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Liebe
Freunde, da die Bundesliga an diesem Wochenende
etwas langweilig war - ja, ich höre Euch
schon rufen: Die Bayern werden sowieso wieder
Meister, und wer weiß, vielleicht schaffen
sie es wieder, im Fußball ist doch alles
möglich. Tja, wo war ich? In der 3. Liga.
Dieses Mal geht es um den Underground des deutschen
Fußballs.
Das, was in der Rock-Musik als Alternative- oder
Independent-Szene bekannt ist, ist in der hiesigen
Fußball-Landschaft die 3. Liga. Und da gibt
es einen Verein, der mir, Bob Mega, und den anderen
E-Lurchen besonders ans Herz gewachsen ist: Der
VfL Osnabrück.
Dieser
Verein, dessen Farben Lila-Weiß die ganze
Stadt und ihre über 160.000 Einwohner zieren,
erlebt in dieser Saison Höhen und Tiefen
zwischen Sieg und Niederlage. Die Folge davon
ist ein ungesundes Maß an Unentschieden,
das unseren geliebten VfL in der unbetrüblichen
Grauzone des Mittelmaßes verschwinden lässt.
Dementsprechend singen wir und die anderen lila-weißen
Fans den folgenden Fußball-Klassiker in
der folgenden Tonart: "Die Hände zum
Himmel, die Finger in den Po." Du kannst
es einmal an Dir selbst ausprobieren, dann weißt
Du, wie wir uns in dieser Saison fühlen.
Dabei
lagen die Dinge einmal ganz anders. Der VfL wurde
Meister der Regionalliga Nord und gewann seine
Spiele.
So wie das am 23. September 1978, als den Lila-Weißen
gelang den FC Bayern zu schlagen. In dieser Saison
wurden die Münchner kein Pokalsieger - wegen
dem VfL, die hatten nämlich gegen die Bayern
gewonnen, mit 5 : 4. Matchwinner (Matchwinner
ist ein Ausdruck, den wir Fußball-Experten
für einen Spieler benutzen, der mehrere Tore
in einem Spiel geschossen hat und damit den Gegner
quasi allein abgeschossen hat), Matchwinner also
war der junge, aufstrebende Fußballgott
Andreas Wagner.
Er
schoss drei Tore gegen Schwarzenbeck, Meier und
Müller. Der quirlige Stürmer spielte
danach bei Concordia Hamburg, Altona 93 und SC
Wellinghusen. Heute stürmt er als Paketzusteller
in Hamburg-Horn. Eine beispiellose Karriere.
Doch nicht nur der Name Andreas Wagner ist den
lila-weißen Menschen in Osnabrück ins
Hirn eingebrannt.
Da sind auch Andreas Burose, der Torwart der
frühen 70er Jahre, der am besten spielte,
wenn er vorher ordentlich Osnabrücker Bier
getankt hat, Ansgar Brinkmann, dem es egal war,
ob er Osnabrücker oder Herforder Bier tankte,
Hannes Kaumkötter, der härter war als
Katsche Schwarzenbeck, aber genauso aussah, Detlev
Olaidotter, der rechtschaffenste Rechtsaußen,
der immer recht hatte, Pele Wollitz, der linkeste
Linksfuß, der sein Trikot links trug, Katze
Kamper, ein Torwart, der den Ball am besten fangen
konnte, wenn er ihn mit den Händen festhielt,
Udo Lattek, der seine Karriere in Osnabrück
begann, Osnabrücker und Herforder Bier tankte
und es bis zum Kölsch geschafft hat, und
natürlich Detlef Hegekötter und Amigo
Elfert, die wohl das allerbeste Tor der Welt geschossen
haben.
Und
das ging so: Der Ball kam zur Grundlinie direkt
neben dem Fünf-Meter-Raum, Hegekötter
per Fallrückzieher zu Amigo Elfert, Amigo
Elfert per Fallrückzieher ins Tor.
Ich, Bob Mega, hatte die große Ehre, damals
im Stadion anwesend sein zu dürfen. Ich war
damals noch ein kleiner Bob Mega, Bob Mini, wenn
ich da mal einen kleinen Kalauer anbringen darf,
hahaha.
Ach, wie schön das doch damals war. Ich
muss jetzt doch ein wenig weinen und Gefühle
zeigen. Alles war so menschlich, warm und das
Wetter war auch besser.
Meine
Mutter hat mir noch die Butterbrote geschmiert,
mit Leberwurst, hm, lecker, und ein Libero war
noch ein Libero. Nicht so wie heute, wo mit Viererkette
gespielt wird, und es sowieso nur noch ums Geld
geht.
Damals waren ein Spieler noch stolz, das Trikot
von seinem Verein zu tragen, heute ist es doch
egal, welche Farbe es hat und welche Werbung darauf
abgedruckt ist. Und wenn die Hymne kommt, dann
kauen die Kaugummi.
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