|
Ruhige Musik ist doch immer etwas Schönes, lenkt
sie doch von alltäglichen Problemen ab, lädt
manche Leute sogar zum Träumen ein und sie ist
manchmal einfach nur zum Entspannen gedacht.
GREEN APPLE SEA machen ruhige Musik, oder wie Stefan Prange
im Interview sagt: "Langsame Musik".
Als ich nun am 24.1. zum Interview fuhr, hatte ich mich schon
den ganzen Tag auf das Konzert gefreut, und still und heimlich
dachte ich, diese Musik ist doch gut geeignet für ein
bestuhltes Konzert, wo sich der Zuschauer im Sitzen dieser
wunderbaren Musik hingeben kann.
Um so mehr war ich überrascht, als das Gleis22 in Münster
tatsächlich Stühle und Bänke vor der Bühne
aufgebaut hatte. Nach der ebenfalls exzellenten Vorband MISSOURI
(sonst auf der Tour der Hauptact), traten GREEN APPLE SEA
in ihrer Wahlheimatstadt an, um das Publikum zu verzaubern
(teilweise mit Unterstützung der Musikerkollegen von
Missouri). Und auch ich ertappte mich, wie ich bei dem Genuß
der Musik, einfach meinen Gedanken freien Lauf ließ
und mir zu der Musik wunderschöne Bilder ausmalte.
GREEN APPLE SEA sind: Stefan Prange: Gesang, Gitarre, Tasteninstrumente
Henrik "Henne" Schoch: Schlagzeug, Gesang
Frank Theismann: Bass
Interview mit GREEN APPLE SEA im Gleis
22 in Münster am 24.1.2001
Elektrolurch:
Erzähl mir doch ein wenig zur Geschichte der Band.
Stefan: Wir kommen eigentlich aus dem Emsland, da
haben wir uns kennengelernt. Mit Frank mache ich schon ganz
lange Musik (Anmerk. der Redaktion: unter anderem bei NOLTE
und PERFECT BLUE BUILDINGS) und Henrik kannten wir von einer
anderen Band namens MAKITA. Da haben wir ihn das erste Mal
gesehen, der einzige Mann, der gleichzeitig Schlagzeug spielen
und Traktor fahren kann. Wir haben Henne, wie er auch genannt
wird, gefragt, ob er Lust hat, was ganz ruhiges zu machen,
weil wir da mal Lust zu hatten.
Elektrolurch: Was bedeutet der Name GREEN APPLE SEA?
Stefan: Das hat eigentlich keine besondere Bedeutung,
es ist nur ein Zitat aus einem Lied. Wir haben damals einen
Namen gesucht, weil wir im Vorprogramm irgendwo auftreten
sollten und haben uns dafür entschieden.
Henrik: Das ist aus einem Song von den COUNTING
CROWS, in dem gibt es die Textzeile: "Asleep in perfect
blue buildings beside the green apple sea". Den Song
weiß ich leider nicht mehr genau. (Anmerkung der Red.:
"Perfect Blue Buildings" vom Album "August
and everything after").
Elektrolurch: Wie würdet ihr denn eure Musik
beschreiben?
Stefan: Wir machen langsame Musik mit einem bißchen
Schrägeinschlag. Wir mögen gerne Bands wie LOW,
die RADAR BROTHERS
und die RED
HOUSE PAINTERS, langsame amerikanische Musik. Unsere Musik
hat schon einen amerikanischen Einschlag.
Elektrolurch: Und eine Kategorisierung wie Lo-Fi,
ist das ein Label unter dem ihr euch wieder finden könnt?
Stefan:
Also, ich hör das sehr gerne. Die Platte, die wir aufgenommen
haben, ist aber nicht wirklich Lo-Fi. Lo-Fi im Sinne von Homerecording
sind wir eigentlich nicht, das haben wir früher gemacht,
leider ist das sind wir nie dazu gekommen, das zu veröffentlichen.
Wir haben selbst 4-Spur-Aufnahmen gemacht, die auch sehr schön
geworden sind, aber als es dann an die Platte ging, haben
wir dann doch eher Hi-Fi aufgenommen. Wir sind eher low, aber
nicht Lo-Fi.
Elektrolurch: Ein anderer Begriff, der in solchen
Zusammenhängen immer wieder genannt wird, ist Post-Rock.
Wie steht ihr dazu?
