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Rock-am-See Festival - Konstanz, 16.08.03  
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Die Happy - Alien ant Farm - Anti Flag -Lagwagon - Sum 41- Placebo - Metallica

Mit festem Blick auf das wohl spannendste und hochkarätigste Eintagesfestival in diesem Jahr, das “Rock-am-See“ Open-Air in Konstanz, stellten wir schon 2 Tage im voraus unseren Schlafrhythmus ein wenig um, gab es doch eine sehr lange Nacht von Freitag auf Samstag zu bezwingen.

Ausgeruht und bestens gelaunt machten wir uns Freitagabend aus Swamp City auf die 750 km lange Reise gen Bodensee. Zahlreiche McDonalds Zwischenstopps waren dabei Zeuge eines gewaltigen Heißhungers unserer Crew. Aber nicht nur Burger verschwanden in unseren Mägen. Bei Nachttemperaturen um die 22 Grad schmeckten auch diverse Milchshakes ausgesprochen lecker. Mitunter diverser Pinkelstopps erreichten wir Konstanz ca. 2 Stunden später als es unser Marschplan vorgab. Doch was solls. Es war sechs Uhr in der früh und wir hatten noch reichlichst Zeit bis zur ersten Kombo, die da hieß Die Happy.

Die erste offizielle Aktion war natürlich der Griff zur Bierflasche. Bei lauter Dancehall Musi aus unserem Automobil “vernichteten“ wir ein Fläschchen nach dem anderen und spielten gleichzeitig den Weckdienst für einige tags zuvor angereiste Festivilianer. Wir hatten schon zu früher Tageszeit eine Menge Spaß.

Als ca. gegen halb zehn Samstagvormittag die Konstanzer Polizei uns und weitere Besucher bat, das angestammte Parkareal zu räumen und auf andere Parkplätze auszuweichen, kam es zu einer recht amüsanten Aktion.

Da alle unsere Leutz schon ordentlich Alkohol getankt hatten, war natürlich niemand mehr fahrtüchtig. Aber was sollten wir machen. Auto stehen lassen, und wenig später zuschauen, wie es abgeschleppt wird? Nein, das auf keinen Fall! Also schnappte ich mir den Schlüssel und fuhr unter den Blicken der anwesenden Polente die Karre beiseite.

Und das schöne an der Geschichte: Es juckte keine Sau! Obwohl eindeutig nicht mehr in fahrtüchtigem Zustand ließen sie mich gewähren. Das verdient an dieser Stelle mal ein Sonderlob für weitsichtiges Handeln, liebe Polizisten! Ist also doch nicht immer alles schlecht, was da so in Grünröcken für Ordnung sorgt. Ein neuer Parkplatz war übrigens schnell gefunden, und bis kurz nach 13:00 Uhr ließen wir es uns dort noch richtig gut gehen.

Dann ging es leicht schwankend endlich zum Festivalgelände ins Bodensee-Stadion. Wir hörten schon aus weiter Entfernung die rockende Röhre von Marta, der so süß anmutenden Frontfrau von Die Happy. Um wenigstens noch ein paar optische und akustische Eindrücke von dieser Band gewinnen zu können, beschleunigten wir unseren Schritt nochmals. Endlich im weiten Rund angelangt, trauten wir unseren Augen kaum. Ein bereits mit gut 15.000 Besuchern prall gefülltes Bodensee-Stadion ging zu dem Popcore-Geschrammel von Die Happy richtig nach vorn und feierte die Kombo zu den Klängen vom “Rausschmeißer“ Big Boy enthusiastisch.

Schade, da scheinen wir wohl etwas zu spät vor Ort gewesen zu sein. Aber andererseits standen noch genügend interessante Acts in den Startlöchern. So zum Beispiel die Spaßformation der Alien Ant Farm. Seit dem sie vor gut 2 Jahren der breiten Öffentlichkeit durch das legendäre “Smooth Criminal“-Cover vom King of Pop bekannt wurden, schütten sie uns regelmäßig mit nett gemachtem Pogo-Punkrock zu. Ihr Auftritt in Konstanz zeigte einmal mehr ganz deutlich, dass es für Sänger Dryden Mitchell und den Rest der Konsorten das größte ist, wenn sie raus auf die Bühne dürfen und ihre Mischung aus Power-Punk und Nu Metal live darbieten können. Eine Klasse Show der AAF!

Nach Alien Ant Farm zogen dann schon die “Newcomer“ Anti Flag in den Ring. Auf diese Band war ich sehr gespannt, mehr noch. Es war neben Metallica mein persönliches Highlight beim diesjährigen Rock am See Festival. Man hatte im Vorfeld viele Lobeshymnen gehört (“…schönster melodischer amerikanischer Skatepunk…“, “…feinstes Songwriting…“), und Anti Flag bestätigten während ihres knapp einstündigen Auftritts voll und ganz meine und die Erwartungen der mittlerweile 20.000 Zuschauer. Echt grandios was Sänger und Gitarrero Justin Sane mitsamt seinen Kumpanen Chris#2, Chris Head und Pat Thietic da aufs Bodensee Pakett zauberte. Richtig gut kamen bei der Pogofraktion die Songs “We don’t need it!“ und “What’s the Difference“ vom 2002er Erfolgsalbum “Mobilize“ an. Leider war für eine ausgedehnte Bühnenshow im eng gestrickten Zeitplan kein Platz und so wurden Anti Flag von einer weiteren namhaften Punkband quasi von der Bühne gekickt.

