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LUCKY JIM INTERVIEW

RED INK, der Garant für hochkarätige Indiemusik, beschert uns das mittlerweile zweite Album des englischen Duos LUCKY JIM, welches in ihrer Heimat auf SKINT erscheint. SKINT-Macher Fatboy Slim hatte den absolut richtigen Riecher und nahm die beiden schon für ihr erstes Wek als ersten nichtelektronischen Act auf sein Label! Die euphorischen Kritiken dazu gaben ihm Recht. Nun stehen die beiden LUCKY JIM Macher Gordon Grahame und Ben Townsend Rede und Antwort.

1. Lucky Jim ist für viele hier noch eine relativ neue Band. Gib’ uns doch mal bitte einen kleinen Abriss eurer Biographie.

Gordon: „Lucky Jim wurde gegründet als ich von Glasgow nach Brighton gezogen bin und Ben bei einem Konzert traf, bei dem ich Solo spielte. Er war Schlagzeuger in einer Band und mochte meine Musik. Wir sprachen darüber ein Album zu machen. Ich zog nach Brighton und wir begannen an diesem Album zu arbeiten ohne zu wissen, was wir damit machen würden. Aber es wurde ziemlich gut und wir bekamen einen kleinen Vertrag, anschließend bekamen wir einen größeren Vertrag in Brighton. Wir veröffentlichten unser Album „Our Troubles End Tonight“ und gingen hauptsächlich in Großbritannien und Deutschland auf Tour.

In Deutschland waren wir am erfolgreichsten. Danach fingen wir an am zweiten Album zu arbeiten und dieser Prozess dauerte ziemlich lang. Zunächst nahmen wir ein Album auf und gaben es unserer Plattenfirma, aber es war nicht ausgereift genug, um unser zweites Album zu werden. Eigentlich waren es nur ein paar Songs. Sie mochten es und meinten, es könnte unsere nächstes Album werden.

Dann wurde es kompliziert weil sie ein paar Songs ändern wollten und dann, nach ca. sechs Monaten, waren keine Songs vom ursprünglichen zweiten Album mehr übrig. Wir nahmen noch einige andere Tracks auf, aber keiner mochte sie, weder die Plattenfirma, noch wir. Sie waren einfach nicht so gut. Letztendlich hatten wir eine Art inneren Druck das Album fertig zu stellen und gingen ins Studio, wo wir all diese verschiedenen Songs nahmen und die Instrumentierung wieder herauskitzelten, sie neu aufnahmen, einige Teile änderten … Und heraus kam dieses Album.“

2. Ben du hast einen Schnellkurs in Musikproduktion belegt und dann habt ihr euer erstes Album mit diesem Wissen aufgenommen. Ist das wirklich so einfach, ein Album zu produzieren?

Ben: „Es ist so einfach. Wenn dich etwas total begeistert und du wirklich daran interessiert bist, hast du die Versessenheit und Energie dich voll rein zu hängen. Ich bin wirklich dankbar, dass Gordon und ich uns zu der Zeit trafen. Es war perfektes Timing: Die Idee war da, die technischen Fertigkeiten sowie eine große Menge Energie zwischen uns beiden. Wir kannten uns überhaupt nicht als wir uns bei dem Konzert trafen, das Gordon erwähnt hat. Es muss eine Art musikalisches Blitzen zwischen uns gegeben haben, ansonsten hätten wir wohl nicht angefangen, so miteinander zu redden.

Sechs Wochen später bekam ich einen Anruf: "Ich bin umgezogen, was ist mit der Platte?’ Er kam noch am selben Tag vorbei und wir fingen sofort an. Am ersten Tag entstand ein Take, welches später der erste Track von „Our Troubles End Tonight“ wurde: „You Stole My Heart Away“. Ich schlug Löcher in die Wände meines Wohnzimmers und steckte Kabel durch um ein Studio zu improvisieren.

