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21. Rheinkultur 2003 
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Bonn, Rheinaue I'm only happy when it rains...

ist eigentlich schon seit Jahren (mit Ausnahme von 2002) das Motto der R(h)einkultur. Der Wetterbericht verhieß auch, viel Glück zu bringen, doch leider (?) war von Regen den ganzen Samstag nix zu sehen. Da heißt es, gute Miene zum trockenen und sonnigen Spiel zu machen, um sich mal wieder gepflegt das Trommelfell durchrocken zu lassen. Das Line-up versprach einiges.

Als erstes durfte ich die Turbo A.C.s und die damit verbundene Hochkonjunktur für Pornosonnebrillen und Trucker-Schirmmützen erleben. Die New Yorker zelebrierten auf solide Art und Weise ihren Pomadenpunk, vornehmlich mit Songs von der neuen Scheibe "Automatic".

Neuerdings darf man ja auch mitgröhlen bei den Refrainchören mit Hitpotential, so dass die Stimmung für die Uhrzeit mehr als okay war.

Als kurzfristiger Ersatz für Smoke Blow spielten danach Atreyu. Erst ein paar Tage vorher mussten Smoke Blow aus Krankheitsgründen absagen, was zu ein paar entsetzten Gesichten bei den angereisten Fans der Kieler Deutsch-Punker führte. Atreyu sind zur Zeit als Support von Boysetsfire unterwegs, so dass sie spontan einspringen konnten. Die Emocore-Band mit Metal-Hintergrund schaffte es zwar, die Power ihres viel umjubelten Erstlings "Suicide notes and butterfly kisses" auf die Bühne zu bringen, obwohl sie wie viele andere Bands mit anfänglichen Soundproblemen zu kämpfen hatten, aber das Publikum schien nicht richtig aufzutauen (Wohl zu viele Smoke Blow Fans?!). Diese Band sollte man unbedingt im Auge behalten!

Anschließend die positive Überraschung des Festivals: Union Youth! Bis jetzt nur auf Supporttour mit mcclusky (zugegeben etwas desinteressiert) gesehen, wusste ihr Auftritt voll und ganz reinzuhauen. Mit brachialer Power und Emotionen gelang es der Band, ihr Album "The Royal Gene" technisch herausragend den Zuhörern um die Ohren zu rocken, so dass mich überhaupt nicht mehr wundert, dass manch Verwegener schon den vorsichtigen Vergleich mit Nirvana gezogen hat. Smells Like Grunge-Nostalgie! Leider konnte ich dieses Spektakel nur die ersten 20 Minuten verfolgen, da eine Hamburger Band zur anderen Bühne gerufen hat (Danke, Organisatoren!).

Jau, Kettcar laden zum Tanz, mal wieder vor einer unglaublicher Zuschauerzahl. Nach der vom Moderator herangezogenen, durchaus treffenden (!?) Analogienfolge: 1954 WM-Final-Sieg der Deutschen, 1963 Kennedys Spruch: "Ich bin ein Berliner." und 2002 die Veröffentlichung von "Du und wieviel von deinen Freunden"!!, betrat offensichtlich peinlich berührt die Band die Bühne, um uns anschließend mit einem 'Wie geil war das denn!' zu begrüßen.

Die Playlist entsprach der des Hurricane-Auftrittes, inklusive des grandiosen "Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt", von Markus in bester Songwritermanier als Zugabe zum Besten gegeben.

Sehr spaßig drauf war die Security, die zwischenzeitlich als Cheerleader einsprangen, was ihnen den Lob als 'weltbeste' Security seitens der Band einbrachte. Nicht nur die Herren und Damen in den gräßlichen T-Shirts sangen jedes Lied lauthals mit. Ich hatte den Eindruck, dass die Band ihren momentanen Erfolg in Deutschland noch nicht so ganz realisieren konnte, sowohl beim Hurricane als auch auf der Rheinkultur standen sie am Ende mit kindlich-glänzenden Augen auf der Bühne und bedankten sich artig und köpfeschüttelnd bei den Tausenden von Fans. Diese Band und deren Label 'Grand Hotel van Cleef' haben es aber auf jeden Fall verdient und in ein paar Jahren werden die Hamburger auch nicht mehr am frühen Nachmittag spielen müssen. Wetten, dass...?

Um 20 Uhr betrat auf der roten Bühne dann Mister Sex'n'Roll, Danko Jones, aus Kanada die Bühne, der mit seinem nicht gerade klein ausgefallenen Selbstbewusstsein das Publikum zu irritieren wusste. Aber sein furztrockener Bluespunk wurde mal wieder perfekt vorgetragen, so dass ein Großteil der Zuhörer vom Kopfschütteln zum Kopfnicken überging. Dankos extravagante Oral-Akrobatik legt wohl jede Frau flach. Also: "If you wanna do it do it right!"

Statt mir die Sportfreunde zu Gemüte zu führen, blieb ich bei der roten Bühne, um die Emo-/Hardcore-Heroen Boysetsfire (und den derzeitigen Hype um jene welche) zu erleben. Zusätzlich gespannt war ich, wie BSF es schaffen würden, ihr doch eher uninspirierend und charakterlos dahinrockendes neues Album live umzusetzen.

Dann gleich die erste Überraschung beim Opener: ich wollte eigentlich schon den Zeigefinger in den Himmel strecken und anfangen "Rise..., rise..., rise...!!!" zu brüllen, aber es ertönte nicht "After the eulogy" vom gleichbenannten Über-Album, sondern "Release the dogs" von "Tomorrow come today". Ansonsten hörte ich eine erschreckend lahme Show, was hoffentlich am unteriridschen Sound lag (Mein Nebenan erkundigte sich noch freundlich, ob denn überhaupt Gitarren dabei wären...).

Der Schwerpunkt lag (leider) eindeutig auf dem neuen Album, zum Glück spielte sie auch den Ohrwurm "Last year's nest" und zum Schluss natürlich "Rookie", das wirkliche Highlight. Die Stimmung war durchgehend hervorragend, ich war aber trotzdem enttäuscht. Diese Band ist definitiv keine Festival- sondern eine Club-Band!

Von den Hellacopters habe ich dann nicht mehr soviel mitgenommen, durfte ich sie doch schon auf dem Hurricane bewundern. Der Moderator Rocco Klein verkündete freudestrahlend, dass es den Veranstaltern nach Jahren endlich gelungen sei, die Götter des Schweinerocks zu verpflichten. Recht hat er, was ihm auch die treue Anhängerschar dieser Band bekundeten! Ich schaute noch kurz bei De-Phazz vorbei, merkte aber, dass diese Jazz-Funk-Blues-Fusion gar nix für mich ist.

Das war sie also dann, die 21. Rheinkultur. Ich habe schon musikalisch erlebnisreichere erlebt, so dass die Überschrift doch ein Quentchen Wahrheit beinhaltet. Für die Veranstalter, die nach der Insolvenz der Concert Cooperation Bonn vor einer großen Herausforderung standen, war das Event mit 170.000 Besuchern ein voller Erfolg, der Ruf als eines der größten Umsonst-und-draußen-Festivals in Deutschland wurde eindrucksvoll untermauert. (tr)

 
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