|
08.08.
– 10.08. Rothenburg o. d. Tauber
...Und
so machten wir uns diesen unendlich heißen Sommer
mal wieder auf, um Euch ein alteingessenes Festival
aus deutschen Landen näher zu bringen.
Dass es sich dabei nicht um irgendein x-beliebiges
Open-Air handelte, wurde schon beim flüchtigen
Blick auf das Billing deutlich. Neben dem Farin Urlaub
Racing Team hatten unter anderem auch noch die internationalen
Topacts “The Cardigans“ und Ville Vallos
“Him“ ihr Jawort fürs Taubertal-Festival
gegeben. Doch zur allgemeinen Überraschung stahl
ein “kleiner“ Act aus Ibbenbüren “Rock-City“
ihnen allen die Show. Aber fangen wir von vorne an.
Da
außer unserem Sommer-Hobby “Festival-Hopping“
auch noch ein richtiger Beruf existiert, konnten wir
erst Freitag Mittag aus Swamp-City gen schönes
Taubertal aufbrechen. Mit Staus und zähfließendem
Verkehr benötigten wir knappe 6 Stunden bis zum
Zielort.
Doch trotz der stressigen Anreise herrschte ausgesprochen
gute Stimmung, konnten wir doch, gerade angekommen,
direkt ins “Sound for Nature“ Zelt zu den
Megakerls durchstarten. Die vier Junges aus der Nähe
von Würzburg begeisterten während ihrer gut
halbstündigen Show die gut 300 Leute im Zelt dermaßen,
dass sogar Zugaberufe laut wurden.
Diese
Bitte ließen sich die Megakerls natürlich
nicht entgehen, und gaben noch zwei weitere Kostproben
aus ihrem Anfang September erscheinen Debütalbum
“Wir stören auch nur kurz“ zum besten.
Danach war allerdings Sense, schließlich wollten
an diesem Abend auf noch Künstler wie “Mellow
Mark“ und “Muff Potter“ auf die Stage.
Ich
verließ ersteinmal das Zelt und flitzte im Sauseschritt
vor die Hauptbühne, wo ich endlich mal die Chance
hatte die “Letzte Instanz“ live zu sehen.
Aus den kuriosesten Gründen hatte es vorher nie
geklappt. Aber ehrlich gesagt hat mich deren “Mittelalter-Show“
mit Feuerspucken und einigem mehr überhaupt nicht
vom Hocker gerissen, so dass ich mich lieber an den
Rand bzw. in die Tauber begeben habe, um im dortigen
Biergarten bei herrlichem bayrischen Gerstengebräu
das schöne Wetter zu genießen.
Dort
verbrachte ich dann auch bestimmt eine geschlagene Stunde,
und beinahe wäre mir ein überaus “sympathischer“
Anblick entgangen. Auf der Bühne standen nämlich
mittlerweile die holländischen “Opern-Metal-Helden“
von Within Temptation, die mit Frontfrau Sharon den
Adel nicht nur was fürs feine Gehör zu bieten
haben, sondern auch fürs mitessende Auge. Aber
damit soll es auch reichen, schließlich geht’s
in erster Linie um die Musik, und die wurde in exzellenter
Weise von den 6 Holländern dargeboten.
Vor
allem ihre Single “Ice Queen“, die ja bis
zuletzt hartnäckig von MTV boykottiert wurde, brachte
das zahlreich anwesende Festivalvolk zum brodeln. Diese
einstündige Show hat richtig Spaß gemacht,
und diese hammermäßige Stimme mit dem absolut
fetten Sound wird wohl noch heute in so manchem Kopf
herumspuken.
Nach
Within Temptation wurde es sehr ruhig, dunkel, ja vielleicht
sogar ein bisserl sentimental. Das deutsche “Underground-Projekt“
Deine Lakaien hatte seinen Auftritt und ließ Stille
und Besinnung ins Taubertal einkehren. Ihre Symbiose
aus elektronischer und akustischer Musik kam im Taubertal
bei vielen Fans zwar nicht so an, aber die beiden Lakaiena
zogen eigenwillig, ihrer Musik voll entsprechend, ihr
vor Ideen und melancholischer Schönheit strotzendes
Programm durch. Als so manchem Zuhörer der Kragen
zu platzen drohte, fand der düstere Auftritt "endlich"
ein Ende, und es dauerte gar nicht lang, da stand schon
der Topact des ersten Abends auf der Bühne. Der
finnischen Love-Metal Band Him wurde der Headlinerpart
dieses Tages übertragen, und Ville Vallo wurde
mit seinen unterkühlten Kollegas dieser Herausforderung
zu jeder Sekunde des Konzertes voll gerecht.
