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Die
Technik mal wieder. Just zu Beginn des Interviews mit "Fettes
Brot" mußte der MD-Player streiken, so dass wir
das Interview noch mal von vorne beginnen mussten, was dazu
führte, dass die ersten Antworten nicht dem entsprachen,
was wir vorher gehört hatten, sondern sich neue lustigere
Statements ergaben, aber lest selbst.
Rock'n 'Roll Coseng (aka König Boris): Einen wunderschönen
guten Tag, mein Name ist Königin Dolores.
Speedy Konsalik (aka Dr Renz): Ich bin Speedy Konsalik und
zusammen sind wir zwei Drittel von Fettes Brot, das Dritte
Drittel (Björn Beton aka Schiffmeister) schläft
noch.
Elektrolurch:
Warum die neuen Namen?
Rock'n 'Roll Coseng: Ich heiße Königin Dolores,
weil ich eigentlich Zahnarzttochter bin und ich finde, dass
könnte die Welt mal ruhig wissen.
Speedy Konsalik: Und ich heiße Speedy Konsalik, weil
mir ist der Name irgendwann eingefallen und ich dachte, so
heißt noch keiner und deswegen heiße ich ab sofort
so. Das Tolle ist, wenn wir wollen, dass wir jetzt anders
heißen, dann können wir das machen, und das können
die wenigsten Leute von sich behaupten und deshalb nutzen
wir diese unglaubliche Macht aus.
Elektrolurch:
Euer Hit "Schwule Mädchen" ist ja auch eine
Anspielung auf euch selbst, die ihr immer wieder als schwul
und Mädchen in der HipHop-Szene gedisst werdet.
Rock'n 'Roll Coseng: Wir sind die schwulen Mädchen,
eine der geilsten Gangs der Bundesrepublik, und jeder, der
ein schwules Mädchen sein möchte, darf sich uns
anschliessen.
Speedy
Konsalik: Es ist ja leider so, dass in den letzten Jahren
gewisse Strömungen konservativer Natur in der HipHop-Szene
ein bißchen überhand genommen haben, und dass gerade
die Worte "schwul" und "Mädchen"
eher negativ besetzt waren. Deswegen haben wir den Song geschrieben,
um dem ein wenig entgegen zu wirken. Es ist gleichzeitig aber
auch eine einfache Party-Hymne, zu der man gern mit Drogen
experimentieren und sich der Musik hingeben darf. Wenn man
will, kann man auch ein bißchen Kritik raus hören,
und die Wortkombination "Schwule Mädchen",
die wir uns da ausgedacht haben, ist ab sofort nicht mehr
eindeutig identifizierbar, und das gefällt mir sehr gut.
Man kann nicht mehr sagen, ist es jetzt nett gemeint oder
gar als Diss zu verstehen. Wir sind auf jeden Fall "Schwule
Mädchen" und ihr seid es auch, wenn ihr wollt.
Elektrolurch:
Stichwort "dissen" in der HipHop-Szene. Wie steht
Fettes Brot dazu?
Speedy Konsalik: Wir machen lieber Songs, die irgendwie ein
Thema haben. Wir repräsentieren uns lieber selber, als
das, was andere Leute darstellen und von sich geben, zu kommentieren
und schlecht zu finden. Wo ich noch nie den Anreiz gesehen
habe, war Leute persönlich zu beleidigen. Die Leute,
die ich schlecht finde, die haben es gar nicht verdient, in
einem Fettes Brot Song namentlich erwähnt zu werden.
Elektrolurch:
Es soll zu dem Videodreh von "Schwule Mädchen"
einen speziellen Aufruf gegeben haben, dass Leute, die gerne
als Statisten teilnehmen möchten, ruhig betrunken oder
angetrunken sein dürfen. Die Reaktionen darauf sollen
euch mehr als überrascht haben?
Rock'n 'Roll Coseng: Wir haben gesagt, wer Lust hat zu kommen
und mit uns zu feiern und dabei ein bißchen zu saufen,
ist herzlich eingeladen. Einige haben das falsch verstanden
und haben gedacht, sie müßten vorher schon stockbesoffen
sein, um überhaupt mitmachen zu dürfen. Das hat
zu einiger Verwirrung geführt, wir hatten einige sehr
alkoholisierte Leute am Set, aber es hat dem Ganzen kein Abbruch
getan.
Elektrolurch:
Also mußtet ihr niemanden nach Hause schicken?
Rock'n 'Roll Coseng: Nein, nein, nein, auch die voll Fertigen
waren total willkommen.
Speedy Konsalik: Es wäre gemein gewesen, sie nach Hause
zu schicken, weil gerade diese sechs Jungs, die so richtig
breit waren, kamen extra aus Österreich. Die sind die
ganze Zeit dageblieben, waren am Schluß wieder nüchtern
und sind nach Haus gefahren und hatten am nächsten Tag
einen Zahnarzttermin um 9 Uhr, alle zusammen.
Elektrolurch:
Auf "Demotape" findet sich der Song "Fast 30".
Habt ihr wirklich schon eine Midlife-Crisis? Kann man überhaupt
rauswachsen aus diesem Rap-Phänomen?
Rock'n
'Roll Coseng: Erst einmal sind wir ja noch nicht Dreissig,
wir haben noch ein, zwei Jährchen Zeit bis zur Midlife-Crisis.
Wenn man genau hinhört, merkt man, dass es ein humorvoller
Umgang damit ist, wir haben keine wirkliche Angst vor dem
Dreissig werden. Aber wir sind eine der ersten aktiven Rap-Bands,
die die Schallgrenze durchbrechen werden, weil wir ja schon
recht lange dabei sind, insofern ist das ja ein neues Phänomen
in der deutschen HipHop-Szene, aber wir sagen ja auch im Chorus
"jung bleibt, wer frische Styles kickt" und ich
denke, dass ist es, worum es geht.
Elektrolurch:
Und was ist mit den "Fantastischen Vier", sind die
nicht schon alle über Dreissig?
Rock'n 'Roll Coseng: Die stehen so ein bißchen außen
vor, die haben so den "Westernhagen" Status.
Elektrolurch: Also kann man von euch auch noch etwas in 10
oder 20 Jahren erwarten?
Rock'n
'Roll Coseng: Das kann ich nicht bestätigen, aber auch
nicht ausschließen. Wir machen so lange weiter, wie
wir Spaß haben und uns gute Sachen einfallen und wir
das Gefühl haben, dass wir den Leuten was geben und die
Interesse daran haben an dem, was wir machen. Wenn das nicht
mehr der Fall ist, machen wir was anderes.
Speedy
Konsalik: Wir schreiben auf jeden Fall schon an dem Song "Fast
60": "Jetzt sind wir alt und gebrechlich, das ewige
Tourleben rächt sich."
Rock'n 'Roll Coseng: "Noch 10 Jahre Rap-Musik, nee,
echt nicht."
Interview geführt am 6.3.2002 von Smilo
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