noch einen drauf. Hier geht nun gar nichts mehr. Der Sound sowie das Zusammenspiel gleichen eher einem unförmigen Gebilde aus wabernden Sounds, als den punktgenau gespielten, emotionsgeladenen Liedern des grandiosen "White Pony".

Auch ein wahrscheinlich stockbetrunkener (oder so etwas) Chino Moreno kann mit Winseln und Kreischen den Karren nicht aus dem Dreck ziehen und geht sozusagen mit ihm unter. Das Highlight des Gigs ist wohl eine durchaus gelungene Coverversion des Weezer Hits "say it ain't so". Durch diese zwei dicken Enttäuschungen zu erhöhtem Bierkonsum gezwungen, mag ich mir The Offspring nur aus der Ferne anhören und entscheide mich für den Rückzug zum Zeltplatz als die Toten Hosen die Bühne betreten (obwohl erhöhter Bierkonsum bei den Düsseldorfern wohl eher normal ist).

Später wird mir noch von einem großartigem K's Choise Auftritt, von einer atmosphärischen Thomas D Show, sowie irgendwie langweilenden (zumindest nach einiger Zeit) Stereo MC's berichtet. Komischerweise hat niemand die Hosen gesehen ... oder keiner gibt es zu. Als ich mich dann zu dem Partyzelt aufmache, muss ich jedoch schnell feststellen, dass Abfeiern nur mit 100 Jahren Anstellen möglich ist. Schade, denn hier ist immer die Hölle los und die Stimmung ausgezeichnet bis in die frühen Morgenstunden. Der Sonntag wird von den Funpunkern und Lieblingen des Lurchen, den Donots eröffnet. Wer weiß schon, ob es knallharte Marketingstrategie oder ein Bookingfehler ist die Jungs zu diesem Zeitpunkt spielen zu lassen, denn es versammelt sich eine große (ich möchte eigentlich "riesige" sagen!!) Menschenmasse vor der Bühne die sofort mit 150% dabei sind und pogen und mitgröhlen als sei es keine 11.00 Uhr. Wie immer geben die Donots alles und man dankt es ihnen. Ein Bekannter der Band erzählt später, dass dies wohl einer der besten Gigs der Band gewesen wäre, den er gesehen hat. Außerdem wird im Pressebereich von ca. 5000(!!!!) Leuten gemunkelt und man spekuliert, wann die Jungs eigentlich hätten spielen sollen.

Aber mit Ausruhen ist nicht, denn hier kommen The Hives! Der 60's R'n'R in schicken Anzügen und einer unglaublichen Show (die hauptsächlich daraus besteht, immer wieder zu wiederholen, dass man die größte Band der Welt ist) überzeugen das Publikum und es werden nur geringfügig weniger Leute vor der Bühne, die tanzen und das Punkprogramm( pogen, diven) abspulen.

Der Mob lichtet sich, zu meinem Erstaunen, erheblich bei Jimmy Eat World. Irgendwie rockt der Emosound nicht genug, obwohl sich die Musiker alle Mühe geben. Schwerer Stand bei den Vorgängern! Die große Zeit der H-Blockx ist bekanntlich schon gewesen und wir werden sie wohl nun häufiger als Lückenbüßer und auf Schützenfesten (erinnert euch an meine Worte) sehen. Ich hoffe, jeder, den ich kenne, hat die Zeit bis zum Weezer Gig genutzt, um irgend etwas anders zu tun!

Z.B. Fantomas im Zelt anschauen. Die Band um Ex-Faith no More Sänger Mike Patton macht allein durch ihr prominentes und außergewöhnliches Lineup neugierig. Neben dem Stimmakrobaten sind auch noch Dave Lombardo (der Ex-Slayer mit den schnellen Füßen), King Buzzo (Melvins) und der Mr. Bungle-Bassist, mit von der Partie. Wer die Platte von Fantomas kennt, weiß auch, dass sich das volle Zelt bald stark leeren wird, und ich freue mich schon vorher wie bescheuert auf die verdutzten, verängstigten Gesichter der Anwesenden. Denn was die um die Ohren geschleudert bekommen, ist alles, nur nicht leicht zu verdauen. Krach und Ruhe wechseln in Sekunden, genau wie die Musik. Schwer zu beschreiben, darum hier nur ein paar Stichwörter: Ruhe...schreien.....Doublebass....Ruhe....wimmern........Gitarrensolo....schreien.

Eine Band, auf die sich wohl eine Menge Leute gefreut haben, dürfte Weezer sein. Aber wenn mich dieses Festival etwas gelehrt hat, dann: Hohe Erwartungen neigen dazu, sich nicht zu erfüllen. So auch bei den Vorzeige-Indierockern, die meiner Meinung nach so etwas wie einen Promotionauftritt absolvieren. Es wird wohl das komplette, frische "Green Album" gespielt, "Pinkerton" ignoriert und nur wenig von ihrer Hit/Debüt Platte vorgetragen. Die Stücke des Erstwerks werden aber umso mehr abgefeiert. Direkt anschließend sind Ash im Zelt zu Gast und rocken und posen ganz hervorragend, was ihnen das Publikum mit tobenden Beifall dankt. Tool sind kurzfristig vom Zelt auf die große Bühne "verbannt" worden, um einen zu großen Massenandrang entgegenzuwirken. Leider bleibt damit auch die ganze Atmosphäre der Songs, das Licht/ Video sowie die Performance voll auf der Strecke. Natürlich wird alles unglaublich perfekt vorgetragen, und die Songs sind eh gut, aber ich beschließe das Feld zu räumen und mir die Band ein anderes Mal und unter idealeren Bedingungen anzusehen.

Jetzt erst mal eine große Pause, da ich Herrn Pop schon ca. 1000 mal und Faithless auch schon öfter sehen durfte. Den Abschluß des diesjährigen Hurricane Festivals dürfen dann um 22.00 Uhr Placebo bestreiten. Letztes Jahr noch im Nachmittagsprogramm auf dem "Bizarre" und jetzt Headliner? Die Engländer können ihrer Rolle, zu meiner Überraschung, gerecht werden und überzeugen mit einem ausgewogenem Set und einer glamorösen Performance.

Aus allen drei Alben wird etwas zum Besten gegeben, und auch alle Damen sind glücklich, als endlich "my sweet prince" mit Herrn Molko am E-Piano erklingt. Nach dem Auftritt ist die Stimmung hinter der Bühne eher locker, und die Ordner entdecken auch nicht den Lurchreporter, der sich unauffällig in den Backstagebereich, und somit auf die Placebo Aftershow-Party, schleichen kann.

Für alle anderen heißt es entweder abreisen, im Partyzelt feiern oder mit Zeltstangen und ähnlichem auf allem herumgeschlagen, das nur laut genug ist. Diese Aktionen werden anscheinend zu einem festen Bestandteil auf Festivals und bilden auch den Soundtrack zu der letzten Nacht auf dem Gelände, wobei aber nichts oder niemand zu Schaden gekommen sein soll.

Abschließend kann man sagen: Es gab ein paar Überraschungen und ein paar Erwartungen konnten wohl leider nicht erfüllt werden. Trotzdem war das Hurricane wieder einmal ein Highlight des Festivalsommers und konnte durch eine sehr gute Organisation, ein hervorragendes Line-up und einer guten Atmosphäre die meisten davon überzeugen, nächstes Jahr wieder nach Scheßel zu pilgern.

 

 

 

 

 

 

 

 
>> Mehr Infos zum Hurricane 2001 findet ihr hier
 
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