Vorallem
der Stoff des neuen Albums kam bei den deutlich in Überzahl
befindlichen Weibchen hammermäßig an. "The
Funeral of Hearts" beschloß schließlich
nach einem sehr guten Gig das Taubertal für den
ersten Tag, und die 10.000 Musikfans gingen frohlockend
zu ihren Zelten zurück, wo noch bis früh in
den Morgen bei immer noch schweißtreibenden Temperaturen
(23 Grad!!!) massig Aftershowpartys gefeiert wurden.
Selbstredend
war es Samstag Vormittag natürlich reichlichst
leer vor den Bühnen drunten im Tal. Was eigentlich
schade war, denn man verpasste eine doch recht interessante
Annekdote von den Newcomern "Union Youth".
Die Jungs, die sich selbst als die Hoffnungsträger
deutscher Rockmusik bezeichnen, haben wohl anscheinend
einen so hohen Status erreicht, dass sie es nicht mehr
nötig haben, vor weniger zahlreichem Publikum zu
spielen. Anders jedenfalls kann ich mir das assige Verhalten
der drei nicht erklären. Was war passiert?
Nach
wiederholten Ton- und Rückkopplungsproblemen, was
sicherlich nervig ist, verließ die Band die Bühne,
und schickte ihren Tourmanager an die Front, um das
Problem zu lösen. Als dieser endlich Erfolg hatte,
und Union Youth hätten weiterspielen können,
machten die einen völlig auf angepißt und
erklärten ihre Show für beendet. Leider war
wie schon erwähnt vor der Stage sehr wenig los,
so dass das Pfeiffkonzert recht schwach ausfiel. Schade
eigentlich! Doch eins haben Union Youth geschafft: Sie
bekommen von uns schon jetzt eine Auszeichnung für
das unprofessionellste Verhalten 2003!
Nach
Union Youth kamen Suit Yourself auf die Bühne.
Aber diese Rockband hatte mehr den Anspruch eines Pausenfüllers,
als eines großartigen Rockacts. Insgesamt war
es doch etwas pfad, was die Kerle darboten. Ganz anders
sah die Geschichte da schon bei Kettcar aus. Die fünf
Hamburger machen mit ihrer sehr eigenwillige Mischung
aus deutschem Poprock und Hamburger Schule Elementen
alles andere als glatte Rockmusik. Sie lassen ihre Marshall
Amps richtig qualmen und begeisterten in diesem Jahre
nicht nur das Taubertal. Ein wunderbarer Auftritt an
einem kochend heißen Samstag Nachmittag. Applaus!
Um
Punkt 17:00 gings mit Blackmail weiter im Programmablauf.
Und schau da: Sänger Aido mal etwas anders. Blackmail
knüpften bei ihrem Liveact endlich mal an die gute
Qualität ihrer Alben an. Erquickend und super fetzig
präsentierten sie ihr Liedgut den doch mittlerweile
4.000 Freaks vor der Hauptbühne. Besonders angetan
war Blackmail-Frontmann Aido von den vielen orangenen
Jägermeisterhüten, die ein paar Stunden zuvor
von einem Merchandisegeschwader verteilt wurden. Was
Wunder, sind doch die Kräuterlikörlieferanten
die Haus- und Hofgäste von Blackmail.
Oberkiffer
und bayrische Liedermacherlegende Hans Söllner
ließ ich wohl wissend meiner niederbayrischen
Sprachschwierigkeiten sausen, und sah mir lieber im
Sound for Nature Zelt die deutsche Rock, Reggae, Punk
und Pop Band "Seltsam" an. Leider steht der
Name Pate für diese Musik. Es ist ein sehr, sehr
gewöhnungsbedürftiger Sound, der leider auch
mit nichts anderem Interessantem aufwarten kann. Das
Songwriting ist nur mittelmäßig und auch
die Bühnen-Präsenz läßt noch arg
zu wünschen übrig. Aber was nicht ist, kann
ja noch werden!
Nach
diesem musikalischen Reinfall eilte ich aus dem Zelt
schnelller wieder heraus, als ich reingekommen war,
um auf keinen Fall die Crossover-Legende Such a Surge
aus Braunschweig zu verpassen. Zum wiederholten Male
rockten sie nun das Taubertal, aber wieder und wieder
ist es ein Erlebnis dabei zu sein. Mit ihrem kraftvollen
Gesang und der imensen Bühnenpower setzten sie
die Zuschauer immer wieder unter Strom, und machten
sie somit fix und fertig. Nach einer Stunde Spielzeit
war bei 8.000 Leute nur noch ein Wunsch, nämlich
der nach Wasser! Dieses bekamen sie auch, und zwar nicht
zu knapp! Die Co-Headliner Donots sorgten in Zusammenarbeit
mit dem örtlichen Wassermann für "Schwimmbad-Atmosphäre"
im Taubertal. Immer wieder wurde ein dickes C-Rohr eines
Feuerwehrwagens in die Menge gehalten, um das Fußvolk
mit dem begehrten Naß zu versorgen.
