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SZIGET - UNGARN 2003 
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Sziget-Festival - Der erste Tag

Hallo ihr lieben Elektrolurchfreunde in aller Welt. Nach fast 15 stündiger Autobahnraserei sind wir nun endlich in der ungarischen Hauptstadt Budapest angekommen.

Uns erwartet in den nächsten sieben Tagen ein Festival-Event der Sonderklasse. Auf der Obudai-Insel findet mal wieder das grõsste europáische Open-Air Event statt.

Doch der Start verlief alles andere als planmässig. Seit anderthalb Tagen ist es fast ununterbrochen am regnen.

Auf so ein Mistwetter waren wir natûrlich nicht eingestellt, und so pfeifen wir jetzt schon aus dem vorletzten Loch. Zelte nass, sowohl von innen als auch von aussen, Klotten versaut und auch unserer Sitzgelegenheiten võllig durchnässt. Ohne unseren sicheren Anker Alkohol wäre die Stimmung schon dahin. Aber Wetterbesserung ist in Sicht! Morgen melden wir uns dann mit den ersten Konzertberichten, unter anderem Shaggy, Björn Again und Buena Vista Social Club sowie mit hoffentlich superviel Sonne aus dem Arsch zurück!

Sziget-Festival - Der zweite Tag

Oh man oh man! Bin gerade wieder am Zeltplatz angekommen, und müsste eigentlich mal ganz dringend duschen. Doch zuvor in aller Kürze die Ereignisse einer wild durchzechten Nacht.

Los gings gestern Nachmittag mit einer ratten scharfen ungarischen Faith No More Cover-Band. Die Jungs haben dermassen das Haus gerockt, dass man sich gar nicht mehr so sicher sein konnte, ob nun das Original in Form von Mr. Patton vor uns stand oder eben dieses Plagiat vom Balaton.

Eigentlich wollt ich nach dieser Ladung Rock'n'Roll fix rüber zu Björn Again. Doch daraus wurde nicht mal im Ansatz etwas. Ich versackte auf der Insel mit irgendso Typen aus Österreich und Ungarn.

Tja, was soll ich weiter sagen, das erste woran ich mich wieder ein wenig erinnern kann ist Mr. 'Lover Lover' Shaggy. Im Gedaechtnis blieb hier allerdings in erster Linie der extrem hohe Frauenanteil vor der Centerstage. Der Kollege scheint wohl das gewisse Etwas zu haben, was mir noch fehlt. Aber egal, die Nacht war noch jung und es konnte nur besser werden.

Der Buena Vista Social Club war mein naechster Programmpunkt. Beeindruckend wie die alten Herren aus Kuba ihre Musik zelebrieren und teilweise spektakulaere Tanzeinlagen auf die Bühne zaubern. Da waere wohl so manch 90jaehriger Opi verdammt stolz drauf, könnte er seiner 'Kaethe' mit solchen Schwüngen aufwarten.

Doch mag die Musik auch noch so ins Blut gehen und Massen begeistern, ich brauchte mehr Rock. Also gings mit netter Begleitung quer durch fast alle Zelte. Wir tanzten zu Slipknot und Metallica genauso wie zu deutschen Evergreens von Nena und Peter Schilling. Höhepunkt unserer Reise war heute um fünf Uhr in der Früh das Heavy Metal-Zelt.

Ich würd Euch gerne einiges darüber schreiben, aber man kann es einfach nicht in die passenden Worte fassen. Diesen 'Scheiss' muss man einfach gesehen und erlebt haben. Die wildesten Metalheads aus ganz Europa gaben ein 'Best-of Metal-unplugged' wie man es sich nicht mal in den verrücktesten Traeumen ausmalen kann.

Als dieser Stand auch seine Türen schloss, schwemmte es uns zu guter letzt ins Schlafzelt. Voll geraeuchert bis unters Dach und mit Esotherik Mukke im Hintergrund lockt es all morgentlich mehrere hundert Partyfreaks zum gemeinschaftlichen Chillen.

Das beste aber jetzt noch zum Schluss: PETRUS HAT ENDLICH SEINE PFORTEN GESCHLOSSEN!!! Machts gut und bis morgen aus 'HOT HUNGARY'.

