| Die Happy - Alien ant Farm - Anti
Flag -Lagwagon - Sum 41- Placebo - Metallica
Mit
festem Blick auf das wohl spannendste und hochkarätigste
Eintagesfestival in diesem Jahr, das “Rock-am-See“
Open-Air in Konstanz, stellten wir schon 2 Tage im voraus
unseren Schlafrhythmus ein wenig um, gab es doch eine
sehr lange Nacht von Freitag auf Samstag zu bezwingen.
Ausgeruht
und bestens gelaunt machten wir uns Freitagabend aus
Swamp City auf die 750 km lange Reise gen Bodensee.
Zahlreiche McDonalds Zwischenstopps waren dabei Zeuge
eines gewaltigen Heißhungers unserer Crew. Aber
nicht nur Burger verschwanden in unseren Mägen.
Bei Nachttemperaturen um die 22 Grad schmeckten auch
diverse Milchshakes ausgesprochen lecker. Mitunter diverser
Pinkelstopps erreichten wir Konstanz ca. 2 Stunden später
als es unser Marschplan vorgab. Doch was solls. Es war
sechs Uhr in der früh und wir hatten noch reichlichst
Zeit bis zur ersten Kombo, die da hieß Die Happy.
Die
erste offizielle Aktion war natürlich der Griff
zur Bierflasche. Bei lauter Dancehall Musi aus unserem
Automobil “vernichteten“ wir ein Fläschchen
nach dem anderen und spielten gleichzeitig den Weckdienst
für einige tags zuvor angereiste Festivilianer.
Wir hatten schon zu früher Tageszeit eine Menge
Spaß.
Als
ca. gegen halb zehn Samstagvormittag die Konstanzer
Polizei uns und weitere Besucher bat, das angestammte
Parkareal zu räumen und auf andere Parkplätze
auszuweichen, kam es zu einer recht amüsanten Aktion.
Da alle unsere Leutz schon ordentlich Alkohol getankt
hatten, war natürlich niemand mehr fahrtüchtig.
Aber was sollten wir machen. Auto stehen lassen, und
wenig später zuschauen, wie es abgeschleppt wird?
Nein, das auf keinen Fall! Also schnappte ich mir den
Schlüssel und fuhr unter den Blicken der anwesenden
Polente die Karre beiseite.
Und
das schöne an der Geschichte: Es juckte keine Sau!
Obwohl eindeutig nicht mehr in fahrtüchtigem Zustand
ließen sie mich gewähren. Das verdient an
dieser Stelle mal ein Sonderlob für weitsichtiges
Handeln, liebe Polizisten! Ist also doch nicht immer
alles schlecht, was da so in Grünröcken für
Ordnung sorgt. Ein neuer Parkplatz war übrigens
schnell gefunden, und bis kurz nach 13:00 Uhr ließen
wir es uns dort noch richtig gut gehen.
Dann
ging es leicht schwankend endlich zum Festivalgelände
ins Bodensee-Stadion. Wir hörten schon aus weiter
Entfernung die rockende Röhre von Marta, der so
süß anmutenden Frontfrau von Die
Happy. Um wenigstens noch ein paar optische und
akustische Eindrücke von dieser Band gewinnen zu
können, beschleunigten wir unseren Schritt nochmals.
Endlich im weiten Rund angelangt, trauten wir unseren
Augen kaum. Ein bereits mit gut 15.000 Besuchern prall
gefülltes Bodensee-Stadion ging zu dem Popcore-Geschrammel
von Die Happy richtig nach vorn und feierte die Kombo
zu den Klängen vom “Rausschmeißer“
Big Boy enthusiastisch.
Schade,
da scheinen wir wohl etwas zu spät vor Ort gewesen
zu sein. Aber andererseits standen noch genügend
interessante Acts in den Startlöchern. So zum Beispiel
die Spaßformation der Alien
Ant Farm. Seit dem sie vor gut 2 Jahren der breiten
Öffentlichkeit durch das legendäre “Smooth
Criminal“-Cover vom King of Pop bekannt wurden,
schütten sie uns regelmäßig mit nett
gemachtem Pogo-Punkrock zu. Ihr Auftritt in Konstanz
zeigte einmal mehr ganz deutlich, dass es für Sänger
Dryden Mitchell und den Rest der Konsorten das größte
ist, wenn sie raus auf die Bühne dürfen und
ihre Mischung aus Power-Punk und Nu Metal live darbieten
können. Eine Klasse Show der AAF!
Nach
Alien Ant Farm zogen dann schon die “Newcomer“
Anti Flag in
den Ring. Auf diese Band war ich sehr gespannt, mehr
noch. Es war neben Metallica mein persönliches
Highlight beim diesjährigen Rock am See Festival.
Man hatte im Vorfeld viele Lobeshymnen gehört (“…schönster
melodischer amerikanischer Skatepunk…“,
“…feinstes Songwriting…“), und
Anti Flag bestätigten während ihres knapp
einstündigen Auftritts voll und ganz meine und
die Erwartungen der mittlerweile 20.000 Zuschauer. Echt
grandios was Sänger und Gitarrero Justin Sane mitsamt
seinen Kumpanen Chris#2, Chris Head und Pat Thietic
da aufs Bodensee Pakett zauberte. Richtig gut kamen
bei der Pogofraktion die Songs “We don’t
need it!“ und “What’s the Difference“
vom 2002er Erfolgsalbum “Mobilize“ an. Leider
war für eine ausgedehnte Bühnenshow im eng
gestrickten Zeitplan kein Platz und so wurden Anti Flag
von einer weiteren namhaften Punkband quasi von der
Bühne gekickt.