Aber
das war nicht das einzige was die 5 Ibbenbührener
Punks zu Wege brachten. Wie Eingangs schon erwähnt,
stahlen sie allen! anderen Bands mit einer irren Performance
die Show. Ich habe die Donots bestimmt schon an die
30 mal gesehen, aber diese Show wird als eine der besten
ever tief in meinem Gedächtnis bleiben. Was Ingo,
Guido, Eike und wie sie alle heißen hier an Druck
und Spielfreude dem tobenden Publikum boten, ist fast
nicht in Worte zu fassen. Gerade Ingo, der es als Frontwiesel
wie kaum ein zweiter versteht das Publikum mit einzubeziehen,
heizte die Stimmung immer wieder an. Als Höhepunkt
ließ er sich zum Ende des Konzerts von seinen
Fans "quer durch das Tal" auf ein Kamerapodest
tragen. Von dort gab er abschließend "We
are not gonna take it" als Rausschmeißer
sozusagen, zum besten.
Für
den Headliner des Samstags war es nach so einem Auftritt
natürlich alles andere als einfach die Spannung
aufrecht zu halten. Doch "Seeed" wären
nicht "Seeed", wären sie daran gescheitert.
Dat Tal bebte zwar nicht mehr ganz so wie noch ein paar
Minuten zuvor, aber ihr Style zwischen Dub Hop, Ragga
und Mönchskutte versetzte das sonst so verträumte
Nest in fette Vibration. Es hatte sich inzwischen auch
wieder ein größerer Frauenanteil vor der
Bühne breit gemacht, und die sangen und tanzten
bis zum bitteren Ende lauthals mit. Gegen kurz vor eins
in der Nacht konnte dann vermeldet werden: Seeed fertig,
zweiter Tag vorbei!
Am
Sonntag nahm ich mir dann auch ersteinmal eine Auszeit.
Morgens lange ausschlafen, soweit das bei diesen tropischen
Temperaturen überhaupt möglich war, dann früh
nachmittags ein paar Würstchen und Steaks grillen,
und zum Abschluß in netter Runde ein paar Bierchen
schlürfen. Mit anderen Worten hab ich quasi den
ganzen Tag mit unserem Team auf dem Campingplatz abgehangen
und die erste Kombo, die mich an diesem Tage begrüßen
durfte, waren die Cardigans gegen 19:30 Uhr.
Verpaßt
hat ich bis dato Bands wie Underwater Circus, Substyle,
Readymade, Evan Dando und vorallem die Emergenza Siegerehrung.Beim
Emergenza Band Contest nahmen die besten europäischen
Nachwuchsbands teil und spielten sich drei Tage lang
so gut es ging in die Herzen des Taubertals. Eine Jury
kürte am Sonntagnachmittag den Sieger und die weiteren
Platzierten. Gesehn hätt ichs schon gern, aber
so eine Grillparty wie wir sie hatten, war auch nicht
schlecht.
Doch
zurück zu den schnuckeligen Schweden. Die Cardigans
bewiesen einmal mehr, wieso sie zu den erfolgreichsten
und besten Musikacts aus dem hohen Norden zählen.
Ihr zuckersüßer Pop, der doch irgendwie nach
dem Rock der großen weiten Welt klingt, verzauberte
sowohl die jungen als auch die älteren Semester.
Viele Frauen schnappten sich einfach ihren Freund und
tanzten fortan wild drauflos.
Es war ein wirklich sehr nettes Bild, was einem da
vor die Linse kam. Dieses sollte sich bei der allerletzten
"Taubertal 2003 Band" auch nicht mehr ändern.
Nach all dem Feiern, Springen, Hüpfen und Tanzen
wollten die knapp 15.000 nochmal richtig gefordert werden.
Und
wer anders, als Farin Urlaubs Racing Team wäre
dafür geeigneter. Der Frontmann der besten Band
der Welt hielt mit seinem Soloprojekt die Leute anderthalb
Stunden dermaßen in Partylaune, dass sie ihn ohne
wilde Zugabenforderungen nicht gehen ließen. Und
das, wo sie doch alle schon mindestens 3 Tage am Stück
Party hinter sich hatten. Respekt Herr Urlaub! Das wars
für dieses Jahr!
Tschüß vom wohl schönsten Open-Air
Festival "Taubertal 2003".
Euer Lurchteam | Taubertal 2003 Fotogalerie
|