Sziget-Festival 2003- Der dritte Tag

Gestern wurde der vorlaeufige Höhepunkt des diesjaehrigen Sziget-Festivals erreicht. Wolkenbruchartige Regenfaelle gingen über der ungarischen Hauptstadt nieder und überfluteten innerhalb weniger Minuten grosse Teile des Campinggelaendes und verwandelten den Boden vor den zahlreichen Bühnen und Zelten in riesengrosse Schlammpfützen.

Man fühlte sich weniger auf einem einwöchigen Open-Air Festival, als vielmehr auf einem multinationalen Mud-Wrestling Contest. Egal wo man auch hin und rein wollte, man musste notgedrungen durch fette Schlammberge waarten. Die haertesten Alkvögel störte dieses schon lange nicht mehr. Sie warfen sich kopfüber mit Haut und Haaren in die Dreckslöcher, und sorgten so dafür, dass das Sziget seit gestern auch die ersten Moorleichen begrüssen kann.

Musikalisch war der gestrige Tag etwas ruhiger gestaltet. Auf der Hauptbühne gab ab 21.30 Uhr die amerikanische Saengerin Patti Smith ihre wunderbare Stimme zum besten. Bekannt wurde sie unter anderem durch den schon tausendfach gecoverten Evergreen "Because the night".

Als die gute Frau in den letzten Atemzügen lag, waren wir schon weiter zur Worldmusic-Stage gerutscht. Dort stand unser absoluter Headliner in den Startlöchern. Die Skatalites hatten sich angekündigt und ihre musikalische Ska-Reggae Botschaft kam nicht nur bei uns sehr gut an. Die Zuschauer feierten die Band nach dem Auftritt mit minutenlangen Ovationen. Der Rhythmus ging einfach ins Blut. Schade, dass sie nicht laenger ran durften!

Auf dem Rückweg schauten wir dann noch bei den Hare Krishna Jungs rein. Dort gibt es erstens den besten und billigsten Gulasch-Eintopf auf dem ganzen Sziget, und zweitens ist ihr "Trance-Ska" einfach umwerfend. Mal langsam, mal mit viel Drive, mal einfühlsam, mal brutal, so oder aehnlich kann man ihre Musik am besten beschreiben.

Schon nach ein paar Minuten hat einen dieser Style so gepackt, dass man davon gar nicht genug bekommen kann. Aber auch bei den Krishnas gibts irgendwann mal ein Ende und so mussten wir gegen kurz nach Mitternacht den Gang in unser letztes Rückzugsgebiet, das Metalzelt, antreten.

Dort gabs zwar reichlich Musik, aber berichten kann ich darüber leider nicht mehr, weil der Alkteufel in meinem Kopf wiedermal böse gewütet hatte.

Ich war froh, gegen ca. drei Uhr in der Früh überhaupt aufrecht und nicht auf allen Vieren mein Auto erreicht zu haben. Über alle weiteren Vorkommnisse in der Nacht hülle ich dann mal besser den Mantel des Schweigens.

Sziget-Festival - Der vierte Tag

Endlich hat sich über Budapest die Sonne blicken lassen, und dem mehr als trüben Wetter den Zahn gezogen. Temperaturen von bis zu 32 Grad und wolkenloser Himmel sorgten für eine super Stimmung unter den Festivalianern, die heute nocheinmal viel Zuwachs von zahlreichen Ungarn erhalten haben.

Die Insel drohte zu spaeter Abendstunden aus den Naehten zu platzen, so dicht draengten sich die Massen von einem Zelt zum anderen. aber fangen wir von vorne an.

Zunaechst einmal war viel schlafen angesagt. Die letzte Nacht hatte viel Energie geraubt, und so dösten wir im Prinzip bis in den spaeten Nachmittag auf unserem Camping-Terrain dahin. Ab und an tranken wir mit unseren netten Nachbarn aus Köln ein Bierchen gegen die herbeigesehnte Hitze, aber das wars dann auch schon mit unseren Anstrengungen.