Lagwagon
aus San Francisco nahmen nun das Zepter in die Hand,
und dirigierten die Crowd in einen großen Circle
Pit. Ein Trash Hit jagte den nächsten. In ihrer
13 jährigen Bandgeschichte hat es die Kombo inzwischen
zu sechs Studioalben gebracht und mit ihrem gerade erschienen
Werk “Blaze“ haben sie neue Maßstäbe
gesetzt. Fetziger Punkrock meets Hardcore meets Pop.
Songs wie “Burn“, “Billionaire“,
“I must be hateful“ und “Never Stops“
waren die Garanten für eine sehr gelungene Liveshow.
In
der Umbaupause von Lagwagon zu Sum
41 übermannte mich dann leider Gottes eine
fiese Schlafattacke. Das Ergebnis dieses eigentlich
nicht wieder gut zu machenden Faupax, ich verpennte
die kanadischen “Mainstream-Erfolgpunker“
total, und wachte erste wieder bei den letzten Zuckungen
von Placebo
auf. Das einzige was ich euch zu Sum 41 , die 2001 ihr
Debütalbum “All Killer No Filler“ weltweit
über 3 Millionen mal verkauften, schildern kann,
sind Augenzeugenberichte meiner verehrten Kumpels. Demnach
sollen die Jungs gerockt haben wie hulle, und einen
bleibenden Eindruck bei den Punkjüngern hinterlassen
haben. Mit mehr kann ich aber diesmal nicht dienen.
Von
den letzten 20 Minuten der Placeboshow kann ich Euch
allerdings wieder erzählen. Und da muß ich
sagen, Brian Molko und Anhang enttäuschten mich
doch sehr. Die Performance reichte bei weitem nicht
an den klasse Auftritt bei Rock am Ring heran. Die Band
glänzte vielmehr durch lustloses herumzupfen an
den Instrumenten und band auch das Publikum gar nicht
so recht in den Gig mit ein. Keine Ansagen, keine Gefühlsregungen,
keine Zugaben, es war einfach nicht die Placebopower
anderer Konzerte. Schade eigentlich, denn bis jetzt
gaben alle Kombos bei diesem wunderbaren Open-Air 100%
Vollgas. Und das änderte sich beim mit Spannung
erwarteten Headliner kein bisschen. Es wurden sogar
noch einmal mindestens 10% draufgepackt.
Schon
Minuten bevor Metallica
auf die Bühne kamen, herrschte Ausnahmezustand
im Bodensee-Stadion. Die Leute drängten wie die
Irren nach vorne, und es passierte was passieren musste.
Als das Licht ausging und die ersten Töne erklangen,
brach die vordere Bühnenabsperrung. Der Auftritt
wurde sofort unterbrochen, und mit zahlreichen Helfern
versuchte man akribisch dieses “Loch“ wieder
zu flicken. Das Sicherheitsproblem erwies sich aber
schon nach wenigen Minuten als größerer Defekt,
so dass die Metallica-Fans eine geschlagene halbe Stunde
auf ihre Lieblinge warten mussten. Die Secu-Firma muß
sich für dieses Missgeschick mal ganz ernsthaft
die Frage erlauben lassen, ob man dieses Fan-Verhalten,
das zu dem Brechen der Absperrung führte, nicht
vorhersehbar war. Schließlich spielte Metallica
und nicht irgendein dahergelaufenes Schlagerkollektiv.
Doch ich will mich darüber nicht weiter auslassen,
vielmehr interessiert uns die Show!
Es
ging los wie Sau. Mit dem Opener “Battery“
hatten Hetfield, Hammett, Ulrich und Truijllo im nu
die 25.000 auf ihrer Seite und von dieser wichen sie
in den nächsten 2 Stunden nicht einen Zentimeter.
Was von Bandseite aus folgte war die beeindruckende
Zementierung ihres erreichten Status. Mit einem Best
of zeigten Metallica, dass sie zu einer der homogensten,
einfallsreichsten und kraftstrotzenden Rock/ Metalgruppen
der heutigen Zeit zählen. Ihre energiegeladene
und mit gigantischer Technik versehene Bühnenshow
ließ Metallica in den letzten Jahren zu der Kultband
schlechthin mutieren.
Bei
Rock am See feuerten sie einfach aus allen Rohren. “Eye
of the Beholder“, “For whom the bell tolls“,
“Fuell“, “St.Anger“, “Nothing
else matters“, “Sad but true“, “Fight
fire with fire”, “Enter Sandman”,
“Welcome Home”, “Whiplash”,
“Frantic”, “One”, “Master
of Puppets” und noch viele Gassenhauer mehr entrissen
James Hetfield & Co. ihrem unerschöpflichen
Reservoire. Begleitet wurden die Songs durch Feuerwerkssalven,
wie man sie teilweise nicht einmal zu Silvester vor
die Linse bekommt. Doch das war längst nicht alles.
Die
vier aus Amiland “badeten“ immer wieder
in atemberaubenden Feuerfontänen, die regelmäßig
aus “allen“ möglichen Poren der Bühne
herauszündelten. In Verbindung mit ihrem knochentrockenen
Metall war diese Feuershow ein unvergessliches Erlebnis
für jeden einzelnen im Stadion. Nach drei Zugaben
und nicht enden wollendem Applaus, verabschiedeten sich
die “schweren Jungs“ mit dem Hinweis, im
Winter 2003 noch einmal für
4 Konzerte nach Deutschland zu kommen.
Auch für uns neigte sich ein langer und ereignisreicher
Tag dem Ende und wir waren froh, ca. eine Stunde nach
Metallica’s Abgang unser Nachtquartier erreicht
zu haben. Wir sagen tschüß und Auf Wiedersehen
Rock-am-See 2003.
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