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Rock am Ring 2003 – Erlebnisbericht 
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Sommer, Sonne, Sonnenschein, zieh ich mir furchtbar gerne rein, das war nie genug…

Mit solchen oder ähnlichen Slogans im Hinterkopf pilgerten dieses Jahr wieder knapp 80.000 Festivalfreaks zum Rock am Ring Open-Air und ließen sich durch außergewöhnlich gutes Wetter und ein megafettes Lineup ein Wochenende lang verwöhnen. Solch drei tollen Tage wird man dieses Jahr in der Festival Landschaft wohl vergebens suchen.

Nach einem fünfstündigen "Feuerwehrauto-Ritt“ erreichten wir am Donnerstagabend die wohl berühmteste Rennschleife der Welt, die in den kommenden Tagen ganz im Zeichen dröhnender Rockmusik stehen sollte. Zum allgemeinen Erstaunen war die Nordschleife, unser Zuhause der letzten Jahre, bereits brechend voll. Aber dank netter Zeltnachbarn und charmantem Verhandlungsgeschick konnten wir uns noch einen Platz bei Kilometer 3 sichern. Schwein gehabt, kann man da nur sagen. Das Campingareal der “Grünen Hölle“ zog sich nämlich bis Kilometer 12, von wo aus man schon mit dem regelmäßig verkehrenden Shuttelbus eine gute Stunde bis zum eigentlichen Schauplatz braucht. Hüllen wir mal besser den Mantel des Schweigens über die Dauer eines eventuellen Fußmarsches.

Absolut die Krönung ist das alljährliche Schaustellen der dicksten Anlagen und der kuriosesten Eigenbauten. Noch bevor das erste Riff auf der Hauptbühne angestimmt wird, herrscht bereits auf allen Campingplätzen rund um die Centerstage Highlife, die Partypeople feiern dort schon seit Tagen ihr eigenes Festival. Den Vogel schoß diesmal ein 40 Tonnen schwerer Truck ab, der von seinen Besitzern zu einem Wohnzimmer auf Rädern umfunktioniert wurde. Gleichzeitig diente er auch noch als Stage für die kleinen Kombos dieser Welt. Denn bekommt man als Nachwuchsband auf den großen Bühnen keine Chance, so spielt man eben auf den Zeltplätzen. Die besoffenen und bekifften, denen der tägliche Weg zum Festivalgelände zu weit ist (das gibt es auch!) danken es Beifallstürmen.

Unser Redakteur Guido schien in der ersten Nacht auch schon ein paar Stunden zuviel in die Alkflasche geschaut zu haben. Er versuchte mit klitschnassen, gerade gerodeten Bäumchen ein Lagerfeuer zu starten, was natürlich voll in die Hose ging. Guido gab zwar regelmäßig Spiritus auf das Holz (bitte nicht nachmachen!!!), aber das auch immer nur dieser brannte, schien er nicht mehr zu checken. “Es brennt, ich habs geschafft!“, freute er sich seines Lebens, unsere Crew schüttelte nur den Kopf.

Vor allem Dirk erboste sich immer mehr, da sein Vorrat an Spiritus so langsam zu neige gehen drohte. Beherzt schritt er ein, und rettete den letzten Rest der Starthilfe für unseren Grill.

Gegen 4 Uhr morgens war dann für 3 Stunden schlafen angesagt. Um 7 in der Früh legte nämlich das selbsternannte Weckkommando los, und rieß alle in ihrer Umgebung befindlichen Leudde mit unerträglichem Sirenengeheul aus den tiefsten Träumen.

Beim ersten Blick aus dem Zelt traute man seinen Augen nicht. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um die 25 Grad. Sollte es wirklich war sein?! Gibt es dieses Jahr keinen Regen?

So wie der Tag begann, sollte er auch enden. Grandiose Bands standen an diesem Freitag auf dem Programm. Die Auswahl reichte vom “zarten Pop“ der Cardigans bis hin zum “Geknüppel“ der Murderdolls. Mit The Donnas, Blackmail, Dandy Warhols, Silverchair, Iron Maiden, Zwan, Molotov, Reamonn, Taproot, The Hives und vielen anderen fiel es wahrlich nicht leicht, seine Leckerbissen herauszusuchen.