Gordon kam rein um sich die Sachen anzuhören und sagte "Ja, das wird gut!’ und wir fingen an die Songs auszuarbeiten. Es war ein sehr natürlicher Prozess, ich schätze mal ich hatte Glück – Lucky Jim. Ich traf einfach den richtigen Kerl zur richtigen Zeit. Es klang toll. Viele Leute haben es schwer ihren eigenen Sound zu finden. Wir hatten keinerlei Druck, darum war es so einfach für uns, den Lucky Jim Sound zu finden.“

3. Ihr habt eure Songs ja quasi in Eigeninitiative bei dir Zuhause aufgenommen. Ist es für den kreativen Prozess gut, wenn man kein Budget hat?

Ben: „Es gibt keine Uhr, die tickt. Wir arbeiten ziemlich schnell, mit einer Menge Energie. Alles passiert sehr schnell.“

4. War es schwer nach dem schnell produzierten ersten Album das zweite Album aufzunehmen?

Gordon: „Ich wusste, dass sobald wir mit dem ersten Album fertig sind von mir erwartet werden würde, die nächsten 10 Songs abzuliefern. So wie ich bin, schrieb ich diese Songs sofort, damit ich der Plattenfirma auf die Frage was mit dem Nachfolger sei, antworten könnte, ich hab ihn schon geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, ich hätte mich gut abgesichert, weil es anders ist ein Album ohne fremden Einfluss zu machen.

Das erste Album war okay, es war gut für uns, es hat uns etabliert. Aber es brachte nicht viel Geld und machte die Leute nicht dauerhaft glücklich. Jeder erwartete mehr vom zweiten Album und wir mussten ganz anders an die Sache rangehen. Nach dem Motto: Haben wir Singles? Also versucht man Singles zu schreiben, etwas worüber ich noch nie nachgedacht hatte. Ich schreibe einfach nur Songs und denke nicht großartig darüber nach, ob sie sich als Single eignen.

Aber mir wurde klar, dass ich Kompromisse eingehen oder wenigstens ein paar neue Tricks lernen musste, wenn ich weiterhin Musik machen wollte. Der Lernprozess ist Teil des Grunds, warum wir so lang für das Album gebraucht haben. Letztlich hatten wir diesen Berg neuer Songs und wussten nicht, was wir mit ihnen anfangen sollten. Wir wussten nicht, ob das schon das Album war. Unser Label involvierte jemanden, der so etwas wie ein A&R war und mit den Arctic Monkeys und Franz Ferdinand gearbeitet hatte. Er hörte sich unsere Sachen an und gab uns Hinweise, wie daraus ein Album werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir praktisch zu blind für eine objektive Entscheidung, wie ein Album zu sein hat.

Wir machten also diese typische Industrie-Erfahrung. Das künstlerische war Nebensache. Aber irgendwie verstehe ich jetzt einen Teil dieses Prozesses und außerdem hab ich es überlebt. Ich erinnere mich, dass wir etwas nach Hause nahmen, von dem wir dachten, es sei das neue Album. Wir hörten es uns an und telefonierten bis in die Nacht: "Ich mag es nicht. Was machen wir jetzt? Aber endlich fügte es sich zusammen ich verstand, warum es fertig war. Allerdings war es vollkommen anders als Musik zum eigene Vergnügen zu machen.“

5. Jetzt hast du gerade gesagt, dass ihr nicht fähig seid eine Hitsingle zu schreiben. Du hast doch Produktionstechnik gelernt. Da müsstest du das doch eigentlich wissen wie es geht, oder?

Ben: „Da hast du recht, aber nur so lange man es nicht tun muss. Es ist leicht Musik ohne hohe Erwartungen zu machen. Aber wenn man sich anpassen muss, wenn man etwas Erfolg will, ist es nicht mehr so leicht. Wir lieben es Musik und Platten zu machen! Das bedeutet nicht, dass man nur noch Kompromisse eingehen muss. Es bedeutet einfach, dass man nach anderen Regeln spielt und das ist wahrscheinlich der Grund, warum wir bei den Aufnahmen so viel falsch gemacht haben. Wir sind Menschen, wir können nicht immer alles beim ersten Mal richtig machen.

Wir lernen schnell und wenn wir etwas falsch gemacht haben fragten wir uns warum es falsch war und was man tun muss, um es richtig zu machen. Es gab einen Punkt an dem sich die Produktion schon sehr lange hingezogen hatte und wir einfach nur fertig werden wollten. Wir hatten ca. 38 Tracks und es wurde langsam lächerlich. Aber es war kein Album. Man kann nicht einfach so Tracks zusammenwürfeln. Sie müssen eine Form, eine Einheit ergeben und die muss ehrlich sein.