Lagwagon aus San Francisco nahmen nun das Zepter in die Hand, und dirigierten die Crowd in einen großen Circle Pit. Ein Trash Hit jagte den nächsten. In ihrer 13 jährigen Bandgeschichte hat es die Kombo inzwischen zu sechs Studioalben gebracht und mit ihrem gerade erschienen Werk “Blaze“ haben sie neue Maßstäbe gesetzt. Fetziger Punkrock meets Hardcore meets Pop. Songs wie “Burn“, “Billionaire“, “I must be hateful“ und “Never Stops“ waren die Garanten für eine sehr gelungene Liveshow.

In der Umbaupause von Lagwagon zu Sum 41 übermannte mich dann leider Gottes eine fiese Schlafattacke. Das Ergebnis dieses eigentlich nicht wieder gut zu machenden Faupax, ich verpennte die kanadischen “Mainstream-Erfolgpunker“ total, und wachte erste wieder bei den letzten Zuckungen von Placebo auf. Das einzige was ich euch zu Sum 41 , die 2001 ihr Debütalbum “All Killer No Filler“ weltweit über 3 Millionen mal verkauften, schildern kann, sind Augenzeugenberichte meiner verehrten Kumpels. Demnach sollen die Jungs gerockt haben wie hulle, und einen bleibenden Eindruck bei den Punkjüngern hinterlassen haben. Mit mehr kann ich aber diesmal nicht dienen.

Von den letzten 20 Minuten der Placeboshow kann ich Euch allerdings wieder erzählen. Und da muß ich sagen, Brian Molko und Anhang enttäuschten mich doch sehr. Die Performance reichte bei weitem nicht an den klasse Auftritt bei Rock am Ring heran. Die Band glänzte vielmehr durch lustloses herumzupfen an den Instrumenten und band auch das Publikum gar nicht so recht in den Gig mit ein. Keine Ansagen, keine Gefühlsregungen, keine Zugaben, es war einfach nicht die Placebopower anderer Konzerte. Schade eigentlich, denn bis jetzt gaben alle Kombos bei diesem wunderbaren Open-Air 100% Vollgas. Und das änderte sich beim mit Spannung erwarteten Headliner kein bisschen. Es wurden sogar noch einmal mindestens 10% draufgepackt.

Schon Minuten bevor Metallica auf die Bühne kamen, herrschte Ausnahmezustand im Bodensee-Stadion. Die Leute drängten wie die Irren nach vorne, und es passierte was passieren musste. Als das Licht ausging und die ersten Töne erklangen, brach die vordere Bühnenabsperrung. Der Auftritt wurde sofort unterbrochen, und mit zahlreichen Helfern versuchte man akribisch dieses “Loch“ wieder zu flicken. Das Sicherheitsproblem erwies sich aber schon nach wenigen Minuten als größerer Defekt, so dass die Metallica-Fans eine geschlagene halbe Stunde auf ihre Lieblinge warten mussten. Die Secu-Firma muß sich für dieses Missgeschick mal ganz ernsthaft die Frage erlauben lassen, ob man dieses Fan-Verhalten, das zu dem Brechen der Absperrung führte, nicht vorhersehbar war. Schließlich spielte Metallica und nicht irgendein dahergelaufenes Schlagerkollektiv. Doch ich will mich darüber nicht weiter auslassen, vielmehr interessiert uns die Show!

Es ging los wie Sau. Mit dem Opener “Battery“ hatten Hetfield, Hammett, Ulrich und Truijllo im nu die 25.000 auf ihrer Seite und von dieser wichen sie in den nächsten 2 Stunden nicht einen Zentimeter. Was von Bandseite aus folgte war die beeindruckende Zementierung ihres erreichten Status. Mit einem Best of zeigten Metallica, dass sie zu einer der homogensten, einfallsreichsten und kraftstrotzenden Rock/ Metalgruppen der heutigen Zeit zählen. Ihre energiegeladene und mit gigantischer Technik versehene Bühnenshow ließ Metallica in den letzten Jahren zu der Kultband schlechthin mutieren.

Bei Rock am See feuerten sie einfach aus allen Rohren. “Eye of the Beholder“, “For whom the bell tolls“, “Fuell“, “St.Anger“, “Nothing else matters“, “Sad but true“, “Fight fire with fire”, “Enter Sandman”, “Welcome Home”, “Whiplash”, “Frantic”, “One”, “Master of Puppets” und noch viele Gassenhauer mehr entrissen James Hetfield & Co. ihrem unerschöpflichen Reservoire. Begleitet wurden die Songs durch Feuerwerkssalven, wie man sie teilweise nicht einmal zu Silvester vor die Linse bekommt. Doch das war längst nicht alles.

Die vier aus Amiland “badeten“ immer wieder in atemberaubenden Feuerfontänen, die regelmäßig aus “allen“ möglichen Poren der Bühne herauszündelten. In Verbindung mit ihrem knochentrockenen Metall war diese Feuershow ein unvergessliches Erlebnis für jeden einzelnen im Stadion. Nach drei Zugaben und nicht enden wollendem Applaus, verabschiedeten sich die “schweren Jungs“ mit dem Hinweis, im Winter 2003 noch einmal für 4 Konzerte nach Deutschland zu kommen.

Auch für uns neigte sich ein langer und ereignisreicher Tag dem Ende und wir waren froh, ca. eine Stunde nach Metallica’s Abgang unser Nachtquartier erreicht zu haben. Wir sagen tschüß und Auf Wiedersehen Rock-am-See 2003.

 
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