Einer der Höhepunkte auf der Alternastage war mit Sicherheit der Auftritt der Hives. Über 20.000 Menschen hatten sich vor der “kleinen Schwester der Hauptbühne“ eingefunden und sie sollten ihr Kommen nicht bereuen. Die schwedische Spaßkappelle, Infos unter www.burningheart.com, konnte mit ihrem würzigen Cocktail aus trashigem Retro-Rock und funky Punk die Massen in kürzester Zeit in ihren Bann ziehen. Niemand konnte und wollte sich dieser Ausstrahlungskraft entziehen und tanzte zu “Main Offender“, “Hate to say I told you so“, “a.k.a I-D-I-O-T“ oder “Black Jack“ ab wie ein wildgewordenes Schwein. Grandios!

Für alle Alt-Metaller aber war an diesem Tage “Iron Maiden“ das Pflichtprogramm. Bruce Dickinson und seine fünf Bandmitglieder Steve Harris, Dave Murray, Adrion Smith, Janick Gers und Nicko McBrain enterten als Headliner gegen 22 Uhr die Centerstage und spielen auch nach knapp 25 Jahren im Rockgeschäft noch ganz oben mit.

Das ist nach diesem Auftritt Gewissheit. Mit den ultracoolen Evergreens der Heavy-Metal Szene “Wratchild“, “Run to the Hills”, “Hollowed be thy Name”, “Iron Maiden” und “The number of the beast” rissen sie das begeisterte Publikum zu Applausorgien hin, wie man sie selten erlebt hat. Wer mehr zu dieser einmaligen Metal-Band erfahren will, auf der Internetseite www.ironmaiden.com findet ihr alles, was das Herz begehrt.

Den musikalischen Abschluß gab es auf dem Talent-Forum durch die Nu-Metal Band Taproot. Vor leider nicht mehr ganz so zahlreichem Publikum schrien und bretterten sie ihren Sound heraus, doch phasenweise wirkte das ganze aufgesetzt und erinnerte etwas an ihre erfolgreicheren Kollegen von Linkin Park. Doch auch sie gaben ihr bestes, schließlich ist es nicht ganz einfach zu später Nacht den stark unter flüssigen Drogen stehenden Leuten einzuheizen.

Am Samstag überhörten wir gottseidank die überaus nett gemeinten Ruhestörungen (nochmals vielen Dank ihr blöden Hampelmänner), und konnten unsere Augen bis in den Vormittag geschlossen halten. Dann aber wurde die Hitze im Zelt so unerträglich, dass wir raus mussten.

Mario, unser allseits geschätzter Spaßvogel, kühlte seinen ausgetrockneten Körper ersteinmal auf der anderen “Straßenseite“ bei unseren Korntrinkern aus dem Ostfriesenland. Ein paar Stunden später stellte sich sehr zu unserer Freude heraus, dass er dieses besser gelassen hätte. Denn während wir vor der Centerstage zu den Klängen von Clawfinger und Stone Sour lauschten, schlief Mario auf einer der zahlreichen Dixi-Toiletten stundenlang seinen Rausch aus.

Aber liebe Leser, der Junge ist nicht immer so ekelig und dösig. Er hat auch sein gutes Herz. Am Freitag trafen wir ein nettes Mädel aus dem Erzgebirge, die aber völlig aufgelöst war, da sie ihre Eintrittskarte verloren hatte. Mario erkannte ihr unendliches Leid sofort, und verkaufte eine seiner zuviel organisierten Tickets für den grandiosen Rabatt von 5 Euro. Eine bemerkenswerte soziale Geste!

Musikalisch war dieser Samstag durch die Absagen der beiden “Überbands“ Linkin Park und Limp Bizkit im Vorfeld arg gerupft worden, doch arbeiteten die Organisatoren im Hintergrund auf Hochtouren, um in etwa gleichwertigen Ersatz zu finden. Das ist ihnen auch gelungen. Mit Placebo und Clawfinger konnten zwei gestandene Größen kurzfristig für das Pfingstfestival verpflichtet werden. Doch außer diesen beiden spielten unter anderem noch Surrogat, Dave Gahan, Evanescence, Virginia Jetzt!, Audioslave, The Hellacopters, Venice, und Apocalyptica auf den drei Bühnen auf.

Einen klasse Auftritt legten die Jungs von Audioslave hin. Die neue “Alternative-Supergroup“ ließ während ihrer knapp anderthalbstündigen Show keine Wünsche offen, spielte alle Kracher wie “Cochise“, “Gasoline“, “I am the Highway“ und “Set it off“, bestach durch unglaublich fetten Sound und den genialen Gesang von Frontmann Chris Cornell. Im Netz findet ihr unter www.audioslave.com mehr zur Band um die Ex-Rage against the Machine Mitglieder Tom Morello, Brad Wilk und Tim Commerford.