  Erster richtiger Programmpunkt war gegen kurz nach 18 Uhr die Asian Dub Foundation. Das Multi-Kultig Kollektiv aus England begeisterte mit rassigen Ragga-Dub Klaengen ihre Fans, die zahlreich vor der Mainstage erschienen waren. Es war genau die richtige Musik für diesen lauen Sommerabend.

Nach kurzem Grillstopp bei unseren 4 sehr charmanten Wahlberlinerinnen gings weiter zur Metalbühne. Dort sollten gegen 21.30 Uhr die schwedischen Crossover Dinos Clawfinger die Stage entern. Doch je naeher wir dem Ort des Geschehens kamen, desto weniger trauten wir unseren Augen. Es herrschte ein Ansturm wie beim Sommerschlussverkauf bei Hertie.

Schnell wurde uns klar, dass es wenig Sinn machen würde, sich noch in die fast 9000 Mann fassende Zelthalle zu draengen. Wir zogen es stattdessen vor, uns auf dem benachbarten "Militaergelaende" der ungarischen Armee niederzulassen, mit Bier zu betrinken und den herüberwehenden Klaengen von Clawfinger zu lauschen. Doch nach einer knappen Stunde hatten wir von dem Soundbrei so die Faxen dicke, dass wir uns auf eine Party Odysee über die Obudai aufmachten. Egal welches Zelt wir auch ansteuerten, die Dinger waren zum Bersten gefüllt.

Darum blieb uns schon fast gar nichts anderes übrig, als sich vors Zelt zu setzen und mit hübschen Ungarinnen zu dialogisieren. Doch das wollte irgendwie auch nicht so recht gelingen, lag wohl am hohen Drogenlevel. So langsam verabschiedete sich naemlich mal wieder das Steh- und Sprachvermögen. Doch ob ihrs glaubt oder nicht, weit nach Mitternacht haben wir im Technozelt dann doch noch ne anstaendige Feier auftreiben können.

Drum and Bass DJ God Goldie legte dort seine Scheiben auf, und liess seine Jünger kraeftig abzappeln. Das dabei laengst nicht jeder im Zelt regelmaessiger "Technogaenger" ist, wurde an den überaus witzigen Tanzstilen klar. So manch einer bewegte sich wie ein Flamingo, dem man einen Tauchsieder ins Becken geschmissen hat.

Aber ich will mal besser nicht laestern, bei uns sahs auch nicht besser aus, der Alk hatte böse gewütet. Mit "letzter Kraft" schleppten Markus und ich uns noch auf so'ne Open-Air Schlafkissen-Ansammlung, und nickten dort binnen weniger Sekunden ein. Wie und wann wir zum Zeltplatz zurückkamen, dass wissen nur die Engelchen.

Sziget-Festival 2003 - Der fünfte Tag

 Hallo ihr Lurche! Heute jagte hier auf der verrücktesten Festivalinsel Europas ein Highlight das naechste. Doch bevor die Suomi Darker von The 69 Eyes gegen 16.30 als erste Band die Bühne betraten, war noch eine Menge Zeit. Darum schreib Euch kurz mal etwas vom Vormittagsprogramm.

Nachdem wir jeden morgen so ca. um 9 Uhr durch die "ungarische" Hitze geweckt werden, gehts ersteinmal ab unter die Duschen. Die Wassertemperatur ist hier allerdings nicht viel höher als die eines alpinen Gebirgsbaches, so dass man ganz schnell mal etwas Atemnot bekommen kann. Hat das kühle Nass keinen Herzstillstand verursacht, kann man (muss man) gleich wieder dort anknüpfen, wo erst vor ein paar Stunden aufgehört wurde: Bier schlucken bis der Arzt kommt! Dieser Programmpunkt fiel heute allerdings ein bisschen zu heftig aus.

Ich sah die Dark Metaler von The 69 Eyes zwar noch auch der Hauptbühne stehen und jubelte ihnen zu, aber die pralle Mittagssonne gab mir innerhalb weniger Minuten den Gnadenstoss. Sanft schlafend und schwitzend wie eine Sau, so liess ich mir spaeter sagen, verpasste ich den "Inder-Guru" Panjabi MC und beinahe auch noch Moloko, haette mich nicht eine unserer netten Nachbarinnen geweckt.

