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7 Fragen an die Macher Frank Otto und Bernt Köhler-Adams
1. Das Projekt TRIP begleitet Ihrer beider Leben
seit vielen Jahren. Wie hat alles angefangen?
Frank:
Angeregt durch Retro-Partys junger Leute hatten Bernt und ich gerade eine Bestandsaufnahme über
unsere musikalischen Wurzeln gemacht. Anlässlich eines Besuchs in Frank
Schweikert's Büro in der Hamburger Speicherstadt zeigte dieser mir nicht
nur seine Schnittplätze und sein vor der Tür liegendes Segelboot,
sondern er äußerte auch den Wunsch mit Unterwasseraufnahmen an einem
Film mitwirken zu wollen. Ich erzählte Bernt davon, und wir verabredeten
eine Art Filmmusik im Surroundsound zu machen.
Bernt:
Frank war zu der Zeit gerade frisch verliebt und hatte
als musikalischen Gruß zu
dem Song "Liebesbrief" von Thomas D. getrommelt. Diese Trommelsession
bildete dann den ersten Groove für's Intro, ein kleiner Sample erinnert
noch an diesen Vorgang. Als wir die Aufnahmesession beendet hatten, luden wir
Frank Schweikert zu uns ins Studio ein. Da er nichts ahnte, war er völlig überwältigt
und total begeistert.
Frank:
Von da an begannen die Vorbereitungen zu den ersten Unterwasser-Dreharbeiten,
was für mich auch bedeutete, erst einmal einen Kurs zum Erlangen eines
Tauchseins zu absolvieren. 2. Der Unterwasserfilm war sozusagen der
Erstgeborene. Dann kamen noch drei Geschwister. Alles
Wunschkinder oder "nicht aufgepasst"?
Frank:
Bei den Unterwasser-Dreharbeiten für "seamusic" auf den Seychellen
waren auch Florian Giefer und Karin Ecker mit von der Partie. Abgesehen von
einer Liebesromanze zwischen den beiden ergab sich in Diskussionen der Anspruch,
mehr als das Meer zu unserer Musik zu zeigen. Die Filmlounge, deren Teilhaber
Florian ist, unterbreitete dann die Idee zu "Track 2" in dem auch
Karin mit einem eigenen Beitrag vertreten ist.
Bernt:
Als Eliane und Ariane von Oxossifilm davon erfuhren, waren in "Track 2" schon
alle Beiträge an Künstler vergeben. So entwickelten die beiden ein
Konzept zur Verwirklichung von "Playing Planet". Frank:
Nun mag mancher denken, alle guten Dinge sind drei. Aber da war noch immer
meine Geschichte von der Meerfrau, die ich noch vor den Dreharbeiten von "seamusic" entwickelt
hatte.
Bernt:
Mit Dragan Reiser entwickelten wir das Malerei-Performance
Konzept und die Beiden malten los. So entstand als
vierter Film "Artwork" unter der
Regie von Stefanie Volkmer, für die Frank zu Beginn "Liebesbrief" getrommelt
hatte.
Frank:
So hat sich der Kreis auf natürliche Weise geschlossen. Die "Kinder" waren
also nicht geplant, aber dennoch gewünscht.
Bernt:
Sehr unterschiedliche Geschwister, aber die Eltern haben sie alle lieb. 3. Nun sind vier abendfüllende Filme und jede Menge zusätzliches
Material entstanden. Wenn ich Ihre Arbeitsweise richtig verstanden habe, sollten
sich die Künstler keinerlei Gedanken über mögliche Vermarktungsformen
machen? Was war der Hintergrund?
Frank:
Wir haben das Projekt als Musiksession begonnen und wollten nun eine möglichst
intuitive Session der Bilder. Wir waren und sind davon überzeugt, dass
aufgeschlossene Menschen auch in einem offenen und freien Prozess beginnen
etwas "Sinnvolles" zu entwickeln.
Bernt:
Um die Diskussion auf der kreativen, künstlerischen und inhaltlichen Ebene
zu halten, haben wir in Anlehnung an eine buddhistische Weisheit formuliert: "DAS
ZIEL IST IM WEG". So konnte die Authentizität jedes Einzelnen sichtbar
und die des Kollektivs erlebbar gemacht werden. Früher nannte man das
wohl Selbstverwirklichung.
Frank:
Unser Denken war auf die Vielschichtigkeit des Projektes gerichtet. Nun muss
eben auch die Vermarktung kreativ gestaltet werden, was ich nicht als Nachteil
empfinde. 4. Mit der Musik-Film-Installation auf vier
getrennten Leinwänden haben
Sie schon Festivalerfahrungen gesammelt – u.a. auf dem Internationalen
Filmfest von Havanna. Wie waren die Reaktionen?