Auf der Talentbühne sorgte eine Rock-Pop Formation aus Deutschland für viel Aufsehen. Die Newcomerband Virginia Jetzt! konnte mit ihrem unverkennbaren Stil nicht nur “kleine Mädchen“ vom Hocker reißen, sondern begeisterte ganze Massen. Im Augenblick sind sie mit ihrer Single “Von guten Eltern“ in aller Munde, das erste Album “Wer hat Angst vor Virginia Jetzt!“ könnt ihr seit einigen Tagen bei jedem gut sortierten Plattenhändler bekommen.

Wen die selbstgeschriebenen Tourtagebücher der netten Burschen interessieren und weitere News haben möchte, schaut am besten gleich mal auf die Homepage www.virginia-jetzt.de. Dort gibt es auf einer toll gemachten Seite alles weitere rund um die süßen Typen aus Elsterwerder.

Zu später Nacht hatten auf der Talentstage noch die Hellacopters ihr großes Rock am Ring Gastspiel. High energy Rock’n’Roll der allerersten Güte mit fetten Gitarren und peitschendem Schlagzeug ganiert, das sind die Hellacopters aus Schweden. Diese Kombo muß man als Rock-Fetischist unbedingt mal gesehen haben. Mit ihren Alben “Grande Rock“, “High Visibility“ und “By the Grace of God”, aus denen sie auch zahlreiche Songs am Ring spielten, haben sie sich in der Musikszene unsterblich gemacht. Aktuelle Tourdaten und mehr unter www.hellacopters.com.

Auf der Hauptbühne fungierten Placebo als “Rausschmeißer“. Brian Molko und Anhang hatte vor ihrem Auftritt bei Rock am Ring schon einen Gig beim Pinkpop-Festival (www.pinkpop.nl) in Holland in den Beinen. Aber trotz dieser Strapatzen hauten die Briten nocheinmal richtig auf die “Scheiße“ und lieferten ein unvergessliches Konzert ab. Über 30.000 Menschen hatten bis kurz nach 1 Uhr ausgehaart, um sich von Hits wie “Taste in men“ oder “Slave to the wage“ begeistern zu lassen. Nach gut 2 Stunden nonstop Power-Rock feierten die Massen Placebo und bedankten sich für den Auftritt von Brian Molko, Stefan Olsdal und Steve Hewitt mit langanhaltendem Beifall.

Mittlerweile war die Uhr bei 4 Uhr morgens angekommen und wir eilten erschöpft aber glücklich zu unseren Zelten zurück.

Am Morgen des letzten Tages spürte dann jeder einzelnen unseres Teams so langsam die Knochen seines Körpers, und es war schön zu wissen, dass es heute Nacht wieder nach Hause geht. Doch bevor es soweit war, standen die eigentlichen Höhepunkte des Festivals noch an. Ich möchte mal behaupten, die Hälfte aller Besucher ist in erster Linie für den heutigen Tag angereist. Denn mit Metallica, Marilyn Manson, Queens of the Stone Age, Disturbed, Boysetsfire, Danko Jones und The Cooper Temple Clause stand das Who is Who der Rockwelt auf den Bühnen am Nürburgring. Ergänzt wurde dieses Lineup durch die Hip Hop Fraktionen ASD, Beginner, Patrice, Deichkind und den “Allstar“ Moby.

Was nicht sein konnte und nicht sein durfte, nämlich ein trockenes Rock am Ring, fand in den Nachmittagsstunden seine Bestätigung. Der Himmel hatte sich über Stunden hinweg über der Eifel so zusammengezogen, dass es zu regnen und gewittern begann. Doch das Unwetter hielt sich noch in Grenzen. Es hätte trotz der starken Regenfälle durchaus schlimmer kommen können. Da viele Leute noch auf den Campingplätzen hausten, boten die Zelte und Autos Schutz vor dem Regen und kaum jemand wurde richtig durchnässt.

Als Rockfan hätte man die Centerstage eigentlich um 15 Uhr aufsuchen und seinen Platz bis Mitternacht eisern verteidigen müssen. Hier tobte für knapp 10 Stunden der Bär! Die Hardcore-Rock Band Boysetsfire und das Metal-Quartett Disturbed dienten den richtig großen Acts als Einheizer. Sie verstanden es, das Publikum mit einer guten Show und geilen Songs auf ihre Seite zu bringen.