Alles andere merkt man der Musik sofort an und wir würden nicht damit durch kommen. Also mussten wir uns zusammenreißen und ein Bündel Songs finden, von denen wir wussten, dass sie zusammen passen. Wir nahmen alles aus diesen Songs raus, abgesehen von der Stimme und fingen noch mal von vorn an: Lass’ uns die Instrumentierung perfekt und schön arrangieren, lass’ uns zum romantischen Sound zurück kehren, sei er nun dunkel und schwer oder leicht und fröhlich. Und dann erreichten wir plötzlich einen Punkt an dem wir dachten "Ich denke, das ist es!’ Und auch die anderen Leute meinten "Das ist brilliant!’ Wir dachten nur Stop! Nicht mehr! Man hat manchmal die Neigung weiter zu kochen und die Dinge anbrennen zu lassen …“

6. Um auf den Albumtitel zu sprechen zu kommen: „All the King’s horses“ hat dieser Titel eine tiefere Bedeutung?

Gordon: „ “All The King’s Horses” ist aus einem Kinderreim namens “Humpty Dumpty”. Er geht ‘Humpty Dumpty sat on the wall/ Humpty Dumpty had a great fall/ All the king’s horses and all the kings men/ couldn’t put Humpty together again’. Das ist einer der berühmtesten Kinderreime. Es gibt keinen besonderen Grund, warum ich ihn als Titel vorgeschlagen habe. Vielleicht, weil dieses Album eigentlich mehr eine Sammlung von Songs ist. Es hat kein vorrangiges Konzept.

Es war schwer, alles unter einen Hut zu bringen, deshalb fiel uns auch die Titelwahl so schwer. Alles, was ich mir ausdachte, passte nicht. Aber “All The King’s Horses” passte. Vielleicht, weil es so viele Liebeslieder sind. Man benutzt den Ausdruck ‘All the king’s horses’ um zu beschreiben, dass es nichts gibt, um etwas wieder ganz zu machen. Ich dachte, zu sagen etwas ist kaputt, passt ganz gut zu Liedern über gebrochene Herzen.“

7. Euer erstes Album „All our troubles end tonight“ habt ihr im Wohnzimmer aufgenommen. Macht ihr das immer noch so?

Ben: „Ja, meistens. Um ehrlich zu sein, war die Produktion auch räumlich sehr ausgedehnt. Wir haben in mehreren Studios aufgenommen: Wir waren in London und in einer alten Scheune in der Nähe von Brighton, wo wir einen tollen Schlagzeugsound hatten. Aber größten teils haben wir zu Hause gearbeitet. Es war schön, obwohl es auch so Druck gab. Aber die Leute wissen nicht wo du bist und was du die ganze Zeit über machst. So können wir einfach zusammensitzen und an unserem Zeug arbeiten. Es hilft auf jeden Fall, um alles wieder in die richtige Richtung zu lenken. Ich werde das jetzt immer so machen. Obwohl meine Frau ein wenig verärgert ist, dass ich dauernd Löcher in die Wände bohre und Kabel durch stecke. Sie ist ein bisschen beunruhigt.“

8. Handelt euer Lied „Don Quixote“ von der literarischen Vorlage, oder ist das nur eine Metapher, die ihr benutzt habt?

Gordon: „Ich habe den Roman nicht gelesen. Ich kenne die Geschichte nur aus dem Musical „Der Mann von La Mancha“. Es war nur eine Metapher. Wenn ich einen Song schreibe weiß ich meistens nicht, worüber ich schreiben werde, bis ich damit anfange. Zum Beispiel fing ich bei diesem Song mit der Zeile ‚Up on the mountains with the lillys and pines’ an und erst später entwickelte es sich zum Liebeslied. Zu der Zeit war ich kurz davor, mich von meiner Freundin zu trennen und vielleicht habe ich unbewusst das verarbeitet, was zwischen uns war.