Stefan: Ich hör das auch sehr gerne, also manche
Bands aus dem Genre mag ich lieber. Das ist ja auch ein Begriff,
den man endlos ausweiten kann, aber ich weiß nicht,
ob wir da wirklich reinfallen. Ich denke, daß wir alle
aus Bands kommen, die schon mal in die Richtung gegangen sind,
aber wir machen dann doch zu sehr Songs. Post-Rock geht ja
ein bißchen weg von dem normalen Songschema.
Elektrolurch:
Wie würdet ihr denn Post-Rock definieren?
Stefan:
Oh, fuck.
Henrik:
Leute, die viel nachdenken.
Stefan:
Ja, halt weg von Strukturen hin zum gefühlten Song. Post-Rock
ist ja auch sehr emotional, obwohl es ja eigentlich überhaupt
nicht emotional sein soll.
Elektrolurch:
In eurem Presseinfo steht, daß ihr von
AND ALSO THE TREES beeinflußt seid. Wie kommt es
dazu?
Stefan:
Das ist ein Mißverständnis. Wir haben mal im Vorprogramm
von AND ALSO THE TREES gespielt, hier im Gleis22. Die machen
langsame Musik, wir machen langsame Musik, so kam das. Lustigerweise
sind wir gut angekommen, bei so Leuten mit einer drei Meter
CURE-Tolle.
Elektrolurch:
Ebenfalls im Info steht, daß die Platte im Emsland aufgenommen
wurde. Wo denn da genau?
Henrik:
Das war in Fürstenau in der "Alten Schule".
Irgendwie haben wir einen Raum gesucht, der wirklich ein Raum
ist und nicht nur ein Studio. Ich hatte die Idee, das in diesem
Keller zu machen, der rundum vertäfelt ist. Das hat eigentlich
ganz gut geklappt, bis auf das unser Aufnahmeleiter Herr Hirzel
ein Stockwerk höher in der Kälte sitzen mußte.
Aber es war trotzdem gut.
Elektrolurch:
Also hat die Zusammenarbeit mit Hirzel (SAMBA)
auch wunderbar geklappt?
Henrik:
Auf jeden Fall, war sehr lustig vor allem.
Elektrolurch:
Wie sieht es mit dem Ausland aus, wird eure CD auch dort veröffentlicht
werden?
Stefan:
Wir haben jetzt Platin in Malaysia, nein nicht wirklich. Man
schielt da natürlich gerne rüber, aber das ist ganz
schwer, etwas zu veröffentlichen. Das ist so wie hier,
da muß man auch zusehen, daß man viel live spielt,
um bekannt zu werden. Genauso ist es in den USA, wenn man
in Deutschland schon super bekannt ist, dann ist es einfacher
vielleicht mal in Amerika zu spielen. Wie TOCOTRONIC,
die haben ja dort zusammen mit COME
und FUCK
gespielt. Lustiges Plakat im übrigen, auf dem stand COME
FUCK TOCOTRONIC. Auf jeden Fall denke ich, daß es nicht
einfach ist, sofern nicht irgend jemand auf die Idee kommt,
unsere CD in Amerika zu veröffentlichen, wird es nicht
so weit kommen. Eine tolle Seite, die im übrigen CD's
von allen möglichen Bands vertreibt, ist www.insound.com.
Zur Zukunft
befragt, antworteten die Jungs von GREEN APPLE SEA, man plane
eine enge Zusammenarbeit mit MISSOURI,
die sich auf der gerade beendeten Tour nicht nur als gute
Kollegen erwiesen haben, sondern auch zu Freunden geworden
sind. Im Laufe des Jahres 2001 soll ein gemeinsamer Studioaufenthalt
erfolgen, aus dem eine gemeinschaftliche CD werden könnte.
Wir sind alle sehr gespannt darauf. Ich danke an dieser Stelle
MISSOURI und Stefan, Henne und Frank von GREEN APPLE SEA.
Macht weiter so.
CD-Kritik GREEN APPLE SEA: All over
the Place
Mädels
und Jungs, schmeißt endlich eure Kuschel-Rock CD's weg,
GREEN APPLE SEA sind angetreten, euch eure Träume zu
verschönern.
Die drei
Emsländer mit Wahlheimat Münster machen langsame
Musik, die dazu einlädt, die Beine baumeln zu lassen,
sich entspannt auf's Bett zu legen und/oder einfach nur mal
seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.
Wer dem
Lo-Fi zugetan ist, wer Bands wie LOW, die RADAR BROTHERS ,
die RED HOUSE PAINTERS oder MISSOURI mag, sollte sich diese
CD nicht entgehen lassen. (Smilo)
|