Ich schnappte mir schnell ein Handtuch, wetzte unter die Dusche (in der Hoffnung meinem Körper wieder frische einzuhauchen) und von dort weiter vor die Centerstage. Und da standen Moloko auch schon. Mit gut 60.000 Menschen feierten sie eine wunderschöne Party und begeisterten selbst die letzten Hinterlaender mit ihrer Musik.

Es war schon irre, was hier an Leuten unterwegs war. Ich glaube halb Budapest hatte sich heute aufgemacht; es können gut an die 230.000 Menschen gewesen sein. Aber was Wunder auch. Zeitgleich mit Moloko spielten noch die deutschen Reggae-Seeed und die Finnen-Streicher Apocalyptica. Und das nicht vor minder gefüllten Bühnen. Als Moloko mit ihrer Show durch waren, spurtete ich rüber zur Metalbühne, um noch die letzten apokalyptischen Töne einzufangen. Leider vergebens.

Die Jungs hatten ihren Auftritt gerade beendet und ich konnte nur noch applaudieren. Tja, dafür sah ich danach quasi als "Entschaedigung" eine mir bis jetzt unbekannte, aber in Ungarn hoch im Kurs stehende Metalband namens P.Box. Die Herren haute wirklich fett in die Saiten und lieferten das volle Metalbrett. Das Zelt stand Kopf; aber ehrlich gesagt steht hier seit vier Tagen jedes Zelt Kopf.

Am Rande dieses Gigs kam dann noch ein ziemlich betrunkener Ungarn auf mich zu und erzaehlte mir ersteinmal ganz stolz, dass sein Grossvater früher bei der SS war und Hitler eigentlich ganz nette Ideen gehabt haette. Als ich dies hörte nahm ich schnell reiss aus, ich hatte naemlich verdammt kein bock mich von diesem Penner weiter zutexten zu lassen. Aber zum Glück sind solche Fehlgeleiteten die absolute Ausnahme!

Mein letzter Date war gegen 1 Uhr nachts im Wan2-Zelt. Hier drehten Zion Train aus England wie wild an den Knöpfchen ihrer Computer. Diese Band besteht nun schon seit über 15 Jahren, und ist zusammen mit Dub Syndicate eine der wohl bedeutensten Vorreiterbands im elektronischen Dubbereich.

Was sie hier und heute auf dem Sziget anstellten, verdiente schon den grössten Respekt. Die Leute flippten völlig durch und das Tent war zu einer einzigen Nebelwolke verkommen, so extrem war die Luftfeuchte angestiegen. Auch ich gab alles, und war am Ende fix und fertig. Ich sehnte mich nur noch nach meinem Zelt!

Sziget-Festival 2003 - Der sechste Tag

Das Wetter bringt einen hier wirklich zur Weissglut! Erst schüttet es fast 3 Tage am Stück wie aus Eimern, und jetzt herrscht hier eine fast unertraegliche Hitze. Bei Tagestemperaturen von fast 35 Grad ist man hier quasi zum Nichtstun verdammt. So bestand der heutige Nachmittag eigentlich ausschliesslich darin, jeden auch noch so kleinen Gang zu vermeiden, um sich nicht der Gefahr eines Schweissausbruches auszusetzen. So kauerten wir stundenlang auf unserem Campingplatz, richteten unsere Liegemöglichkeiten alle halbe Stunde neu aus und wartetend sehnsüchtig auf den Sonnenuntergang.

Als dieser endlich eintrat, begann für uns auch wieder das Rock'n'Roll-Leben. Jetzt wurde in Druckbetankungsmanier all das nachgeholt, was am Nachmittag auf der Strecke geblieben war. Ein Bier jagte das naechste, und schon bald hatten wir wieder alle Lampen am leuchten.

