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Rosa Elefanten auf dem Klo 
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Die Fetten Brote melden sich mit einem neuem Album wieder zurück. Es trägt den Namen "Demotape" und die erste Singleauskopplung "Schwule Mädchen" dürfte aufgrund andauender Rotation inzwischen jeden erreicht haben.

Übringens eine simple, aber gute Idee : In dem Video spielen Schiffmeister, Doc Renz und König Boris die Fans auf einem Konzert und nicht die Band selbst. Mit diesem Song rechnen die Brote mit der deutschen HipHop-Landschaft ab, in dessen Jargon "Mädchen" und "schwul" inzwischen zu Schimpfwörtern avanciert sind und die Brote auch eben als solche beschimpft worden sind. Mit "Schwule Mädchen" wolle man provozieren und so wieder Schwung in die Szene bringen, so die Brote selbst - die über eine einzigartige Sonderstellung in der deutschen HipHop-Szene verfügen.

Durch den relativ frühen kommerziellen Erfolg mit "Nordisch By Nature" standen sie schon 1995 als erfolgreiche Außenseiter da. Ohnehin sind sie keine Vorzeige-HipHoper, da ihnen gewisse Attitüden fehlen, und sie sich in vielen Fällen auch davon abgrenzen möchten. Selbstdarstellung, Standortbestimmung und Angeberei sind nicht ihr Ding. Da sind sie eher die netten Jungs von nebenan, die alltägliche Geschichten mit viel (Sprach)witz verpacken.

Gerne wäre ich an dieser Stelle noch weiter auf das Album eingegangen, aber leider war kein Promo-Exemplar mehr verfügbar. Für diejenigen unter euch, die sich immer noch über den seltsamen Bandnamen wundern, die eigentlich völlig einleuchtende Erklärung (auf der Homepage nachzulesen): Als sie auf dem Klo saßen, kam ein rosa Elefant vorbei geflogen und hat ihnen den Namen ins Ohr geflüstert...

Hier nun endlich ein Videoclip als Quicktime-Movie zum Downloaden.

Schwule Mädchen (3 mb) Regie: BSW, im Netz unter www.bsw-film.de

Stefan

BROT FÜR DIE WELT

Was sind Fettes Brot eigentlich? Eine guter HipHop Act? Eine große Popband? Oder vielleicht sogar die schlechte Variante von beidem? Es haben sich sicherlich schon viele Leute darüber nachgedacht, ob man den Hamburgern nun "Props" geben oder eher Kalkül und Geschäftssinn unterstellen soll. Auch der sonst allwissende Elektrolurch hat darauf keine Antwort, weiß aber eins mit Sicherheit: Die Herren aus dem Norden der Republik sind tolle Entertainer!

Das stellen sie immer wieder auf ihren Konzerten unter Beweiß und zeigen wie dicht die oben genannten positiven Dinge zusammenliegen können, ohne einander zu schaden.

Auch im Osnabrücker Hyde Park, wo sich am Abend ein ungewöhnlich gemischtes Publikum zusammenfindet, ist das nicht anders.

Im Publikum treffen Großraumdisco-Besucherin auf Gangster Look-alike , auf Sohn dessen Mutter pünktlich nach Ende des Konzertes ihren Kleinen (natürlich mit neuem T-Shirt) vor dem Veranstaltungsort abholt, aufeinander.

Alle zusammen dürfen ein tolles und unterhaltsames Konzert erleben, in dessen Verlauf auch klar wird, wie viele Hits die Band schon gehabt hat. "Nordisch bei Nature", "Da draussen", "Jein" und "Mal sehen" werden von der Crowd aufs Wort mitgesungen und jede Shouter-Aufforderung von den Broten, dankend angenommen und vollzogen.

Eigentlich nichts besonderes für ein Hip Hop Konzert und eine einfache Übung von Animation, doch irgendwie wird hier etwas mehr als das übliche "Hände in die Luft" und "singt.......!" geboten.

Besonders beeindruckend wirken dabei die Hits des aktuellen Album "Demo Tape". Nach einem langen Intro zu "Schwule Mädchen" kommen die drei Hamburger bei ihrer ersten Zugabe auf die Bühne geschossen und man kann sich gut vorstellen wie Hunderte Leute den Refrain grölen.

Das dann König Boris bei "The Grosser" nicht wirklich die Töne trifft fällt keinem auf oder stört einfach niemanden. Man selbst singt ja ebenfalls schief mit. Ein weiteres Highlight ist eine Medley, dass sich aus den Songs der deutschen Kollegen wie Blumentopf oder Einszwo zusammensetzt.

Fettes Brot - Interview

Die Technik mal wieder. Just zu Beginn des Interviews mit "Fettes Brot" mußte der MD-Player streiken, so dass wir das Interview noch mal von vorne beginnen mussten, was dazu führte, dass die ersten Antworten nicht dem entsprachen, was wir vorher gehört hatten, sondern sich neue lustigere Statements ergaben, aber lest selbst.

Rock'n 'Roll Coseng (aka König Boris): Einen wunderschönen guten Tag, mein Name ist Königin Dolores.

Speedy Konsalik (aka Dr Renz): Ich bin Speedy Konsalik und zusammen sind wir zwei Drittel von Fettes Brot, das Dritte Drittel (Björn Beton aka Schiffmeister) schläft noch.

Elektrolurch: Warum die neuen Namen?

Rock'n 'Roll Coseng: Ich heiße Königin Dolores, weil ich eigentlich Zahnarzttochter bin und ich finde, dass könnte die Welt mal ruhig wissen.