Viel von dem was ich über den Titel “All The King’s Horses” gesagt habe, handelt auch von jemanden der weiß, dass ihn eine Person nicht mehr liebt und das es keinen Weg gibt, um sie zurück zu gewinnen. Aber er glaubt noch immer an diese Liebe und dass sie sich irgendwie beweisen wird. Er kann sie nicht zurückholen, aber er kann beweisen, wie sehr er geliebt hat. Es ist eine Metapher für jemanden, der bewusst Dinge tut die zum Scheitern verurteilt sind, weil es das ist, was seinen Gefühlen entspricht.“

9. Gordon redet ja mit einem sehr ausgeprägten schottischen Akzent. Ben, du kannst das ja besser beurteilen: singt er auch mit starkem Akzent?

Ben: „Nein, ich finde nicht. Gordon hat seinen eigenen Gesangsstil entwickelt. Wir haben mal einen Song aufgenommen, der fast so etwas wie eine schottische Hymne war. Da hatte er diese stolze schottische Stimme, weil es gut gepasst hat. Aber das war wahrscheinlich das einzige Mal, das ich ihn mit dieser Stimme singen gehört habe.“

10. Habt ihr alles selber eingespielt, oder hattet ihr Gastmusiker die euch unterstützt haben?

Ben: „Wir hatten einige Gastmusiker bei ein paar Tracks, außerdem kam gelegentlich ein Freund vorbei und hat Orgel oder Akkordeon gespielt. Einige der Aufnahmen entstanden an unterschiedlichen Orten. So haben wir z.B. einen winzigen Teil des Studios eingepackt und sind in ein kleines Haus in Schottland gefahren. Die Lieder „Don Quixote“ oder „Lovebirds“ sind so entstanden. Also ja, es gab ein paar Gastmusiker, die uns geholfen haben.“

11. Eure Backing Vocals klingen manchmal sehr schräg und merkwürdig. Ist das Absicht?

Ben: „Ja, sowas mag ich! Z.B. der erste Track “Sophia” hat in meinen Augen einen großartigen Backing Vocal. Aber alle anderen im Studio fanden, es wäre zu altmodisch und schräg. Aber das Gefühl war perfekt. Gordon war im Studio, die Lautsprecher waren voll aufgedreht und er ist durch die Gegend gesprungen während er die Backing Vocals gesungen hat. Es klang leidenschaftlich, ein bisschen wie Elvis. Ich fand es einfach toll! “

12. Mit dem Song „Dear Brother“ hast du ein sehr persönliches Lied geschrieben. Worum geht es darin genau?

Gordon: „Ja, "Dear Brother" ist über jemanden den ich kannte, als ich in Amsterdam lebte. Er war ein Schriftsteller namens Tristan Egolf und ich habe ziemlich lang Straßenmusik mit ihm gemacht. Ich habe mit vielen Leuten Straßenmusik gemacht, bis Tristan auftauchte. Ich glaube, er kam ursprünglich aus Philadelphia, bin mir aber nicht sicher. Wir wurden Freunde und als ich Amsterdam verließ um nach Spanien zu reisen, ging er nach Paris um dort sein Buch zu schreiben. Irgendwann meldete er sich und bot mir an in seinem Apartment zu wohnen, weil er bei seiner Freundin wohnte, aber schon Geld in das Apartment investiert hatte. Ich wohnte eine zeitlang dort, musste aber tagsüber weggehen, weil Tristan dort sein Buch „Lord Of The Barn Yard“ schreiben wollte. Er war einer dieser Menschen, die für kurze Zeit dein Leben streifen und bei dir den Eindruck hinterlassen, dass sie wahre Künstler sind. Ich glaube, dieses Gefühl hatten wir beide von dem anderen. Ich erinnere mich daran, dass einmal sein Manuskript herumlag und ich eine Seite aufhob und kurz überflog. Ich dachte ‚Ja, er kann schreiben!’ So als wenn man in einen Buchladen geht, ein Buch nimmt und sich denkt, dass das bestimmt gut ist. Wir haben uns Gesellschaft geleistet und von Zeit zu Zeit habe ich versucht, ihn mal wieder zu erreichen. Aber vor nicht allzu langer Zeit habe ich eine eMail von jemanden bekommen, den wir beide in Paris kennen gelernt hatten. Er schrieb er hätte tragische Neuigkeiten von Tristan: Er hatte sich erschossen.“

