| Union
Berlin - VFL Osnabrück 2:0
An der "Alten Försterei" erlebten 7.375
Zuschauer Abstiegskampf pur. Der 1. FC Union Berlin
war von zwei engagierten Mannschaften an diesem Abend
das etwas bessere Team und besiegte den VfL Osnabrück
verdient mit 2:0. Über 90 Minuten hatten sich beide
Teams nichts geschenkt und den Fans einen packenden
Kampf geliefert.
Technische Raffinessen mussten unter diesen Prämissen
zurückstehen. Leider mußte der VFL mal wieder
die Heimreise ohne Punkte in der Tasche antreten.
Die "Eisernen" legen großen Wert auf
Tradition. Dementsprechend wurde Frank Pagelsdorf an
alter Wirkungsstätte mit freundlichem Applaus begrüßt.
Ähnliches galt für Marko Tredup, der mehrere
Jahre Publikumsliebling war.Die Verbindungen zwischen
beiden Mannschaft sind also in personeller aber vor
allem in geschichtlicher Hinsicht vorhanden.
Der 1. Juni 2000- so schön er für alle Fans
der Lila-Weißen war, so traumatisch wirkt er bei
den Unionern noch heute nach. Wenn man mit einem der
fantastischen Fans sprach, stellte man immer wieder
fest, dass das Elfmeterschießen auch in der Hauptstadt
unvergessen ist.
Die Gegenwart ist leider nicht von derartigem Glanze.
Union und der VfL kämpfen beide gegen den Abstieg.
Es durfte also eine kampfstarke Berliner Mannschaft
erwartet werden, Frank Pagelsdorf jedoch mischte keineswegs
"Beton an", wie einer Berliner Zeitung schrieb,
sondern wartete mit einer offensiven und mutigen Aufstellung
auf. Es war das gleiche Team wie gegen Eintracht Trier
auf dem Rasen. Eine Mannschaft also, die eine Mischung
zwischen erfahrenen und jungen Spielern, zwischen Technikern
und Kämpfern darstellt.
Von Beginn an überfuhren die Eisernen den VfL.
Entlastungsangriffe waren äusserst selten und wurden
regelmäßig bereits im Frühstadium von
der sicheren Berliner Abwehr vereitelt. Union hatte
in den letzten Wochen zweimal den Spitzenreiter an der
Alten Försterei "gefällt"- so war
das enorme Selbstvertrauen verständlich.
Zur Halbzeit ging die Berliner Führung in Ordnung,
beim Gegentor sah der junge Osnabrücker Torhüter
Timo Ochs nicht besonders glücklich aus, bot ansonsten
aber eine ordentliche Leistung.
Viele Angriffe in der ersten Halbzeit liefen über
die linke Angriffseite der Berliner.
Immer wieder setzte der starke Sreto Ristic den wieselflinken
Salif Keita ein, den Dzemal Berberovic überhaupt
nicht im Griff hatte. Berberovic konnte sich bei Schiedsrichter
Schalk bedanken, dass der Referee nach einem Foul an
Keita nicht auf den ominösen Punkt zeigte.
Auch im zweiten Spielabschnitt waren die Berliner optisch
leicht besser. Der VfL versuchte zwar, mehr Offensivaktionen
zu initiieren, wurde jedoch immer wieder vom Pressing
der Berliner gestoppt. So hingen die Spitzen weitestgehend
in der Luft, lediglich der junge Addy Menga, der für
den angeschlagenen Benni Schüßler gekommen
war, sorgte für frischen Wind.
Im Gegensatz zu Angelo Vier und Christian Claaßen,
die ihre besseren Szenen in der Defensive hatten, erarbeitete
sich der junge Angreifer Torgelegenheiten. In der 85.
Minute fehlte Addy leider die Cleverness, als er dir
größte Chance des Spiels nicht nutzte. Ganz
alleine war er auf den starken Berliner Keeper Wulnikowski
zugelaufen- das hätte der Ausgleich sein müssen.
Weitere Möglichkeiten ergaben sich nicht.
Dieses
galt im übrigen auch für die Berliner, da
die Osnabrücker Abwehr sehr gut stand und mit Jens
Langeneke, Gledson und Marko Tredup die Berliner meistens
im Griff hatte. Lediglich über die rechte Abwehrseite
gab es die bereits angesprochenen Probleme. Im Mittelfeld
hingegen konnte sich kein Team nennenswerte Vorteile
verschaffen. Es wurde um jeden Meter gekämpft.
Dieses honorierten die Fans beider Seiten. Die Berliner
verbreiten ohnehin an der Alten Försterei eine
unglaubliche Stimmung; wäre das Stadion noch überdacht,
die Berliner HNO-Ärzte hätten richtig viel
zu tun.Auch die VfL-Fans (etwa 400) standen nicht hinter
den Berlinern zurück und unterstützten ihr
Team mustergültig.
Es funktionierte sogar das "Echo" zwischen
dem Gästeblock und den Osnabrücker Zuschauern
im Sitzplatzbereich. Diese gute Stimmung wurde nach
dem Spiel mit freundschaftlichen Gesangsduellen beider
Fangruppen auf den U- und S-Bahnhöfen der Hauptstadt
fortgesetzt.
Zwar ist die Niederlage gegen einen direkten Mitkonkurrenten
gegen den Abstieg in der Tabelle bitter- ganz anders
als in Regensburg jedoch traf der VfL am gestrigen Abend
auf einen Gegner, der einfach das berühmte Quentchen
besser war. Die Lila-Weißen haben alles versucht-
diesmal hat es nicht gereicht. Gegen Aachen gibt es
eine neue Chance.
(gr) |