Als die Stoner-Rock Formation der Queens of the Stone Age die Bühne betrat, ging die Crowd vor der Stage das erste Mal so richtig ab. Mit alten aber auch vielen Songs vom neuen Album “Songs for the Deaf“ verbreiteten Nick Oliveri und Josh Homme 1a Stimmung. Leider war nach einer Stunde schon wieder alles vorbei. Aber schaute man auf den Zeitplan, erwartete uns bereits das nächste Highlight.

Chino Moreno, Frontmann der zurzeit wohl angesagtesten Band im Metal/ Hardcore Bereich, stand schon in den Startlöchern. Mit seinen Deftones schrie er die Centerstage förmlich in Grund und Boden. Ungeachtet dessen, dass der Auftritt in einen engen Zeitplan eingebettet war, hauten die Jungs jeden bekannten Song aus ihrem Repertoire. “My own summer“, “Digital bath“, “Minerva“, “Around the four“ und “Change“, das waren die Dinger, die das Volk hören wollte. Chino schien an diesem Abend in Topform zu sein, man merkte ihm und der ganzen Band wahre Spielfreude an. Infos zum neuen Album und allem weiteren rund um die Deftones unter www.deftones.com .

Und dann war Horrorshow angesagt. Marilyn Manson, der König des Schockrocks, gab sich die Ehre und zeigte mal wieder eine außergewöhnlich extravagante Show. Seine Performance gibt jedes mal Anlass für wilde Diskussionen, in Italien wurde unlängst ein Konzert von ihm verboten. Manson ist ein Entertainer, an dem sich die Geister scheiden. Entweder man liebt ihn oder man kriegt das kalte Kotzen, wenn man nur seinen Namen hört.

Die Menschen vor der Bühne am Ring waren begeistert. Mit Klassikern wie “The beautiful people“, “The Dope show“, “Nobodys“, “I don’t like the drugs“, “mobscene” und “The fight song” jagte der Mann, dem der Schalk im Nacken sitzt, seinen Jüngern eine gehörige Portion “Ehrfurcht“ ein.

Nach 90 Minuten bester Unterhaltung war der Spuk aber vorüber und die Bühne wurde für eine Band hergerichtet, auf die seit Wochen jedes Objektiv fixiert ist. Metallica!

Um 22 Uhr war es soweit. James Hetfield, Kirk Hammett, Rob Trujillo und Lars Ulrich kamen unter dem tosenden Applaus von gut 50.000 Leuten auf die Centerstage, und brannten von Beginn ein Feuerwerk der Extraklasse ab. Sie überzeugten vor allem ihre Kritiker und die vielen Skeptiker, die bezweifelten, ob die Band noch das alte Feuer in sich habe. Vollgas von der ersten bis zur letzten Minute.war genau die richtige Antwort. Metallica machten ihrem Ruf als exellente Liveband alle Ehre.

Das Publikum rastete völlig aus und man sah weit und breit nur noch wehende Haare und moschende Metallheads. Die Titelauswahl reichte von uralt Hits wie “One“, “Master of Puppets“ und “Enter Sandman“ bis hin zu den 11 neuen Songs vom St. Anger Album, das seit dem 10.06. in allen CD-Abteilungen zu finden ist.

Bei ihrem Gig stach vor allem der neue Bassist Rob Trujillo hervor, da er endlich wieder die lange Haarpracht in die Band zurückkehren ließ. Aber auch von der künstlerischen Seite betrachtet gibt er der Band die nötigen neuen Impulse. Man darf in Sachen Metal von Metallica in den nächsten Jahren wieder ernsthaft etwas erwarten. News, Infos, Bandhistory und vieles mehr von den Amis unter www.metallica.com.

Gegen eins in der Nacht wurde das Kapitel Rock am Ring 2003 auf der Centerstage geschlossen. Auf den Nebenschauplätzen gingen die gesanglichen Darbietungen von Moby ebenfalls in die Endphase. Auch unsere Crew machte sich auf den Rückzug und den wohlverdienten Heimweg.

Ach hätt ich doch, ach hätt ich doch… bloß ein Ticket gekauft! Falls ihr jetzt solche Gedanken haben solltet, ärgert euch nicht! Rock am Ring 2003 ist vorbei und schrieb Musikgeschichte. Aber die 18. Auflage folgt schon 2004 und wird wieder ein Ereignis der ganz besonderen Art. Dann hoffentlich auch (wieder) mit euch.

Bis zum Hurricane - Euer Lurchteam

Konzert-Fotos : Jochen Melchior
 
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