Feucht fröhlich gings dann vor die Mainstage, denn mit den Fun Lovin Criminals hatte die vielleicht mit Slayer interessanteste Band des Festivals ihre Showtime. Die 3 Amis legten einen super lustigen Gig aufs Parkett und zeigten sich hier in Budapest überaus spielfreudig. Ich mag die "Criminals" ausserordentlich gern, denn sie vereinen in ihrer Musik von harten Gitarren bis hin zu stampfenden Beats eigentlich alles, was der "künstlerische Markt" zu bieten hat. Die Zuschauer waren wohl ganz aehnlicher Meinung, und feierten die Band gnadenlos ab.

Nachdem es das für den heutigen Tag auf der Hauptbühne gewesen ist, gings für uns mal wieder zum Metalzelt. Dort performte die schon zum Inventar des Festivals gehörende Kiss-Coverband. Die Kerle aus Ungarn sind seit "Menschengedenken" auf dem Sziget, und schaffen es jedesmal aufs Neue die Massen zu elektrisieren.

Um 2 Uhr morgens war dann aber in dem Glutofen Metalzelt der "Painting-Spuk" vorüber und wir torkelten über den Open-Air Kinoplatz zur letzte Anlaufstelle Durex-Zelt. Dort sammelt sich eigentlich zu früher Morgenstunde alles, was bis dato noch keinen Partner für die kurze bevorstehend Nacht abbekommen hat.

Zu rassigen Discoklaengen wird hier geflirtet, was das Zeug haelt. Auch wir schmissen unseren ganzen Charme auf die Tanzflaeche, doch heute sollte es nicht sein. Ausser ein bisschen Laberei kam nicht viel bei rum. Vielleicht aber auch ganz gut so, denn dadurch konnt ich endlich mal 3 Stunden am Stück richtig ausschlafen.

Sziget-Festival 2003 - Der siebte Tag

My body strikes back! Nach durchzechter letzter Nacht scheint mir mein Körper heute all das heimzuzahlen, was ich ihm zuvor über eine Woche angetan habe. Er vergewaltigt mich! Ich sitze hier mit Schüttelfrost in den Knochen, üblen Halzschmerzen, Grippeattacken und einem Brummschaedel so dick wie eine aufgequollene Wassermelone.

Es geht im Prinzip nichts mehr. Hier ist nur noch abhaengen angesagt und das Warten auf das Festivalende Dienstagnacht. Doch falls ihr jetzt denken solltet, nur mir allein würde es so mies gehen, weit gefehlt!

Die ganze Insel ist mittlerweile zu einem grossen Siechelager verkommen. Würde das Open-Air anstatt einer Woche einen Monat dauern, so könnte man hier anschliessend getrost mit dem Leichenwagen durchfahren und 60% der Menschen in Saerge verfrachten.

Doch Qualen und Schmerzen hin oder her, getrunken wird so lange, bis das Ziel erreicht ist, und davon sind wir noch 24 Stunden entfernt. Also hoch die Tassen!

Die ersten Band, die wir uns heute angesehen haben, waren die H-Blockx aus dem schönen Münster. Sie spielten zu unserer allgemeinen Verwunderung um 18 Uhr auf der Mainstage des Sziget. Füllen sie in Deutschland nicht mal mehr mittelgrosse Hallen, so ziehen sie hier noch weit über 20.000 Menschen vor die Bühne. Und das bei dieser gnadenlosen Hitze!

Doch der Auftritt war ein echtes Armutszeugnis. Irgendwie können einem die Herren um Saenger Henning Wehland leid tun, wenn man mit ansehen muss, wie diese Truppe immer mehr zerfaellt. Es existiert überhaupt kein Feuer und Dampf mehr, es ist ein einziges "in Erinnerungen an frühere Zeiten" schwelgen. Das war auch der Grund, wieso wir uns lieber wieder in ein schattiges Plaetzchen zurückzogen, um noch eine Runde zu kuscheln.

Gegen 21 Uhr war dann aber die Stille vorbei. Hunderte von Metal begeisterten Ungarn kamen an unserem Zeltplatz vorbei und skandierten immer wieder mit lautem Gegröhle "Slayer, Slayer".

Die vier Amerikaner waren an diesem Montag der Headliner auf der Centerstage und wurden ihrem Ruf als beste Trash-Metalband mal wieder vollkommen gerecht. Über 50.000 Leute moshten sich bei subtropischen Temperaturen das Gehirn aus dem Schaedel.