Speedy Konsalik: Und ich heiße Speedy Konsalik, weil mir ist der Name irgendwann eingefallen und ich dachte, so heißt noch keiner und deswegen heiße ich ab sofort so. Das Tolle ist, wenn wir wollen, dass wir jetzt anders heißen, dann können wir das machen, und das können die wenigsten Leute von sich behaupten und deshalb nutzen wir diese unglaubliche Macht aus.

Elektrolurch: Euer Hit "Schwule Mädchen" ist ja auch eine Anspielung auf euch selbst, die ihr immer wieder als schwul und Mädchen in der HipHop-Szene gedisst werdet.

Rock'n 'Roll Coseng: Wir sind die schwulen Mädchen, eine der geilsten Gangs der Bundesrepublik, und jeder, der ein schwules Mädchen sein möchte, darf sich uns anschliessen.

Speedy Konsalik: Es ist ja leider so, dass in den letzten Jahren gewisse Strömungen konservativer Natur in der HipHop-Szene ein bißchen überhand genommen haben, und dass gerade die Worte "schwul" und "Mädchen" eher negativ besetzt waren. Deswegen haben wir den Song geschrieben, um dem ein wenig entgegen zu wirken. Es ist gleichzeitig aber auch eine einfache Party-Hymne, zu der man gern mit Drogen experimentieren und sich der Musik hingeben darf. Wenn man will, kann man auch ein bißchen Kritik raus hören, und die Wortkombination "Schwule Mädchen", die wir uns da ausgedacht haben, ist ab sofort nicht mehr eindeutig identifizierbar, und das gefällt mir sehr gut. Man kann nicht mehr sagen, ist es jetzt nett gemeint oder gar als Diss zu verstehen. Wir sind auf jeden Fall "Schwule Mädchen" und ihr seid es auch, wenn ihr wollt.

Elektrolurch: Stichwort "dissen" in der HipHop-Szene. Wie steht Fettes Brot dazu?

Speedy Konsalik: Wir machen lieber Songs, die irgendwie ein Thema haben. Wir repräsentieren uns lieber selber, als das, was andere Leute darstellen und von sich geben, zu kommentieren und schlecht zu finden. Wo ich noch nie den Anreiz gesehen habe, war Leute persönlich zu beleidigen. Die Leute, die ich schlecht finde, die haben es gar nicht verdient, in einem Fettes Brot Song namentlich erwähnt zu werden.

Elektrolurch: Es soll zu dem Videodreh von "Schwule Mädchen" einen speziellen Aufruf gegeben haben, dass Leute, die gerne als Statisten teilnehmen möchten, ruhig betrunken oder angetrunken sein dürfen. Die Reaktionen darauf sollen euch mehr als überrascht haben?

Rock'n 'Roll Coseng: Wir haben gesagt, wer Lust hat zu kommen und mit uns zu feiern und dabei ein bißchen zu saufen, ist herzlich eingeladen. Einige haben das falsch verstanden und haben gedacht, sie müßten vorher schon stockbesoffen sein, um überhaupt mitmachen zu dürfen. Das hat zu einiger Verwirrung geführt, wir hatten einige sehr alkoholisierte Leute am Set, aber es hat dem Ganzen kein Abbruch getan.

Elektrolurch: Also mußtet ihr niemanden nach Hause schicken?

Rock'n 'Roll Coseng: Nein, nein, nein, auch die voll Fertigen waren total willkommen.

Speedy Konsalik: Es wäre gemein gewesen, sie nach Hause zu schicken, weil gerade diese sechs Jungs, die so richtig breit waren, kamen extra aus Österreich. Die sind die ganze Zeit dageblieben, waren am Schluß wieder nüchtern und sind nach Haus gefahren und hatten am nächsten Tag einen Zahnarzttermin um 9 Uhr, alle zusammen.

Elektrolurch: Auf "Demotape" findet sich der Song "Fast 30". Habt ihr wirklich schon eine Midlife-Crisis? Kann man überhaupt rauswachsen aus diesem Rap-Phänomen?

Rock'n 'Roll Coseng: Erst einmal sind wir ja noch nicht Dreissig, wir haben noch ein, zwei Jährchen Zeit bis zur Midlife-Crisis. Wenn man genau hinhört, merkt man, dass es ein humorvoller Umgang damit ist, wir haben keine wirkliche Angst vor dem Dreissig werden. Aber wir sind eine der ersten aktiven Rap-Bands, die die Schallgrenze durchbrechen werden, weil wir ja schon recht lange dabei sind, insofern ist das ja ein neues Phänomen in der deutschen HipHop-Szene, aber wir sagen ja auch im Chorus "jung bleibt, wer frische Styles kickt" und ich denke, dass ist es, worum es geht.

Elektrolurch: Und was ist mit den "Fantastischen Vier", sind die nicht schon alle über Dreissig?

Rock'n 'Roll Coseng: Die stehen so ein bißchen außen vor, die haben so den "Westernhagen" Status.

Elektrolurch: Also kann man von euch auch noch etwas in 10 oder 20 Jahren erwarten?

Rock'n 'Roll Coseng: Das kann ich nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen. Wir machen so lange weiter, wie wir Spaß haben und uns gute Sachen einfallen und wir das Gefühl haben, dass wir den Leuten was geben und die Interesse daran haben an dem, was wir machen. Wenn das nicht mehr der Fall ist, machen wir was anderes.

Speedy Konsalik: Wir schreiben auf jeden Fall schon an dem Song "Fast 60": "Jetzt sind wir alt und gebrechlich, das ewige Tourleben rächt sich."

Rock'n 'Roll Coseng: "Noch 10 Jahre Rap-Musik, nee, echt nicht."

Interview geführt am 6.3.2002 von Smilo

 
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