13. Wir haben vorhin über Hitsingles gesprochen. „Another Way Of Loving You“ könnte doch eine sein, oder?

Ben: „Wir haben das im traditionellen Lucky-Jim-Stil aufgenommen. „Another Way Of Loving You“ entstand sehr schnell bei mir zu Hause. Es ist ein großartiger Song. Als wir das Album zusammen stellten hatte Gordon so viele Songs, aber wir wollten eine fortlaufende Dynamik entwickeln, in der es Platz für verschiedene Arten von Songs gibt. Und dieser hier hat einfach so eine schöne Stimmung, so eine leichte, fröhliche Melodie. Es war nicht schwer ihn aufzunehmen, es hat viel Spaß gemacht. Ein bisschen Beach Boys, ein paar Glocken – es ist gut! “

14. Meiner Meinung geht euer zweites Album mehr in Richtung Popmusik als das erste. Wie seht ihr das?

Gordon: „Ich glaube, bei diesem Album hatten wir andere Köpfe auf. Wir haben uns aus einer komplett anderen Richtung angenähert. Wir dachten uns, wir könnten ein Album in Tradition zu den klassischen 70er Alben wie “Rumours” oder “Bridge Over Troubled Water” machen. Obwohl ich nicht glaube, dass es das geworden ist ... Beim ersten Album sind wir nie wirklich in ein Studio gegangen. Diesmal sind wir in verschiedenen Studios ein- und ausgegangen, haben mit verschiedenen Bands an verschiedenen Orten gespielt und versucht, eine Single zu produzieren. Offensichtlich wussten wir überhaupt nicht, welcher Song eine Single sein könnte, also sind wir einen Großteil der Stücke angegangen, als wären sie Singles. Das hat wahrscheinlich die Arbeit so beeinflusst, dass dieses Album mehr in Richtung eines Pop Albums geht als das erste.“

15. Wie kommt es, dass das neue Album erst in Deutschland und dann erst in England erscheint? Das ist doch eher ungewöhnlich.

Ben: „Es ist merkwürdig und ungewöhnlich. Aber das Red Ink Büro in Deutschland war sehr stolz darauf, dass wir dort vom ersten Album mehr verkauft haben als in England. Und sobald das neue Album fertig war, wollten sie es veröffentlichen. In England war man wegen dem dreimonatigen Vorlauf der Presse noch nicht bereit für die Veröffentlichung. Es war noch nicht alles vorbereitet. Aber das deutschen Büro war so versessen auf die Veröffentlichung, dass die Plattenfirma in England zugestimmt hat. Vielleicht ist es sogar besser die Platte zeitversetzt zu veröffentlichen. So können wir uns auf das jeweilige Land konzentrieren.“

16. Was ist das Problem mit Lucky Jim in England. Seid ihr nicht cool genug? Habt ihr die falschen Frisuren?

Ben: „Ich hab’ schon eine ziemlich schlimme Frisur! Ich weiß es nicht. Wenn wir in Deutschland sind und Konzerte und Interviews geben, habe ich das Gefühl, dass die Leute mehr auf die Texte achten. Sie mögen die Musik, aber sie mögen auch die Texte. Manchmal glaube ich, in England ist man oberflächlicher. Wir wünschen uns Fans, die mehr über die Musik wissen wollen. Aber die englische Musikszene ist überschwemmt und wir passen vielleicht nicht ganz rein. Aber wir wollen uns nicht anpassen, nur weil das leichter wäre. Also machen wir es auf unsere Art, auch wenn es etwas schwerer ist, verstanden zu werden.“