Dieser enorme Druck, diese irrsinnige Double-Bass und und der mega-fette Sound trieben auch mich von einer Erektion in die naechste. Ohne zuweit vorgreifen zu wollen, es war wohl das beste Konzert des Sziget 2003.

Nach Slayer war für mich dann Schicht im Schacht. Mein Körper streikte inzwischen auf ganzer Linie, und ich wollte nur noch schlafen.

Sziget-Festival 2003 - Der achte und letzte Tag

Mit dem frühen Schlafen hat ich mir das ja toll ausgedacht, aber mach das mal der multi-nationalen Zeltburg klar. Die Jungs und Maedels nahmen verstandlicher Weise überhaupt keine Rücksicht auf son kranken Penner wie mich (ich würds ehrlich gesagt auch nicht tun), und feierten heftiger und lauter denn je.

Schliesslich ist es für die meisten hier die letzte Nacht, und da wird dann eben nochmal kraeftig die Sau rausgelassen. Zum Glück beruhigte sich das Geschehen am frühen Vormittag dann doch noch ein bisschen, so dass ich meine Aeuglein nochmal für ca. 3 Stunden schliessen konnte.

Obwohl es der letzte Festivaltag war, von Aufbruchstimmung und dadurch minderwertiger Bandbesetzung konnte nicht die Rede sein. Gegen 16.30 Uhr laeuteten "The Spook and the Guay" aus Frankreich den Endspurt auf der Mainstage ein.

Richtig interessant wurde es dann beim zweiten Act. Die "Voodoo Glow Skulls" verlangten mit ihrem Trash- und Speed-Ska den Besuchern nocheinmal alles ab, und liessen den Stage-Ground von ihren Fans so richtig fett umwaelzen. Auch ich schmiss noch ein letztes Mal in das Getümmel in vordester Front.

Nach den "...Glow Skulls" war dann ersteinmal aufraeumen angesagt, und unsere Karre in einen reisefaehigen Zustand bringen. Das hiess in erster Linie, ein Überbrückungskabel organisieren, um der "toten" Auto-Batterie wieder Leben einzuhauchen. Als die dann endlich wieder mukkte und auch alles übrige erledigt war, gings für dieses Jahr ein allerletztes Mal auf Patrolie.

Uns zogs dabei geschlossen vor die Weltmusikbühne. Dort beschloss Goran Bregovic mit seiner Wedding & Funeral Band das Sziget-Programm. Bregovic mutierte durch zahlreiche Filmmusiken zu einem Megastar auf dem Balkan, bei uns wurde er vor allem durch den Movie-Soundtrack zu "Weisse Katze, Schwarzer Kater" sehr berühmt.

Wie man allerdings seine unkonventionelle Musik am schlausten beschreiben soll, dass weiss ich auch nicht so recht. Ich denke mit Zigeuner-Speed-Metal liege ich da gar nicht so schlecht. Das nochmal zahlreich erschiene Publikum tanzte sich den Arsch ab, und wollte den guten Goran gar nicht mehr gehen lassen. Doch nach einer frenetisch geforderten Zugabe, war dann auch hier Sense.

Auf dem Weg zurück lauschten wir kurz noch bei der Want2-Bühne, wo Laibach aus Slowenien in den letzten schweren Gitarrenakkorden lagen. Gegen kurz nach Mitternacht schloss unser Lurch-Team dann aber endgültig das Kapitel "Sziget-Festival 2003" und machte sich auf den langen heissen Heimweg.

Wir hoffen Euch mit unsere Doku Heisshunger auf dieses einmalige Festival gemacht zu haben, und vielleicht feiern wir ja naechste Jahr schon zusammen hier. Uns würds riesig freuen.

Einen exklusiven Nachbericht mit allen Bands und vielen Fotos wirds in den naechsten Tagen nartürlich auch noch geben. Bis dahin viszlát, ciao, tschüss, servus,doridenja und goodbye aus Budapest.

Ahoi aus Budapest Guido
 
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