Bernt:Überwältigend! Nicht nur, dass der Festivaldirektor Juan Giroud unseren
Beitrag spontan zum interessantesten des gesammten Festivals gekürt hat.
Besonders überraschend war für uns, dass in diesem Land, in dem überall
Musik erklingt und jede Hüfte schwingt, unsere Musik so begeistert aufgenommen
wurde.
Frank:
Frank Schweikert wurde gleich von offiziellen Stellen eingeladen, Aufnahmen
von dem Korallenriff vor Kubas Küste zu machen. Des weiteren wurden wir
am Tag nach der Vorführung zu Diskussionen mit Studenten der Kunsthochschule
gebeten, welche sehr lebhaft und kreativ verliefen.
Bernt:
Jeder hatte seine eigene Sichtweise zu unserem Projekt. Genau das wollten
wir erreichen. 5. Nun ist zusätzlich noch eine 35mm-Split-Screen-Version für den
Kinoeinsatz entstanden. Im Endeffekt eine weitere Schnittfassung, ein weiterer
Film. Wie würden Sie die Unterschiede zwischen Installation und Kinofassung
beschreiben?
Frank:
Die Installationen verstehen wir mehr als Event, bei dem der Besucher als Teil
des Events auch eine Rolle spielt. Sie bietet mehr Möglichkeiten, sich
dem Projekt zu nähern und sich damit auseinander zusetzen. Das Kino
hingegen bietet den Komfort einer guten Akustik für besten Genuss der
räumlichen Dolby Digital 5.1 Musikproduktion. Das Dunkel des Vorführungsraums
verleitet zum Konsum und damit auch zum "sich fallen lassen". Dieser
vielleicht sogar emotionalere Zugang ist uns sehr wichtig, auch wenn er den
einzelnen Filmen nicht gerecht werden kann.
6. Bei nur einmaligem Betrachten des Films,
ganz gleich in welcher Fassung, wird jeder
Zuschauer seinen persönlichen Film im Kopf entstehen lassen. Viele werden
den Wunsch
haben, das akustisch und visuell beeindruckende Werk öfter und vielleicht
auch genauer
und konzentrierter zu erleben. Sicher ist eine DVD-Veröffentlichung geplant.
Was wird man darauf erwarten dürfen?
Frank:
Hier kann das volle Spektrum des Projektes erlebt werden. Neben der Kinofassung
kann hier jeder der vier Hauptfilme einzeln betrachtet werden und der Zuschauer
damit auch so etwas wie seinen Lieblingsfilm ausfindig machen.
Bernt:
Darüber hinaus erfährt man im "Making of" eine Menge über
unsere ungewöhnliche Herangehensweise, die Tücken und Zufälle
bei den Dreharbeiten und Erläuterungen zu bestimmten Sequenzen. Ein interaktives
Medium zum individuellen Genuss also. 7. Bald sind diese Kinder aus dem Haus. Wie geht es weiter?
Frank:
Wir werden ein neues Projekt auflegen und die beteiligten Künstler einladen,
wieder dabei zu sein. Die Zufälligkeiten einer Session brauchen wir nicht
weiter untersuchen, dass haben wir jetzt bereits ausführlich getan. Ich
möchte die Bilder ineinander Verschmelzen und auf diese Weise neue Sichtweisen
aufzeigen. Schon während meines Kunststudiums hat mich das Verhältnis
des Vordergrundes zum Hintergrund interessiert. Die unterschiedlichen Ebenen
habe ich bereits vor Augen. Die Filmemacher wollen wir dann auch von Anfang
an in den Prozess der Musikgestaltung miteinbeziehen. Die Besucher und Kritiker
von TRIP werden uns natürlich auch beeinflussen, aber für uns ist
klar, dass wir einen nicht ausgetretenen eigenständigen Weg gehen wollen.
Man wird also wieder von uns hören und sehen.
Das TRIP Tagebuch (Auszug)
18.08.2006: Veröffentlichung der Single 'Underway’
18.8.2006: Veröffentlichung der CD TRIP – Remix Your Experience
in Deutschland
17.8.2006: Kino-Start von TRIP – Remix Your Experience in Deutschland
20.5.2006: Europäische Premiere in Cannes während des Filmfestivals
29.9.2005: Deutschlandpremiere auf dem Hamburger Filmfest
20.9.2005: Welturaufführung in Japan auf der EXPO 2005
> www.trip-movie.com |
www.ferryhouse.net |