17. Ihr geht relativ selten auf Tour, warum?

Ben: „Wir sind für das erste Album im Wesentlichen nicht auf Tour gegangen. Beim ersten Album gab es keine klare Veröffentlichung. Diesmal ist es anders: Diesmal gibt es ein festes Datum, es ist ziemlich schwarz-weiß. Damals war „Our Troubles End Tonight” schon veröffentlicht bevor wir von einem anderen Label unter Vertrag genommen wurden. Es wurde dann nur noch einmal veröffentlicht. Wir gaben ein paar Konzerte, dann kamen wir nach Deutschland und Holland. Wir tourten ein bisschen in Deutschland, z.B. waren wir Vorband für Element Of Crime in Berlin. Das war alles. Danach gingen wir zurück ins Studio. Und das dauerte ewig, wie eben erwähnt. Jetzt sind wir sehr gespannt: Platte fertig, gemastert, Veröffentlichungsdatum – wir sind aufgeregt! Wir können loslegen und promoten, ein paar Konzerte geben … Es wird großartig!“

18. Wie sieht ein Auftritt von euch beiden aus? Seid ihr nur zu zweit auf der Bühne oder engagiert ihr eine komplette Band?

Gordon: „Wir haben gerade eine Band zusammengestellt. Das ist unser drittes Line-Up. Wir haben zwei andere Musiker, Bass und Keyboard. Die beiden spielen sonst bei der Band Turin Brakes. Sie sind mit Abstand die besten Musiker, mit denen wir gespielt haben. Das verändert auch unseren Sound. Wir haben bis jetzt nur ein paar mal mit ihnen geprobt und schon gewaltige Fortschritte gemacht. Manchmal laufen wir Gefahr, zu sehr wie eine Pop Band zu klingen. Dieses neue Line-Up unterstützt die Platte.“

19. Gordon du hast früher viel Erfahrungen in der Open-Mic-Szene in New York gesammelt. Glaubst du, dass dir das jetzt bei Lucky Jim hilft?

Gordon: „Seit ich einen Plattenvertrag habe, spiele ich weniger als vorher. Es ist verrückt! Früher habe ich fast jede Nacht drei Stunden gespielt. Wenn ich mir die Tonnen an Material vorstelle, die ich gespielt habe … In letzter Zeit habe ich fast überhaupt nicht mehr gespielt. Aber ich habe mit meinem Label ausgemacht, dass ich mich selbst um ein paar Touren kümmern kann. So habe ich einige Konzerte mit Ocean Colour Scene gespielt. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich wohl bald ernsthafte Probleme bekommen, wenn es wieder ans Spielen gegangen wäre. Man wird weich, Disziplin und Selbstbewusstsein verschwinden je länger man der Bühne fern bleibt. Wenn ich in Hochform bin und einen Menge spiele, dann betrete ich die Bühne als wäre sie mein Wohnzimmer. Ich habe keine Adrenalinschübe, die will ich auch gar nicht haben. Ich möchte einfach nur in die Musik eintauchen. Ich fange gerade an, dieses Gefühl zurück zu gewinnen ...“

20. Bei so vielen Nebenaktivitäten, müssen wir uns Sorgen machen, dass ihr von Lucky Jim noch nicht leben könnt?

Gordon: „Der Grund, warum wir den Plattenvertrag verlängert und das zweite Album gemacht haben, ist folgender: Das erste Album hatte so viel Potential und viele Leute hatten hohe Erwartungen in uns. Außerdem haben wir in vielen Ländern positive Reaktionen erhalten. Wenn man das alles zusammen zählt, sollte das eigentlich eine Menge Plattenverkäufe ergeben. Aber meinen Kontostand beeinflusst es eher symbolisch als praktisch ... Wir bauen auf das neue Album und hoffen, dass es unser Schicksal ändern wird.“

21. Ben machst du auch noch Dinge nebenbei?

Ben: „Es ist sehr schwierig, noch einen anderen Job zu haben. Obwohl man für Musik sehr lange braucht und sie auch nicht wirklich viel Geld einbringt, muss man weiter machen. Jedenfalls wenn man an das glaubt, was man tut. Es ist hart und man hat kaum Geld zur Verfügung. Man muss sich einfach damit abfinden und weiter arbeiten. Man kann das als Ansporn sehen, aber es ist wirklich sehr schwierig.“

22. Aber es nicht so weit, dass du wieder als Snowboard-Lehrer in der Schweiz arbeiten musst, oder?

Ben: „Nein, soweit ist es noch nicht! Aber wir werden sehen, wie sich „All The King’s Horses“ macht. Ich habe noch meine Ausrüstung im Keller, also vielleicht...

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