|
Gut
10 Jahre nach Gründung der Band in Huntington Beach,
Kalifornien blicken (hed) p.e. auf eine erfolgreiche Karriere
zurück, ohne jedoch den ganz grossen Durchbruch geschafft
zu haben. Die energiegeladene Mischung aus Rap, Punk, Hardcore,
Rock, Metal und Hip Hop verleitet dazu, die Band in die Schublade
Nu Metal zu stecken, aber das Etikett, welches sich die sechsköpfige
Band selber verpasste lautet Gangsta Punk.
Bereits
kurz nachdem Sänger Jahred (der sich damals noch M.C.U.D
nannte) und Gitarrist Westyle die Band Mitte der ’90er
Jahre formierten, zeigten einige Plattenfirmen Interesse an
der Band und ihrem Output. Neben Jahred und Westyle gehörten
DJ Product (Tableist), BC The Mizak Diza (Drums), Mawk (Bass)
und Gitarrist Chad Benekos zur Stammformation. Kurz nach dem
Ende der Aufnahmen zum aktuellen Album „Blackout“
stieg Chad Benekos aus und schlug den ehemalige Amen Saitenmann
Sonny Mayo als seinen Nachfolger vor.
„Wir waren schon lange mit Sonny befreundet und er
war ideal“, kommentiert DJ Product die Veränderung
in der Besetzung. „Er ist ein Hardcore-Musiker. Durch
ihn ist die Live-Performance deutlich besser geworden.“
„Meine
Liveshows waren früher echt schlimm“, blickt Sonny
auf seine Zeit bei Snot und Amen zurück. „Ich war
fast immer betrunken. Das Problem war, dass unsere Band der
Meinung war als Musiker müsse man immer trinken und Drogen
nehmen, um alles anders wahrnehmen zu können. Mittlerweile
bin ich mir bewusst, dass das absolut nicht der Wahrheit entspricht.
Du belügst dich nur selbst und alles erscheint in einem
falschen Licht. So etwas ist gegenüber den Fans sehr
unfair, die eine gute Liveshow sehen wollen.“
Frontmann Jahred hat ähnliche Erfahrungen gemacht,
gibt aber scherzhaft auch einen anderen Aspekt zu bedenken:
„Wir haben das Glück, dass die meisten unserer
Zuhörer betrunken sind. Dann finden sie unsere Shows
nicht ganz so beschissen.“
Mittlerweile
hat sich das Bild gewandelt. „Ich gehe heute mit viel
mehr Energie auf die Bühne und kommuniziere mit dem Publikum,
was mir viel besser gelingt ohne von Drogen benebelt zu sein“,
erklärt Jahred. „Das Ding ist einfach auf die Bühne
zu gehen, einen langen Schrei auszustossen, und sich daran
zu berauschen. Und danach ist es einfach das Grösste
der begeisterten Menge in die Gesichter zu schauen. Es ist
wahnsinnig! Ich rauche zwar immer noch Marihuana. Nicht nur
ab und zu. Es ist keine harte Droge, aber eines Tages will
ich mich auch davon befreien.“
Die Kalifornier haben sich rund um den Globus auf Touren
mit Bands wie P.O.D., Metallica, Slayer, Korn, Linkin Park,
Papa Roach oder Slipknot längst einen Namen gemacht und
erfreuen sich einer ständig wachsende Fangemeinde. Das
zweite Album „Broke“ ging bislang mehr als 250.000
mal über den Ladentisch und gilt heute, knapp drei Jahre
nach Veröffentlichung, als das bislang erfolgreichste
Album der Band.
Das
erste Album „Church Of Realities“ (1995) erschien
noch auf einem Indielabel, bevor 1997 mit (Hed) P.E. das Majordebuet
folgte.
Sänger und Texter Jahred nimmt als Farbiger im RapMetal
eine Art Ausnahmerolle ein: „Ich habe im TV ein paar
Südstaatler gesehen, die meinten...ich werde das N-Wort
nicht benutzen, aber sie sagten das N’s im Autorennsport
nichts zu suchen hätten. In der Metalszene ist es so
ähnlich. N’s dürfen keinen Metal spielen.
Okay, ganz so schlimm ist es nicht, aber seien wir mal realistisch.
Bei einem Rockkonzert sind vielleicht 2 von 5.000 Zuschauer
farbig. Nicht das mich das stört oder daran hindert das
zu machen was ich will, aber Metal ist irgendwie ein Sport
für Weisse.“
Aber
gerade die Live-Performance und die Texte von Jahred, sind
zentraler und vorantreibender Teil der Band. „Ich will,
dass die Leute über meine Texte lachen, erröten
oder nachdenken“, erklärt Jahred. „Vielleicht
sollen sie sich sogar unwohl fühlen. Man soll meine Songs
aber bestimmt nicht beim Dinner hören.“
Es kommt schon mal vor, dass Jahred wegen seiner Texte kritisiert
wird und einer der Gründe für den Weggang von Gitarrist
Chad waren die Texte. „Ab und zu haben sich schon Frauen
beschwert, die behaupten ich sei gemein zu Frauen. Das ist
definitiv nicht wahr“, stellt Jahred klar.
„Und Chad hat die Band wegen meiner Texte verlassen.
Das war ein bisschen verrückt, denn meine Songs waren
früher viel obszöner und auf dem neuen Album sind
nicht so viele böse Texte. Chad mochte z.B. die Zeile
’Making love to the teenage lady. But don’t hate
me. She just looked like M. Brady.’ nicht. Es ist doch
nur Spass. Und ich sagte ja nicht elfjährig.”
Zu
Kompromissen ist er diesbezüglich nicht bereit: „Nein,
ich werde meine Texte nicht für Bandmitglieder ändern.
Das ist albern und ich würde es niemals tun. Ich kann
mir überhaupt nicht vorstellen zu einem Songwriter zu
gehen und zu sagen: Ich mag Deine Texte nicht! Was soll das?
Respektiert die Ehrlichkeit der Kunst und das ich ein Künstler
bin.“
Deutliche Worte und so kann man wohl davon ausgehen, dass
auch auf der nächsten Veröffentlichung von (hed)
p.e. ein Aufdruck sein wird, der vor dem „Explicit Content“
warnt.
|